Peer Counseling mit der FGQ

Die Fördergemeinschaft der Querschnittgelähmten in Deutschland e. V. (FGQ) bietet seit 2015 einen Peer Counseling (dt.: Beratung) Service, bei dem Querschnittgelähmte mit Erfahrung andere (Neu-) Betroffene beraten. Auch neue Peers werden noch gesucht.

Bild-81590023 Copyright auremar,2013 Mit Genehmigung von Shutterstock.com

Peers sind Mitglieder derselben Anspruchsgruppe, sei es eine Alters- oder Interessengruppe oder einfach Menschen vom selben gesellschaftlichen Rang, z. B. Adlige, die sich gegenseitig beraten, unterstützen und beeinflussen. Auch Menschen, die ähnliche körperliche Einschränkungen haben, können Peers sein, und so liegt der Gedanke an ein Peer Counseling für Querschnittgelähmte nah. In den Niederlanden und Großbritannien gibt es schon lange bewährte Modelle, die dem beratenden Peer eine Brückenfunktion zwischen dem Klinikaufenthalt des Frischverletzten und dem Alltag zu Hause zusprechen.

Mitarbeiter gesucht

Die FGQ möchte das Konzept des Peer Counseling nun auch in Deutschland weiter etablieren und sucht deshalb Querschnittgelähmte, die trotz ihrer Behinderung ein erfolgreiches, erfülltes Leben führen und ihre Erfahrungen an Frischverletzte weitergeben möchten.

Nach einer entsprechenden Schulung durch die FGQ soll der Peer Counselor Ansprechpartner der jeweiligen Klinik (angesprochen werden alle Querschnittzentren in Deutschland) in seiner Nähe sein. Auf Wunsch nimmt er Kontakt zu einem neuen Patienten auf, erklärt ihm die Rolle des Peers und trifft mit ihm eine Vereinbarung hinsichtlich z.B. Vertraulichkeit.

Der Peer Counselor soll für den neu Querschnittgelähmten

  • Ansprechpartner sein bei den sich offenbarenden Hindernissen
  • Impulsgeber zu einer Neuorientierung sein
  • Beispiel sein für eine Zukunftsperspektive.

Zudem soll der Peer Kontakte herstellen zu weiteren Betroffenen, optimaler Weise mit ähnlichen Interessen, wodurch der Patient unterstützt werden soll, sein eigenes, persönliches Netzwerk zu aufzubauen, so dass die Unterstützung des Peer Counselors nach einiger Zeit nicht mehr benötigt wird. Denn, so legt die FGQ in ihrem Konzept fest, ein Dauerzustand soll die Beratung und der Beistand durch den Peer Counselor nicht sein.

Voraussetzungen

Als Voraussetzungen, um die FGQ als Peer zu vertreten, nennt die FGQ folgende Punkte:

  • Sie sind Rollstuhlfahrer, mindestens drei Jahre querschnittgelähmt, zwischen 25 und 55 Jahre alt, mobil und zeitlich verfügbar,
  • Sie verfügen über Erfahrung hinsichtlich Berufswelt, Familie und sozialem Umfeld,
  • Sie haben einen Beruf und sind erwerbstätig oder ehrenamtlich engagiert,
  • Sie verfügen über Einfühlungsvermögen und Ihr Auftreten ist höflich und respektvoll,
  • Sie verfügen über Grundwissen hinsichtlich Querschnitt, Hilfsmittel, Recht …,
  • Sie sind kommunikativ und haben keine Scheu sich auszutauschen,
  • Sie sind grundsätzlich bereit an unseren Peers-Schulungen teilzunehmen (FGQ, 2016).

Initiator des Konzepts, Manfred Sauer, gibt außerdem folgendes zu bedenken: „Der Peer muss seine Grenzen kennen. Er muss wissen, wie weit er in seiner Beratung gehen darf (…)“. Und „Er muss auf die Gratwanderung zwischen Empathie und Distanz als Selbstschutz vorbereitet werden.“ Als Vorbereitung auf die Tätigkeit als Peer Counselor wird es daher regelmäßig entsprechende Schulungen geben.

