Homecare-Unternehmen

Die meisten Menschen mit Querschnittlähmung benötigen medizinische Hilfsmittel, um gestörte Körperfunktionen kompensieren zu können und im Alltag zurechtzukommen. Welche Rolle spielen dabei die Homecare-Unternehmen? Wer steckt hinter dieser Bezeichnung und wann kommen sie zum Einsatz?

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Homecare-Unternehmen sind Vertriebsorganisationen und versorgen Menschen mit medizinischen Hilfsmitteln zuhause oder in stationären Pflegeeinrichtungen. Sie sind nicht zu verwechseln mit Leistungen der ambulanten Pflege bzw. Hauskrankenpflege oder Leistungen der Pflegeversicherung. Sie sind Leistungserbringer nach dem 5. Sozialgesetzbuch (SGB V Gesetzliche Krankenversicherung) und müssen einen Vertrag mit den Krankenkassen eingehen, um Betroffene mit Hilfsmitteln ausstatten zu können.

Die Homecare-Unternehmen kommen in der Regel aus den folgenden Bereichen:

  • Medizintechnischer Fachhandel
  • Hersteller mit medizinischem Fachpersonal
  • Sanitätshäuser
  • Apotheken

Was leistet Homecare und wer hat Anspruch darauf?

Anspruch auf die Leistungen ergeben sich für die Versicherten aus den §§ 31 und 33 SGB V. Voraussetzung ist, dass das Hilfsmittel von einem Arzt angeordnet wird.

Neben dem Anspruch auf das Hilfsmittel besteht außerdem Anspruch auf die Beratung und Einweisung hierzu. Dabei erfolgt die Einweisung und Beratung durch speziell geschultes Fachpersonal mit nachgewiesener Qualifikation. Beraten werden bei Bedarf auch Ärzte, Angehörige oder Pflegekräfte, wenn es um die Auswahl oder Anwendung des geeigneten Hilfsmittels geht. Handelt es sich um spezielle Produkte, die sehr beratungsintensiv oder aufwändig zu erklären sind, erfolgt eine enge Zusammenarbeit mit den Berufsgruppen. Im Bereich der Überleitung vom stationären in den häuslichen Bereich sollen Homecare-Versorger die Schnittstellen koordinieren, um die Versorgung übergangslos zu gewährleisten.

Zu den typischen Gebieten der Homecare-Versorgung gehören:

  • Enterale und parenterale Ernährungsformen
  • Infusionstherapien
  • Stoma- und Inkontinenzversorgung
  • Moderne Wundversorgung
  • Dekubitusprophylaxe
  • Tracheostoma- und Laryngektomietherapie
  • Sauerstofflangzeittherapie
  • Beatmung
  • Kompressionstherapie
  • Hilfsmittel, die die Mobilität des Patienten unterstützen

Was das bei Querschnittlähmung in bestimmten Bereichen konkret bedeutet:

  • Mobilitäts- und Rehatechnik
  • Umfasst die Beratung und Auswahl von Hilfsmitteln, die die körperlichen Einschränkungen kompensieren und die häusliche Umgebung betreffen. Außerdem erfolgt eine Einweisung und Schulung in die Handhabung der Hilfsmittel.
  • Inkontinenzversorgung
  • Ist die individuelle Versorgung mit ableitenden und aufsaugenden Hilfsmitteln, einschließlich Beratung und Einweisung von Patienten, Angehörigen und Pflegekräften.
  • Moderne Wundversorgung
  • Qualifizierte Wundmanager sind die Koordinatoren zwischen Arzt-Pflegedienst-Angehörigen-Patient und vorsorgen mit den notwendigen Produkten.

Das Ziel der Hilfsmittelversorgung über Homecare-Unternehmen ist eine kontinuierliche Versorgung mit Hilfsmitteln durch einen Ansprechpartner mit Fachausbildung. Die Versorgung soll individuell anhand  der Bedürfnisse des Patienten erfolgen mit der Absicht, die Lebensqualität und Selbstständigkeit des Patienten im häuslichen Umfeld zu fördern.  Gesundheitstherapien und die personenbezogene Betreuung zielen auf eine kosteneffiziente Versorgung nach dem Grundsatz „ambulant vor stationär“.

Das Dilemma

Am Beispiel der Inkontinenzversorgung wird deutlich, dass die empfohlenen Produkte und Stückzahlen nicht immer die geeignete Versorgung für den Einzelfall sein müssen.

Homecare-Unternehmen und die gesetzlichen Krankenkassen gehen dabei miteinander Verträge ein, um die Betroffenen mit Hilfsmitteln wie aufsaugenden Vorlagen, Urinalkondomen oder Einmalkathetern zu versorgen. Die Verträge kommen zum einen über Ausschreibungsverfahren zustande (wer hat den günstigsten Preis), zum anderen über Beitrittsverträge mit Monatspauschalen (mit dieser Pauschale muss der Homecare-Unternehmer den Versicherten über einen Monat ausreichend mit Inkontinenzmaterialien versorgen).

Dabei besteht die Gefahr, dass die Individualität in der Versorgung von den Kostenfaktoren zurückgedrängt wird oder die Versorgung nicht ausreichend ist, so dass der Versicherte ggf. aufgefordert wird, jeden Monat eine Aufzahlung zu leisten. Deswegen wird das Vorgehen, „Ausschreibungen nach dem günstigsten Preis“ lautstark kritisiert, da Qualität erst nach dem Preis steht und nicht umgekehrt.