Kalorienzähler und Fitness Tracker für Rollstuhlfahrer

Wenn man auf sein Gewicht achten will, heißt es Kalorien zählen. Und zwar nicht nur die, die man über den Tag verteilt so wegfuttert, sondern auch die, die man durch körperliche Aktivität verbraucht. Für Rollstuhlfahrer zählt eine App. Oder neu ab 2016 ein zusätzliches Feature der Apple Watch.

Bild 88204318 copyright PhotoStock10,2013 Mit Genehmigung von Shutterstock.com

Wie viele Kalorien in Lebensmitteln stecken, kann man in verschiedenen Publikationen oder online-Ratgebern (und auch Apps!) nachlesen. Für Querschnittgelähmte bedarf es natürlich keine Extra-App, die die Kalorienanzahl im Essen bestimmt. Ein Apfel hat 150 Kalorien, ob er nun von einem Menschen mit Rückenmarksverletzung verputzt wird oder von einem ohne. Aber wie steht es mit dem Kalorienverbrauch? Auch hierfür gibt es Apps und Kalkulationstabellen – die sich allerdings nicht ohne weiteres auf Menschen mit Mobilitätseinschränkung anpassen lassen. Ein Schrittzähler ist jedenfalls, wenn man gar nicht gehen kann, in etwa so nützlich wie Glashammer. Wie also messen Rollstuhlfahrer wieviel Energie sie verbrauchen, wenn sie z. B. 500 Meter auf einer Strecke mit leichter Steigung rollen? Oder 1.000 Meter auf einer ebenen Strecke?

Wheelchair Calorimeter

Eine mögliche Antwort kann lauten: Mit der Wheelchair Calorimeter App. Diese iPhone App misst über GPS Koordinaten den Standort des Nutzers und stellt dadurch fest wann er sich fortbewegt – damit ermittelt die App die bei der Bewegung verbrauchte Energie. Der Wheelchair Calorimeter zeigt nur einen Schätzwert, basierend auf dem eigenen Körpergewicht und der zurückgelegten Distanz an. Der Pulsschlag, der bei der körperlichen Anstrengung erreicht wird, wird nicht gemessen und auch Bodenbeschaffenheit und vorhandene, bewegte Muskelmasse werden nicht in die Kalkulation miteinbezogen. Diese Vorteile, und damit auch eine genauere Anzeige der verbrauchten Energie, würde der Freewheel Fitness Tracker vom Hersteller Caotic Moon (siehe: Freewheel – Fitness Tracker für Rollstuhlfahrer) bieten. Leider hat der Freewheel ein entscheidendes Manko, das gegen ihn spricht: entgegen aller Prognosen und Versprechungen lässt eine Markteinführung derzeit (Feb. 2016) noch immer auf sich warten. Den Wheelchair Calorimeter von Craigsapplication hingegen, gibt es bereits seit 2015 in den Appstores zu kaufen.

So funktioniert die Wheelchair Calorimeter App:

Die Distanz, die man im manuellen Rollstuhl zurücklegt, wird über ein ins iPhone des Nutzers integriertes GPS System gemessen; etwaiges Gefälle wird dabei berücksichtigt. Anhand des Gewichts des Nutzers errechnet die App die verbrauchten Kalorien während der Trainingseinheit.

  • Die App ist einfach zu benutzen: Nach dem Download gibt man gibt das eigene Gewicht ein und drückt Start.
  • Das Gewicht kann man variieren, je nachdem ob man mit dem Standardrollstuhl, einem Rennrollstuhl oder einem Handbike unterwegs ist.
  • Die App speichert die Daten kontinuierlich, so dass sein Tagebuch mit den jeweiligen Sporteinheiten angelegt werden kann, das die täglich zurückgelegte Strecke, die überwundene Steigung und die verbrauchten Kalorien archiviert.
  • Die App ist nur in englischer Sprache erhältlich, doch die verwendeten Begriffe sind einfach zu verstehen und die Anweisungen nicht umfangreich. Zudem kann der Wheelchair Calorimeter auf das metrische System angepasst werden.
  • Während die App läuft kann das iPhone trotzdem für das Abspielen von Musik, zum Telefonieren oder zum SMS-schreiben verwendet werden.
  • Die App ist derzeit nur für iPhones erhältlich und nur für Sporteinheiten im Freien verwendbar.

Zusätzlicher Hinweis des Herstellers: Eine ständig aktivierte GPS-Funktion kann die Akku-Laufzeit des Smartphones erheblich verkürzen.

Kosten

Die App ist für 0,99 Euro (Stand: Feb. 2016) im Appstore erhältlich.

Apple Watch Fitness Tracker

Im Juni 2016 kündigte Apple ein neues Feature für die Apple Watch an. Es soll Rollstuhlfahrer dazu motivieren sich mehr zu bewegen. Zudem werden zurückgelegte Entfernung, Geschwindigkeit und verbrauchte Kalorien gemessen.

„Wir wollen Produkte anbieten, die Menschen in allen Lebenssituationen dienen“, sagt Apple Sprecher Jeff Williams. „Uns war klar, dass das Kommunizieren über ein Gerät am Handgelenk vielleicht schon einen Vorteil für Rollstuhlfahrer ist, doch wir wollten ihnen auch eine Möglichkeit bieten mit der Apple Watch gesünder zu werden.“ Natürlich macht ein Fitness Tracker alleine nicht gesünder, räumt Kooperationspartner Jeff Underwood ein, doch sollte er den Nutzer daran erinnern, dass Inaktivität nicht die Norm sein sollte.

