Das barrierefreie Bad

Ein Badezimmer ist ein Ort, der Entspannung, Intimsphäre und Komfort bieten soll. Eine an die individuellen Bedürfnisse des Nutzers angepasste Ausstattung und großzügige Platzverhältnisse sind in einem barrierefreien Bad die Voraussetzungen, um neben der notwendigen Sicherheit auch eben dieses Wohlfühlerlebnis zu gewährleisten.

Bild 41918797 Copyright Amanda-Hsu, 2013 Mit Genehmigung von Shutterstock.com

Badewanne oder Dusche?

Für die Entscheidung, ob eine Badewanne oder ein Duschplatz in das barrierefreie Bad eingeplant werden soll, müssen die jeweiligen Vor- und Nachteile abgewogen werden: Zwar ist die Benutzung einer Dusche in der Regel einfacher und ungefährlicher, trägt aber nicht im selben Maße zur körperlichen Entspannung bei wie ein Vollbad (Hohenester/et al., 2012). Andererseits birgt ein Wannenbad gewisse Risiken, wie z. B. Verletzungsgefahr bei den Transfers und ein mögliches Überstrapazieren der Haut. Siehe: Hautpflege.

Folgende Kriterien sind bei der Planung und Ausstattung eines barrierefreien Bades zu beachten

  • Selbständiges Nutzen oder Nutzung mit Hilfsperson?
    • Bei selbständiger Badnutzung Grundriss und Ausstattung an die individuellen Bedürfnisse anpassen
    • Bei Nutzung mit Hilfsperson Grundriss und Ausstattung so anpassen, dass die Pflegeperson bei ihren Hilfestellungen möglichst entlastet wird
  • Raumausführung
    • Groß genug für die notwendige Bewegungsfreiheit
    • Rutschfester  Boden
  • Türen
    • Nach außen aufgehen
    • Von außen entriegelbar
    • Verriegelungen gut greifbar für Menschen mit eingeschränkter Fingerfunktion
  • Armaturen
    • Einhand-Mischbatterien mit langem Bedienungshebel
    • Regulierung der Wassertemperatur über zentrales thermostatgesteuertes Ventil oder Sicherheitsmischer mit Temperaturbegrenzung an den einzelnen Entnahmestellen, siehe: Die Haut bei Querschnittlähmung.

      Bad mit Kippspiegel und höhenangepasstem Waschbecken.

      Bad mit Kippspiegel und höhenangepasstem Waschbecken.

  • Waschbecken
    • Unterfahrbar
    • Siphon in Wandeinbau- oder rückversetzter Ausführung
    • Montage des Spiegels bei 85 bis 95 cm
  • Badewanne
    • Kraftsparende Einstieghilfen (z. B. Badewannenlifter)
    • Möglichkeiten für Querschnittgelähmte mit ausreichender Armkraft:
      • Haltegriffe
      • Längsseitiger verbreiteter Wannenrand oder breiter Sitzrand
      • Wanneninstallierter Badewannenlifter, der sich mittels Wasserdruck oder elektrischem Akku hebt und senkt
      • Für eine alternative Möglichkeit des Ganzkörperbades siehe: Die mobile Badewanne
    • Möglichkeiten für Schwerstbehinderte, die sich nicht stützen oder halten können:
      • Stationäre Lifter mit Boden- oder Wandbefestigung
      • Fahrbare Lifter
      • Deckenlifter
  • Dusche (siehe: Die barrierefreie Dusche)
    • Ebenerdig
    • Rutschfester Boden
    • Ausstattung mit fest installiertem Duschsitz (bzw. -liege) oder Duschklappsitz mit ausreichender Sitzfläche

oder

    • Befahrbar mit Duschrollstuhl
  • WC
    • Ausreichend Platz vor bzw. neben dem WC
    • Länge und Höhe der WC-Schale individuell bestimmen
    • Überfahrbar mit Toilettenrollstuhl oder Duschrollstuhl
    • Sonderausführung
      • Dusch-WC zur leichteren Reinigung des Intimbereichs
      • Elektrisch höhenverstellbare WC-Schale für einen leichteren Transfer
  • Haltegriffe / Überwechselgriffe
    • Entsprechend der individuellen Voraussetzungen
    • Tragfähige Wände von größter Wichtigkeit (Hohenester/et al., 2012)

Ein Beispiel ist der Mobeli QuattroPower Stützgriff, der auf einer planen, porendichten Fläche per Saugtellern haften soll:

Kosten

Die Rehabilitationsträger sind für Hilfen, die die barrierefreie Wohnung betreffen, zuständig. Wohnberatungsangebote gibt es auf Länder- und kommunaler Ebene.

Da nicht immer auf den ersten Blick gesagt werden kann, welcher Rehabilitationsträger zuständig ist, empfiehlt es sich, diese Frage über eine Servicestelle in der Nähe klären zu lassen. In den Ländern und Gemeinden gibt es zahlreiche Angebote zur Wohnberatung, um das selbständige Wohnen und die selbständige Haushaltsführung der Menschen in ihrer Wohnung und ihrem Wohnumfeld zu erhalten, zu fördern oder wiederherzustellen. Die Angebote werden von staatlichen Stellen, Behindertenverbänden, privaten Vereinen und Initiativen aber auch von Wirtschaftsunternehmen aus der Bau- und Inneneinrichtungsbranche geleistet (einfach-teilhaben.de, 2012). Weitere Informationen: Finanzierung von barrierefreiem Wohnraum

Planung

Wie ein rollstuhlgerechtes Bad aussehen und in der Planung umgesetzt werden kann, zeigt der Beitrag Barrierefreies Bauen – Planungsgrundlagen  auf null-barriere.de.

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