Menschen mit Behinderungen am Arbeitsmarkt 2015

Die Zahlen, die das Inklusionsbarometer Arbeit der Aktion Mensch nennt, klingen zunächst ganz gut. Über 1,15 Millionen Menschen mit Behinderung waren im November 2015 erwerbstätig. Das sind mehr als je zuvor. Doch es gibt Luft nach oben.

v.l.n.r. Peter Clever (stellv. Vorsitzender des Verwaltungsrates der Bundesagentur für Arbeit) , Prof. Bert Rürup (Präsident des Handelsblatt Research Institute), Moderator Thomas Exner (Ressortleiter Wirtschaft, Finanzen, Immobilien, "Die Welt"), Gabriele Lösekrug-Möller (Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Arbeit und Soziales), Jens Jannasch (Systemisches Business Coaching/Personal Coaching Jens Jannasch), Dennis Winkens (Mitarbeiter der moso GmbH)

v.l.n.r. Peter Clever (stellv. Vorsitzender des Verwaltungsrates der Bundesagentur für Arbeit) , Prof. Bert Rürup (Präsident des Handelsblatt Research Institute), Moderator Thomas Exner (Ressortleiter Wirtschaft, Finanzen, Immobilien, „Die Welt“), Gabriele Lösekrug-Möller (Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Arbeit und Soziales), Jens Jannasch (Systemisches Business Coaching/Personal Coaching Jens Jannasch), Dennis Winkens (Mitarbeiter der moso GmbH)

Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes sind in Deutschland derzeit mit 43,2 Millionen Erwerbstätigen so viele Menschen in Lohn und Brot wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Dass sich dieser positive Trend bereits im kommenden Jahr mit der steigenden Zahl der Flüchtlinge, die auf den Arbeitsmarkt drängen, wieder ändern wird, scheint gewiss. Aber was bedeuten die diesjährigen Tendenzen für Menschen mit Behinderungen?

1,15 Millionen Menschen mit Behinderungen erwerbstätig

Mehr als 1,15 Millionen Menschen mit Behinderung sind nach jüngsten Zahlen in Deutschland erwerbstätig – was von den Herausgebern des Inklusionsbarometer Arbeit der Aktion Mensch und des Handelsblatt Research Institute (HRI) als tendenzieller Erfolg gewertet wird.

„In vielen Teilbereichen sind Entwicklungen zu erkennen, die zu vorsichtigem Optimismus Anlass geben“, sagt Prof. Bert Rürup, Präsident des HRI. Positiv sei auch der Anstieg der Zahl der Unternehmen, die unter die Beschäftigungspflicht fallen, um mehr als 4.000 auf fast 150.000. Damit einher geht die Rekordzahl von 1,016 Millionen besetzten Pflichtarbeitsplätzen. Dies bedeutet auch, dass die Beschäftigungsquote von Menschen mit Behinderung auf 4,67 Prozent (Vorjahr: 4,64 Prozent) zulegt und näher an die gesetzliche Vorgabe von fünf Prozent rückt. Weitere 138.000 Menschen sind in Betrieben mit weniger als 20 Mitarbeitern beschäftigt.

Die Fortschritte sind relativ.

„Dennoch könnten Menschen mit Behinderung noch viel stärker vom Aufschwung am Arbeitsmarkt profitieren“, relativiert Armin von Buttlar, Aktion Mensch-Vorstand. Denn die Arbeitslosenquote von Menschen mit Behinderung ist mit 13,9 Prozent zwar leicht gesunken, aber immer noch doppelt so hoch wie in der Vergleichsgruppe ohne Behinderung. Die Zahl der Arbeitslosen mit Schwerbehinderung bestätigt den Handlungsbedarf: Sie ist mit 181.110 Menschen um rund 3.000 gestiegen.

Hinzu kommt, dass die Arbeitssuche im Durchschnitt 96 (Vorjahr: 95) Tage länger dauert als bei Arbeitslosen ohne Behinderung. Immer noch bleiben 36 (Vorjahr: 32) Prozent aller Arbeitgeber unter der Einstellungsquote für Menschen mit Behinderung von fünf Prozent. Sie zahlen stattdessen die gesetzliche Ausgleichsabgabe (siehe: Die Ausgleichsabgabe). Als Gründe nennen sie räumliche Barrieren und die mangelnde Bekanntheit der staatlichen Förderung.

Eine Bewegung am Arbeitsmarkt ist nicht zu erwarten: Nur zehn Prozent der befragten Unternehmen wollen in den kommenden zwei Jahren weitere Mitarbeiter mit Behinderung in ihrer Firma einstellen. Jedoch gibt der Erfolg inklusiv arbeitenden Firmen Recht. Mehr als drei Viertel aller Unternehmer (2015: 77 Prozent/Vorjahr: 74 Prozent) sehen keine Leistungsunterschiede zwischen den Beschäftigten mit und ohne Behinderung.

Die Schere klafft weit bei körperliche und geistige Behinderung

Die Art der Behinderung spielt bei der Einstellung eine entscheidende Rolle. Für Menschen mit einer geistigen Behinderung ist der erste Arbeitsmarkt weitgehend verschlossen. 67 Prozent der befragten Unternehmen stellen sich allerdings auf Mitarbeiter mit körperlicher Behinderung ein.

Weitere Informationen

Die gesamte Studie ist unter folgendem Link abrufbar: www.aktion-mensch.de/presse

Graphik Inklusionsbarometer Copyright Aktion Mensch, 2015 Downlaod https://www.aktion-mensch.de/presse/pressemitteilungen/detail.php?id=3229

Über das Inklusionsbarometer Arbeit

Für das Inklusionsbarometer Arbeit hat das Handelsblatt Research Institute bei einer repräsentativen Umfrage 500 mittelständische Unternehmen und 802 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Behinderung befragt. Zugleich sind die jüngsten Zahlen aus verschiedenen Quellen wie der Bundesagentur für Arbeit in die Bewertung eingeflossen. Das Barometer setzt sich aus Teilergebnissen zur Inklusionslage und zum Inklusionsklima zusammen und wird von der Aktion Mensch 2015 zum dritten Mal erhoben.

 

Siehe auch: Menschen mit Behinderung am Arbeitsmarkt 2017

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