Mit dem Rollstuhl auf Eis und Schnee

Wenn der Rollstuhl durch eine überfrorene Eisschicht bricht, klingt das fast als würde man in ein Magnum Eis beißen, um an den zartschmelzenden Kern unter dem Schokoladenüberzug zu gelangen. Da hört die Ähnlichkeit aber auch schon auf, denn alles was hier nach dem Knack kommt ist übel.

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Und mit dem Einbrechen ist es nicht getan. Man kann auch Steckenbleiben, Wegrutschen und in Verwehungen geraten, aus denen man dann nicht ohne weiteres wieder rauskommt. Zum Glück gibt es einige Hilfsmittel, mit denen das Fahren auf Eis und Schnee einfacher bewerkstelligt werden kann.

Geländereifen, Mountainbikereifen, Winterreifen

Swiss-Trac Winterreifen mit Spikes.

Am wichtigsten ist im Winter eine angepasste Bereifung. Mit Geländereifen mag man mit dem Rollstuhl vielleicht aussehen wie ein Traktor (siehe: Der Winter naht… Schnee vs. Rollstuhlfahrer) und mit ähnlicher Eleganz manövrieren, aber man ist deutlich sicherer unterwegs. Es gibt Geländereifen mit unterschiedlich tiefen Profilen und wahlweise auch mit integrierten Spikes.

Eine Übersicht darüber, welcher Rollstuhlreifen für welche Wind- und Wetterlage und welchen Untergrund am besten geeignet ist, gibt es auf Herstellerwebsites z. B. hier oder hier  und hier.

Kosten*: Geländereifen gibt es je nach Größe und Ausführung ab ca. 60 €, für einen Reifen mit Spikes muss man mit ca. 100 € rechnen.

Zusätzlich zu der angepassten Bereifung, können Vorspannräder (siehe: Das Vorspannrad- Ein fünftes Rad am Rollstuhl) oder Zuggeräte (siehe: Mobil mit Speedy, Swiss-Trac und Co.) helfen im Schnee nicht steckenzubleiben, von denen z. B. der Swiss-Trac mit einer Winterbereifung mit Spikes aufrüstbar ist. Und wenn man in eine Schneewehe geraten ist, kommt man mit einem Rollstuhl mit Hebelantrieb (siehe: Hebelbasierte Antriebssysteme für den Rollstuhl) eher wieder heraus.

 

Freedom Trax

Bild copyright freedomtrax, 2015 Downlaod Media Kit http://www.freedomtrax.com/documents/media-kit.pdfDer bereits im Beitrag Outdoor-Elektrorollstühle für den Trip ins Abendteuer vorgestellte Freedom Trax ist ein elektrisch betriebene Zusatzmodul, das unter dem eigenen manuellen Rollstuhl angebracht wird, einfach indem man in die Leitschienen einfährt und die Räder dort fixiert. Gesteuert wird es über einen Joystick, der an die Rollstuhllehne montiert wird. So aufgerüstet wird aus dem manuellen Rollstuhl vorübergehend ein Outdoor-Elektrorollstuhl.

Der Freedeom Trax läuft auf Gleisketten, für die unebenes Gelände, Sand und Matsch, vor allem aber Eis und Schnee kein Problem darstellen. Es gibt kein Steckenbleiben, keine Rutschpartien über vereiste Flächen. Die Gleisketten krallen sich fest, arbeiten sich nach vorne und schaffen dabei auch Gefälle.

Mit einer Aufladung kommt man ca. 6 Meilen (ca. 9,6 Kilometer) weit. Batterien und Ladegerät sind im Lieferumfang mitinbegriffen. Mit einem Gewicht von knapp 28 kg und Maßen von 23 cm (Höhe) und 92 cm (Länge) passt er in jeden Kofferraum oder in den Schrank bzw. die Besenkammer, wenn man ihn mal nicht braucht.

Kosten*: Das Standardmodell ist ab ca 5.000 US$ (ca. 4.640 €) erhältlich.

 

Wheelblades

Aus der Schweiz, das Land in dem der Winter ja praktisch erfunden wurde, stammen die Wheelblades. Diese preisgekrönten Kufen für den Rollstuhl werden unter die Vorderräder geklemmt und vereinfachen das Vorwärtskommen im Schnee, in dem ja gerade die Lenkräder gerne mal feststecken.

Die Kufen laufen mit wenig Reibung über den Untergrund und gleichen auch Unebenheiten aus. Die Lenkfunktion wird durch die Bindung im vorderen Teil der Blades gewährleistet. Für Stabilität während der Fahrt sorgen zwei Laufkanäle an der Unterseite.

Zudem sind die Wheelblades, laut Herstellerangaben, sehr handlich, haben ein geringes Gewicht und können in kürzester Zeit an allen gängigen Rädern befestigt werden. Der verstellbare Klemmverschluss deckt alle Radbreiten von 1-6 cm ab.

Für Tiefschneeabenteuer sind sie aber ungeeignet, da die Antriebsräder einsinken und ein Vorwärtskommen verhindern. Zudem sollten die Wheelblades immer mit Winterreifen (s. o.) kombiniert werden, um die Sicherheit des Nutzers zu gewährleisten.