Bei der Entwicklung waren 300 Rollstuhlfahrer beteiligt, die an einer 3.000 stündigen Aktivitätsstudie teilnahmen.

Die Daten, die aufgenommen werden, orientieren sich u. a. an der abweichenden Fahrweisen, die Rollstuhlfahrer annehmen, wenn sie auf Steigungen, Rampen oder über Hindernisse fahren. Als weiteren Faktor ermittelte das Apple-Team unterschiedliche Sitzhöhen oder unterschiedlich große Reifen am Rollstuhl sowie verschiedene Bodenbeläge wie Teppich oder Asphalt. Zudem wird in die Berechnungen miteinbezogen, ob der Rollstuhl aufgrund einer Querschnittlähmung oder einer Krankheit wie z. B. Muskuläre Dystrophie genutzt wird.

Kosten und Verfügbarkeit

Das Feature ist Teil des Software Update, watchOS 3.0, das für Herbst 2016 geplant ist und im Rahmen dessen an sich kostenlos, aber eine Apple Watch muss man dafür haben, und da kostet die billigste Variante derzeit ca. 350 €.

 

Anmerkung der Redaktion: Falls es Leser gibt, die die Calorimeter App oder den Fitness Tracker der Apple Watch nun ausprobieren, würden wir uns über einen Erfahrungsbericht freuen.

Fragen & Kommentare

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  1. Drees Ringert 20.02.2018, 10:40 Uhr

    Dieser Bericht ist nun zwar schon etwas älter, dennoch möchte ich einmal meine Erfahrungen mit der Apple Watch als Rollstuhlfahrer schildern. Vorweg finde ich es echt gut, dass ein Unternehmen sich mit einem Produkt für Rollstuhlfahrer beschäftigt und Forschung, Zeit und Geld investiert. Alle anderen Fitness Tracker beziehen sich nur auf Fußgänger und die getrackten Daten auf Rollstuhlfahrer zu beziehen ist unmöglich. Ich nutze die Apple Watch Series 3 und bin von der Technik sehr begeistert. Sie ist schnell, hat unglaublich viele Funktionen, es werden sehr viele Apps unterstützt und das Display ist brilliant. Nun zum sportlichen Aspekt. Die getrackten Daten der Apple Watch werden mit dem iPhone synchronisiert. Ich nutze zusätzlich noch die App „Lifesum“, in der ich meine Mahlzeiten eintrage. Die App ist kompatibel mit den Apple Apps, sodass der Kalorienverbrauch, den die Apple Watch getrackt hat, auch in der Lifesum App berücksichtigt wird. Diese Kombination fand ich sehr nützlich, da sie mir verdeutlicht hat, wo ich etwas verändern muss. Ich habe beispielsweise zuviel Fett gegessen, obwohl ich dachte, dass ich mich gesund ernähre.
    Sportlich gesehen „verlangt“ die Apple Watch, dass man jeden Tag seine drei Aktivitätsvorgaben erfüllt. Dies wird dargestellt in drei Ringen: Bewegen, Trainieren und Rollen. Jeden Tag sollte man versuchen die drei Ringe zu füllen. Seine Ziele kann man dabei selbst einstellen. Die Messungen erfolgen dabei anhand des Puls, der getätigten Schübe und der zurückgelegten Kilometer. Es ist erstaunlich wie viele Schübe man am Tag macht, wenn man sich ganz normal im Rollstuhl fortbewegt.
    Eine weitere App ist die Trainingsapp. Hier bietet die Watch folgende Trainingsmöglichkeiten: Outdoor Rollstuhltraining im Gehtempo (Schübe), Outdoor Rollstuhltraining im Lauftempo, Rad Outdoor, Gehen Outdorr, Laufen Outdoor, Gehen Indoor, Laufen Indoor, Rad Indoor, Crosstrainer, Rudergerät. Stepper, Hochintensives Intervalltraining, Beckenschwimmen, Freiwasser und Sonstiges. Für Rollifahrer bietet sich dementsprechend nur Rollstuhltraining, Beckenschwimmen und Sonstiges an. Ich nutze das Rad Outdoor Training beim Handbiken. Ob das nun verlässslich ist, kann ich nicht sagen. Hier wäre es wünschenswert, wenn Apple nachlegt und Handbiken als weitere Trainingsmöglichkeit anbietet, da ich denke, dass nahezu alle Rollifahrer Handbiken. Für mich persönlich wäre Kraftsport noch eine weitere wünschenswerte Ergänzung.
    Nichts desto trotz verhilft die Apple Watch zu einem gesünderen Lebensstil und als Rollstuhlfahrer muss man sich eben damit abfinden, dass man gesundheitlich mehr auf sich achten muss als Fußgänger.

    • Drees Ringert 20.02.2018, 18:47 Uhr

      Edit: Man kann viele weitere Trainingsarten hinzufügen, indem man ein Training unter dem Punkt „Sonstiges“ absolviert und es anschließend benennt. Hier kann man unter Anderem Kraftsport und sogar Handbiken auswählen! Damit haben sich meine Kritikpunkte erübrigt.

    • Tanja Konrad 21.02.2018, 13:44 Uhr

      Guten Tag und vielen Dank für das Teilen Ihrer Erfahrungen. Dieser ausführliche Kommentar wird für viele Leser sicher von großem Interesse sein.

      Viele Grüße
      Die Redaktion