Wohnen mit rollstuhlgerechten Bodenbelägen

Wenn man mit dem Rollstuhl auf einem Teppich unterwegs ist, kann man sich – je nach Flauschigkeit – fühlen, als führe man über einen Acker. Für den Einsatz im rollstuhlgerechten Haus oder Büro, gibt es Bodenbeläge, die weitaus besser geeignet sind.

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Der Boden der Tatsachen

Es gibt verschiedene Bodenbeläge, die für den Innenraum geeignet sind und dabei den Ansprüchen von Rollstuhlfahrern gerecht werden. Einen speziellen Hinweis für Rollstuhlfahrer nehmen Hersteller derzeit nicht vor; es gibt allerdings die Deklaration „stuhlrollengeeignet“. Wenn dieser vorhanden ist, kann man davon ausgehen, dass der Bodenbelag auch Rollstühlen und ihren Fahrern standhält.

Einige wichtige Anforderungen, die der Bodenbelag in der barrierefreien Wohnung erfüllen sollte, sind:

  • Strapazierfähigkeit, Robustheit, Beanspruchbarkeit
    Der Boden muss der Belastung durch den manuellen Rollstuhl bzw. den Elektrorollstuhl samt Fahrer standhalten.
  • Reinigung und Pflege
    Da ein Befahren der Innenräume meist mit denselben Reifen stattfindet, mit denen man auf der Straße unterwegs ist, sollte der Bodenbelag leicht zu reinigen und idealer Weise schmutzabweisend sein.
  • Rutschfestigkeit
    Der Boden sollte fugenlos und fest verlegt, d. h. vollflächig mit dem Untergrund verklebt, sein. So soll verhindert werden, dass er verrutscht oder Wellen bildet.
  • Antistatik
    Der Belag sollte antistatisch, d. h. die Böden müssen so gewählt sein, dass eine elektrostatische Aufladung beim Befahren mit dem Rollstuhl ausgeschlossen ist.
  • Rauigkeit
    Rauigkeit bedeutet „rutschhemmende Oberflächenbeschaffenheit“; die sog. Rutschhemmklasse muss in Aufenthaltsräumen mindestens R9 und in allen Bereichen, in denen der Fußboden nass werden könnte R10 bis R11 betragen. Vor allem Querschnittgelähmte, die mit Gehhilfen gehen, sollten dies beachten. Andererseits sollten aber z. B. Manual-Rollstuhlfahrer mit geringer Stärke in den oberen Extremitäten darauf achten, dass das Befahren des Bodens kein allzu großer Kraftakt wird.
  • Ansprechende Optik
    Der in der Theorie am besten geeignete Bodenbelag nützt nicht viel, wenn man sich mit der Optik nicht anfreunden kann. Bei der Auswahl der Böden sollte man daher immer die eigenen persönlichen Vorlieben in die Entscheidung miteinbeziehen.

Unabhängig vom gewählten Material sollte beim Boden in einem rollstuhlgerechten Umfeld darauf geachtet werden, dass der Boden (mit Ausnahme von Rampen und ebenerdigen Duschen) eben und flach ist, d. h. kein Gefälle aufweist, sodass das Wegrollen des Rollstuhls verhindert wird.