Für sein Engagement erhält der Peer Counselor eine aus Spendengeldern finanzierte Vergütung.

Wer sich angesprochen fühlt und als Peer in Querschnittzentren in seiner Nähe tätig werden möchte, kann die FGQ unter folgendem Link kontaktieren: Kontakt FGQ

Zu weiteren Informationen über das Peer Counseling Konzept geht es hier: Peer Konzept

 

Sehe auch: Peer Counselor finden oder selber einer werden

Fragen & Kommentare

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  1. Anett Krummenerl 21.03.2016, 11:32 Uhr

    Lieber Salieri,
    wir freuen uns sehr über Ihr Interesse an unserem Projekt.

    Zunächst einmal haben wir uns auf die Kontaktaufnahme zu den Frischverletzten in den Querschnittzentren beschränkt, da hier die Vermittlung zum Peer am leichtesten möglich ist. Ärzte, Pflegepersonal, Physiotherapeuten, Sozialdienste u.v.a.m sind vor Ort und kennen Peer und Patienten.

    Wie der Name schon sagt, ist die FGQ vor allem eine Gemeinschaft Querschnittgelähmter und deshalb suchen wir querschnittgelähmte Peers als Berater. Sie sollen Mut machen und mögliche Wege aufzeichnen.

    Zusätzlich zu den Peers in den Querschnittzentren suchen wir Berater mit bestimmten Interessen oder Erfahrungen, z.B. querschnittgelähmte Mütter, zur Bildung eines großen Peer-Netzwerkes. So könnte sich der zuständige Peer Rat oder Hilfe bei seinen Kollegen holen.

    Wir danken Ihnen sehr für Ihre Vorschläge. Es handelt sich ja hier um ein Projekt, das gerade erst richtig anläuft. Vielleicht lassen wir Ihre Ideen in den nächsten Jahren mit in unsere Arbeit einfließen.

    Viele Grüße

    Anett Krummenerl
    Geschäftsstelle der FGQ

  2. Salieri 18.03.2016, 12:32 Uhr

    Keine schlechte Sache dieses Peer Counsalting, leider aber nur für diejenigen, die in der Stadt oder stadtnah wohnen, weil es nur dort QSL-Zentren gibt.
    Ungünstig ist auch die Beschränkung auf Rolli-fahrende Counsalter und Patienten, womit man so tut, als wenn nur diese zur Hilfe fähig bzw. hilfebedürftig sind.

    Warum erweitert man eigentlich nicht den Patientenkreis auf z.B. Rückenmarksgeschädigte oder – noch weiter – auf ZNS-System geschädigte (z.B. incl. MS- und Schlaganfall-Patienten)? Sind die Symptome und daraus resultierende Problemenicht sehr weitgehend gleich bei ihnen?

    Die Vorteile:

    Man schränkt dabei den Kreis der hilfsbereiten und -fähigen Peers zum einen nicht auf Abhängigkeit von der Nähe zu einem QSL-Zentrum ein, andererseits muss dieser nicht unbedingt QSL-betroffen sein, was die Anzahl möglicher Peers eher erhöht.
    Vielleicht fühlt sich ja auch ein erfahrener Mediziner, Physiotherapeut oder Pfleger und dgl. berufen, so einen Job zu machen.
    Ich als QSL-betroffener würde die Hilfe dieser Leute jedenfalls nicht ablehnen.

    • Tanja Konrad 21.03.2016, 09:48 Uhr

      Guten Tag Salieri,

      vielen Dank für Ihr Kommentar und Ihre Gedanken zur sinnvollen Verbesserung des Angebots. Wir werden werden Ihre Idee an Frau Krummenerl (Anett.Krummenerl @ fgq.de) von der FGQ weiterleiten.

      Viele Grüße
      Tanja Konrad