Mehr Folsäure für alle?

In den USA und Kanada werden Grundnahrungsmittel mit Folsäure angereichert, um angeborenen Fehlbildungen vorzubeugen. Der Arbeitskreis Folsäure und Gesundheit (AKF) fordert das auch für Europa.

Schon lange wird Frauen mit Kinderwunsch die Einnahme von Folsäure empfohlen. Sie sollte etwa vier Wochen vor der Zeugung und während der Schwangerschaft gezielt als Nahrungsmittelergänzung eingenommen werden. Folsäure kann das Ungeborene vor Fehlbildungen wie z. B. Spina bifida schützen, indem sie die Zellteilung und Blutbildung fördert, und ist deshalb in der Schwangerschaft besonders wichtig.

Allerdings sind nicht alle Schwangerschaften geplant und nicht alle Frauen wissen von dieser Empfehlung. Daher spricht sich der AKF in seinem Konsensuspapier „Folatstatus und Gesundheit“ dafür aus, Grundnahrungsmittel verpflichtend mit Folsäure anzureichern. Nach dieser Maßnahme sei die Häufigkeit von Neuralrohrdefekten in den USA und in Kanada um mehr als die Hälfte zurückgegangen, so Prof. Dr. Rima Obeid vom AKF. Darüber hinaus sei auch die Anzahl von Schlaganfällen gesunken sowie die Werte des möglicherweise gefäßschädigenden Stoffwechselproduktes Homozystein im Blut zurückgegangen (Arbeitskreis Folsäure und Gesundheit, 2015).

Die Empfehlung, mehr Obst, Gemüse und Vollkornprodukte zu essen allein reiche nicht, um Neuralrohrdefekten vorzubeugen. Die Experten sehen daher die Politik in der Pflicht. Neben der Aufklärung sei es wichtig, Grundnahrungsmittel angemessen mit Folsäure anzureichern und die erzielten Effekte zu evaluieren.

Folsäure und Folate

Folatverbindungen gehören zu den licht- und hitzeempfindlichen B-Vitaminen und kommen z. B. in Rinderleber, Weizenkeimen, Sonnenblumenkernen, Kichererbsen oder grünem Gemüse wie Grünkohl oder Blattspinat vor (folium, lat. = Blatt). Weniger empfindlich als die natürlichen Folatverbindungen ist die industriell hergestellte Folsäure, mit der auch heute schon Speisesalz, Müsli oder Fertigsuppen angereichert werden. Allerdings nicht gesetzlich vorgeschrieben, sondern je nach Hersteller.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt eine Aufnahme von 300 Mikrogramm (µg) Folat am Tag und rät Frauen mit Kinderwunsch zusätzlich zur Einnahme von 400 µg synthetischer Folsäure pro Tag in Form eines Präparats (Deutsche Gesellschaft für Ernährung, 2016).

Überdosierung noch nicht langfristig erforscht

Nicht alle Experten halten die Anreicherung von Grundnahrungsmitteln mit Folsäure für ratsam. Es gebe hier noch Forschungsbedarf, insbesondere zu den langfristigen Auswirkungen einer möglichen Überdosierung. Diese könne Schlafstörungen, Depressionen und Magen-Darm-Beschwerden verursachen, warnt z. B. die Stiftung Warentest mit Hinweis auf entsprechende Studien. „Einige Wissenschaftler vermuten, dass ein jahrelanges Übermaß an Folsäure auch das Wachstum von Krebsvorstufen begünstigen kann – vor allem Dickdarmkrebs“ (Stiftung Warentest, 2013).

Die DGE sprach sich bereits 2006 in einer Stellungnahme für eine flächendeckende Folsäureanreicherung von Mehl aus. Damit würde lediglich ein ausgewähltes Grundnahrungsmittel supplementiert werden. Die Experten schlagen vor, den Mehlsorten 550 und 630 pro 100 g je 150 µg Folsäure zuzusetzen. Pro Tag werde damit eine zusätzliche durchschnittliche Aufnahme von 135 µg bei Männern und 106 µg bei Frauen erreicht (Deutsche Gesellschaft für Ernährung, 2006).

Die täglich tolerierbare Zufuhr an Folsäure liegt nach Angaben der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa)  für Erwachsene bei 1 000 Mikrogramm. Für Kinder von 2 bis 17 Jahre sind es 200 bis 800 Mikrogramm (Stiftung Warentest, 2013).

Weitere Informationen auf: www.ak-folsaeure.de


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