Motorunterstütztes Bewegungstraining

Bewegung kann physiologisch auch dann sinnvoll sein, wenn sie passiv ausgeführt wird. Mit motorisierten Bewegungstrainern können Para- und Tetraplegiker passiv oder unterstützt Gelenke durchbewegen, ihren Kreislauf in Schwung bringen und ggf. Muskeln aktivieren.

„Auch ein rein passives Training hat positive Auswirkungen auf den gesamten Bewegungsapparat, auf das Herzkreislaufsystem, sowie auf das allgemeine Wohlbefinden des Anwenders“, sagt die Trainerin Maike Hahn, Leiterin des Gesundheitszentrums der Manfred-Sauer-Stiftung in Lobbach. Sie und ihre Kollegen betreuen querschnittgelähmte Gäste ganz verschiedener Lähmungshöhen und unterschiedlichen Beeinträchtigungen.

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Möglichkeit der Arm-/Handfixierung (hier am THERA-Trainer von medica Medizintechnik GmbH)

Je nach Funktionseinschränkung bietet sie ihnen unterschiedliche Trainingsmöglichkeiten an. „Wir können Bewegungstrainer für die Beine, für die Arme oder aber auch in Kombination von Armen und Beinen anbieten und gestalten die Therapie ganz individuell. Gerade das gekoppelte System bevorzugen viele, weil sie damit z.B. über die Armkraft die gelähmten Beine selbst in Bewegung bringen können“, so Hahn. „Ein paar digitale Gimmicks, wie z.B. gegen einen vorgegebenen Konkurrenten ein Rennen machen, versüßen das Training mit einen gewissen Spaßfaktor.“

Trainingsmöglichkeiten

Motorisierte Bewegungstrainer verschiedener Hersteller sind mittlerweile mit einer Hilfsmittelnummer versehen und wer zuhause trainieren möchte, für den gibt es auch eine „Homeedition“. Sie lassen sich in der Regel je nach gewünschtem Krafteinsatz so justieren, dass das Training individuell auf den Nutzer zugeschnitten werden kann. Die Rotation funktioniert dabei vorwärts und rückwärts, ein- oder beidseitig vom Stuhl oder Rollstuhl aus. Sollen auch die Arme passiv bzw. motorunterstützt bewegt werden, braucht das Gerät eine Fixierungsmöglichkeit für die Hände. Im Bereich der Beine und Füße gehören Vorrichtungen zur Fixierung oft bereits zur Grundausstattung.

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THERA-Tainer tigo 510 – Arm- und Beintrainer von medica Medizintechnik GmbH

Trainingsmodi am Beispiel des „MOTOmed letto2“ von Reck:

  • Passives Training mit Motor:
    Die Beine und Arme werden fixiert und rotieren mit Motorenkraft.
  • Aktives Training mit Motorunterstützung:
    Der Anwender trainiert mit geringer, eigener Muskelkraft und der Motor des Gerätes unterstützt die Aktivierung seiner Restmuskelkräfte.
  • Aktives Training:
    Der Anwender kann aktiv gegen fein dosierbare Wiederstände trainieren, von ganz leicht bis sehr schwer.

Eine Variante sind Geräte, die Arme und Beine miteinander koppeln. Am Crosstrainer „NuStep“ von physioaspect linke GmbH zum Beispiel können Anwender den Funktionsausfall der Beine mit den Armen kompensieren und so die Beinbewegungen selbst in Gang bringen.

Therapienutzen bei Menschen mit Querschnittlähmung

Effekte eines aktiven, motorunterstützten oder passiven Trainings zeigen sich entsprechend im Bereich des Bewegungsapparates sowie im Herz-Kreislauf-System:

  • Erhalt von Muskeln bzw. Muskelaufbau
  • Vermeidung bzw. Lockerung von Kontrakturen, insbesondere bei Spastik
  • Regulierung des Muskeltonus
  • Bewegung von Gelenken und Vorbeugung von Gelenkversteifungen
  • Anregung von Kreislauffunktionen: Durchblutung/Nährstoffversorgung
    und in der Folge:
    • Verbesserte Darmtätigkeit
    • Vermindertes Risiko für Dekubitus
    • Verbesserte Temperaturegulation
NuStep_MSS, Copyright: Manfred-Sauer-Stiftung, Lobbach
Der NuStep bietet ein gekoppeltes System: Mit der Kraft der Arme kommen auch die Beine in Bewegung – oder umgekehrt (von physioaspect linke GmbH)

„Gerade im Winter tut die Bewegung vielen gut und ist enorm wichtig. Eine Querschnittlähmung ist häufig die Ursache für Temperaturregulationsstörungen, d. h. die Betroffenen frieren oft mehr als andere – da hilft es, den Kreislauf regelmäßig in Schwung zu bringen“, erklärt Maike Hahn.

Modelle und Hersteller*

*Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.


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