Bodenbeläge

  • Fliesen (Keramik und Naturstein)
    Werden besonders häufig in Küche und Bad eingesetzt. Sie sind unempfindlich, leicht zu reinigen und mit dem Rollstuhl sehr gut befahrbar. Damit der Boden nicht zu rutschig wird, werden Fliesen mit einer rauen Oberfläche der Klasse R9 bis 11 empfohlen. Im Handel erhältliche rutschhemmende Fliesen sind als solche gekennzeichnet. Eine rutschhemmende Wirkung kann zudem erzielt werden, wenn kleine statt große Fliesen verwendet werden, da so mehr Fugen entstehen.
  • Holzboden (Holzdielen und Parkett)
    Diese Bodenbeläge haben einen geringen Rollwiderstand sind antistatisch, strapazierfähig und lassen sich leicht reinigen. Die Rollstuhleignung hängt von der Qualität des Materials, der Holzart und der Oberflächenbehandlung ab; Hochglanzlack ist nicht zu empfehlen. Holzdielen und Parkett gibt es teilweise als „stuhlrollengeeignet“.
  • Laminat
    Hochwertige Laminatböden bestehen aus Holzwerkstoffen, die auf Trägerplatten aufgezogen und beschichtet sind, sind kratz- sowie fleckunempfindlich, haben eine hohe Stoß- und Druckfestigkeit und lassen sich gut reinigen.
  • Linoleum
    Linoleumböden werden aus Leinöl und Holzmehl oder Kork hergestellt und auf eine Trägerschicht aus Jute aufgezogen. Sie sind antistatisch, pflegeleicht sowie strapazierfähig und werden als weich und angenehm warm empfunden. Beim Verlegen wird Linoleum vollflächig mit dem Untergrund verklebt, sodass praktisch keine Fugen entstehen. Ausführungen mit bis zu Rutschhemmklasse R9 sind möglich. Ein Nachteil von Linoleum-Böden ist, dass sie regelmäßig neu beschichtet werden müssen, was einen erheblicher Aufwand darstellt.
  • PVC/CV
    Diese Beläge eignen sich für alle Wohnbereiche, d.h. auch für Bad und Küche. PVC- bzw. CV-Böden gelten als äußerst pflegeleicht und robust und haben einen als angenehm weich und warm empfundenen Belag, der trittelastisch und schalldämmend ist. Diese Böden gibt es auch in Ausführungen, die besonders rutschhemmend und für höchste Beanspruchung geeignet sind.
  • Elastomer
    Elastomer, das an dieser Stelle nur der Vollständigkeit halber erwähnt wird, ist ein Vollgummi (hauptsächlich aus Kautschuk). Bodenbeläge aus Kautschuk sind strapazierfähig, dauerelastisch, schalldämmend und angenehm weich. Durch kleine Noppen auf der Oberfläche bieten die Bodenbeläge außerdem ein Plus an Sicherheit beim Befahren. Eingesetzt werden Elastomerböden vor allem in öffentlichen Gebäuden oder dem Eingangsbereich von Mehrfamilienhäusern.

Extratipp: Um das Rutschen auf sehr glatten Fußböden zu verhindern, können nachträgliche Anti-Rutsch-Streifen bzw. Folien angebracht werden.

Auf dem Teppich bleiben

Wie bereits erwähnt, können Teppiche ob ihrer Flauschigkeit, für Rollstuhlfahrer eher hinderlich sein. Allerdings bieten Teppiche auch gewisse Vorteile. Sie sind warm, bodenschonend, geräuschdämmend (was nicht uninteressant ist, wenn auch Fußgänger im Haushalt wohnen) und für viele einfach gemütlicher. Auch für Kinderzimmer sind Teppiche häufig die geeignetste Alternative, da Kinder oft auf dem Boden sitzen und spielen und es dabei bequem haben sollen. Dies alles spricht für den Teppich; wer also trotz allem gerne einen haben möchte, muss auch als Rollstuhlfahrer nicht unbedingt darauf verzichten. Dabei gilt es folgendes zu bedenken:

  • Um zu vermeiden, dass der Teppich zur Stolperfalle wird, sollte man lose liegende Modelle meiden und stattdessen festverklebte Teppichböden wählen.
  • Material und Kleber müssen antistatisch sein.
  • Damit das Befahren von Teppichböden nicht zum Kraftakt wird, sollte ein Modell mit niedrigem Flor gewählt werden.
  • Material und Verarbeitung müssen der Belastung durch den Rollstuhl standhalten, sonst hat man nicht lange Freude an seinem Teppich. Auch hier haben die Modelle, die als „stuhlrollengeeignet“ deklariert sind, gute Chancen.

Extratipp: Über einen Holz- oder Steinboden kann man bei Verschmutzungen gut mal drüberwischen. Bei einem Teppichboden muss man schon mehr darauf achten, dass er nicht dreckig wird.

Siehe hierzu: Sauber: Slipper und Socken für den Rollstuhl.

Bodenbeläge in öffentlichen Gebäuden

Bodenbeläge in öffentlichen Gebäuden werden nach den Anforderungen der DIN 18040-2 für das barrierefreies Bauen geregelt. Hiernach müssen:

  • Bodenbeläge in Eingangsbereichen müssen rutschhemmend (sinngemäß mindestens R 9 nach BGR 181) und fest verlegt sein und für die Benutzung z.B. durch Rollstühle, Rollatoren und andere Gehilfen geeignet sein.
  • Für Duschplätze empfiehlt die DIN 18040-2 rutschhemmende Bodenbeläge (sinngemäß nach GUV-I 8527 mindestens Bewertungsgruppe B)
  • Bodenbeläge sollten sich zur Verbesserung der Orientierungsmöglichkeiten für sehbehinderte Menschen visuell kontrastierend von Bauteilen (z. B. Wänden, Türen, Stützen) abheben. Spiegelungen und Blendungen sind zu vermeiden (online-wohnberatung.de, 2016).

 

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