Kosten*: Ein Paar Wheelblades sind für ca. 210 CHF (ca. 200 Euro) zzgl. MwSt. und Versandkosten zu haben.

wheelblades der Wheelblades GmbH, 2013 Aus dem Downloadbereich www.wheelblades.ch/go/download/index.php

Weitere Informationen

Für einen extra Beitrag über Schneeketten siehe: Schneeketten für den Rollstuhl

 

Spaß bei Minusgraden

Natürlich muss man Eis und Schnee nicht unbedingt von der negativen Seite sehen. Es kann auch Spaß machen sich auf verschneiten Wiesen und Wegen zu tummeln oder über spiegelglatte Eisflächen zu schlittern. Nämlich dann, wenn man mit der entsprechenden Ausrüstung unterwegs ist und sich an Rutschpartien so herrlich freuen kann, wie damals in der Kindheit. Auch hierfür gibt es Hilfsmittel für Rollstuhlfahrer:

 

Eisgleiter

Der KaGeHa-Eisgleiter des Designerteams Schorbach, Gerhard Kirchner und Hans Rinn wurde entwickelt um Chancengleichheit auf dem Eis zu ermöglichen. Basis des TÜV-geprüften Eisgleiters ist ein Stahlrahmen, der als Aufnahme für den Rollstuhl fungiert. Zwei Keile je Seite fixieren die Haupträder des Rollstuhls. Durch ein Kufenpaar lassen sich die Gleiteigenschaften individuell anpassen und mit Teleskop-Trekking Stöcken bewegt sich der Fahrer vorwärts (vgl.: Pole Wheeling – Nordic Walking für Rollstuhlfahrer). Mit seinen knapp 19 Kilo ist der Eisgleiter nicht gerade ein Leitgewicht; die Maße betragen 1 Meter (Länge) auf 62 cm (Breite) auf 7,4 cm (Höhe).

Kosten*: Ein Eisgleiter ist ab ca. 1.800 Euro zu haben.

In der Schweiz wurde von der Stiftung Cerebral unlängst ein Aktion ins Leben gerufen, bei der mehrere schweizerische Kunsteisbahnen mit Eisgleitern ausgestattet werden. Zu einer Liste der Eisbahnen mit Eisgleitern für Rollstuhlfahrer geht es hier: Gratis ausleihen der Eisgleiter in der Schweiz. Die Kosten trägt die Stiftung Cerebral.

 

Lugicap und Lugiglace

Schlitten für den Rollstuhl: Lugicap

Schlitten für den Rollstuhl: Lugicap

Schlittenfahren und Eisskaten ohne dabei den eigenen manuellen Rollstuhl verlassen zu müssen. Das ermöglichen auch die beiden Produkte Lugicap und Lugiglace des französischen Erfinders Fréderic Martin (FM concepts).

  • Lugicap

Der „Schlitten“ ist ein Gestell, auf das der Rollstuhlfahrer auffährt und an dem der Rollstuhl über ein Halterungssystem fixiert wird. Mit den Maßen (11 cm Höhe/ 118 cm Länge / 45-70 cm Breite) ist er zwar u. U. sperriger als der Freedom Trax, doch ist er mit nur 8,5 kg deutlich leichter und einfacher im Gepäck mitzunehmen.

  • Lugiglace

    Ab aufs Eis mit Lugiglace.

    Ab aufs Eis mit Lugiglace.

Der „Schlittschuh“ funktioniert so ähnlich, aber noch einfacher. Da auf Schlittschuhbahnen keine Gefälle zu erwarten sind und damit die Umsturzgefahr entfällt, gibt es kein aufwändiges Fixierungssystem. Man fährt den Rollstuhl einfach auf das Untergestell und los geht’s.

Kleines Manko: Beide Gefährte lassen sich nicht vom Fahrer manövrieren. Zum Vorwärtskommen bedarf es einer weiteren Person, die zieht oder schiebt. Vielleicht wären aber wie beim Eisgleiter (s. o.) Teleskopstöcke eine Möglichkeit, die ein selbständiges Antreiben ermöglichen könnte. Wer selbständig Schlittenfahren möchte, könnte aber auch gleich auf einen Langlauf-Monoski o. ä. umsteigen (siehe: Wintersport für Rollstuhlfahrer). Für Menschen mit eingeschränkter Oberkörperkraft oder -mobilität oder Eltern, die ihre Kinder im Rollstuhl mit in die verschneite Bergwelt nehmen möchten, sind sie aber sicher eine sinnvolle Alternative.

Kosten*: Der Preis für das Lugicap Standardmodell ohne Zubehör beträgt 1.600 Euro; der für den Lugiglace 1.500 Euro. Hinzukommen 70 Euro Versandkosten aus Frankreich. Einen Vertragshändler gibt es derzeit weder in Deutschland, Österreich noch der Schweiz.

 

Für noch mehr Produkte für den Wintersport siehe: TwinRider: Das Snowboard für Rollstuhlfahrer

*Alle Preise: Stand Jan. 2016

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