Motorunterstützte Bewegungstrainer

Bewegung kann physiologisch auch dann sinnvoll sein, wenn sie passiv ausgeführt wird. Mit motorisierten Bewegungstrainern können Para- und Tetraplegiker passiv oder unterstützt Gelenke durchbewegen, ihren Kreislauf in Schwung bringen und ggf. Muskeln aktivieren.

„Auch ein rein passives Training hat Auswirkungen auf den gesamten Bewegungsapparat sowie auf das Wohlbefinden des Trainierenden“, sagt die Sporttherapeutin Jasmin Hofmann aus dem Gesundheitszentrum der Manfred-Sauer-Stiftung in Lobbach, die täglich querschnittgelähmte Gäste betreut. Je nach Funktionsbeeinträchtigung bietet sie ihnen unterschiedliche Trainingsmöglichkeiten an. „Wir haben Bewegungstrainer für die Beine, für die Arme oder in Kombination von Armen und Beinen. Gerade das gekoppelte System finden viele toll, weil sie damit z.B. über die Armkraft die gelähmten Beine selbst in Bewegung bringen können“, so Hofmann.

Trainingsmöglichkeiten

Motorisierte Bewegungstrainer verschiedener Hersteller sind mittlerweile mit einer Hilfsmittelnummer versehen und stehen häufig auch zuhause für den Einsatz bereit. Sie lassen sich in der Regel je nach gewünschtem Krafteinsatz so justieren, dass das Training individuell auf den Nutzer zugeschnitten werden kann. Die Rotation funktioniert dabei vorwärts und rückwärts, ein- oder beidseitig vom Stuhl oder Rollstuhl aus. Sollen auch die Arme passiv bzw. motorunterstüzt bewegt werden, braucht das Gerät eine Fixierungsmöglichkeit für die Hände. Im Bereich der Beine und Füße gehören Vorrichtungen zur Fixierung oft bereits zur Grundausstattung.

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Möglichkeit der Arm-/Handfixierung (hier am THERA-Trainer von medica Medizintechnik GmbH)

Trainingsmodi am Beispiel des „MOTOmed letto2“ von Reck:

  • Passives Training mit Motor:
    Die Beine und Arme werden fixiert und rotieren mit Motorenkraft.
  • Aktives Training mit Motorunterstützung:
    Der Anwender trainiert mit geringer, eigener Muskelkraft und der Motor des Gerätes unterstützt die Aktivierung seiner Restmuskelkräfte.
  • Aktives Training:
    Der Anwender kann aktiv gegen fein dosierbare Wiederstände trainieren, von ganz leicht bis sehr schwer.

Eine Variante sind Geräte, die Arme und Beine miteinander koppeln. Am Crosstrainer „NuStep“ von physioaspect linke GmbH zum Beispiel können Anwender den Funktionsausfall der Beine mit den Armen kompensieren und so die Beinbewegungen selbst in Gang bringen.

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THERA-Tainer tigo 510 – Arm- und Beintrainer von medica Medizintechnik GmbH

Therapienutzen bei Menschen mit Querschnittlähmung

Effekte eines aktiven, motorunterstützten oder passiven Trainings zeigen sich entsprechend im Bereich des Bewegungsapparates sowie im Herz-Kreislauf-System:

  • Erhalt von Muskeln bzw. Muskelaufbau
  • Vermeidung bzw. Lockerung von Kontrakturen, insbesondere bei Spastik
  • Regulierung des Muskeltonus
  • Bewegung von Gelenken und Vorbeugung von Gelenkversteifungen
  • Anregung von Kreislauffunktionen: Durchblutung/Nährstoffversorgung
    und in der Folge:

     

    • Verbesserte Darmtätigkeit
    • Vermindertes Risiko für Dekubitus
    • Verbesserte Temperaturegulation

„Gerade im Winter tut die Bewegung vielen gut. Eine Querschnittlähmung ist häufig die Ursache für Temperaturregulationsstörungen, d. h. die Betroffenen frieren oft mehr als andere – da hilft es, den Kreislauf regelmäßig in Schwung zu bringen“, erklärt Jasmin Hofmann.

Modelle und Hersteller

NuStep_MSS, Copyright: Manfred-Sauer-Stiftung, Lobbach
Der NuStep bietet ein gekoppeltes System: Mit der Kraft der Arme kommen auch die Beine in Bewegung – oder umgekehrt (von physioaspect linke GmbH)

Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ist nicht als Empfehlung zu verstehen. Die genannten Geräte wurden von der Redaktion nicht getestet.