Der Omnichair – Elektrorollstuhl der neuen Generation

Als „Ballett im Elektrorollstuhl“, bezeichnet der Hersteller das Fahren im Omnichair und wenn man diesen E-Rolli, ob nun live oder in Videos, in Aktion sieht, möchte man dem spontan zustimmen. Denn der Omnichair fährt wirklich ganz anders – er schwebt.

omnichair

Der Omnichair der schweizerischen Firma Omniroll ist nicht nur ein optisches Highlight sondern funktioniert auch mit einer Technologie, die es erstmals ermöglicht den Rollstuhl auf der Stelle rotieren zu lassen und ihn seitlich und diagonal fortzubewegen, ohne dabei großartig manövrieren zu müssen.

Der Omnichair wird über einen in die Armlehne integrierten Joystick und Touchscreen bedient. Mit dem Touchscreen werden Funktionen wie Geschwindigkeit, Licht, Blinken usw. gesteuert. Mit dem Joystick lenkt man, d. h. wenn man damit eine Bewegung nach z. B. rechts ausführt, fährt der Omnichair nach rechts; wird der Joystick diagonal nach links vorne bewegt, macht der Omnichair die gleiche Bewegung, ohne dass ein Radius gefahren werden muss. Zusätzlich kann der Kopf des Joysticks gedreht werden, und damit dreht auch der Rollstuhl auf der Stelle. Einen Wendekreis gibt es dabei nicht, was die Manövrierfähigkeit des Omnichairs im Vergleich zu herkömmlichen Elektrorollstühlen enorm erhöht. Laut Hersteller benötigt der Omnichair eine um ca. 30 % kleinere Manövrierfläche als andere Elektrorollstühle, was sich auf den Platzbedarf in Innenräumen und das Fahren in großen Menschenansammlungen positiv auswirken soll.

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Die Technologie dahinter

Am Anfang stand das Mecanum-Rad bzw. Ilon-Rad, das 1973 in Schweden von Bengt Ilon erfunden wurde, der damals für die Firma Mecanum arbeitete.

Anders als konventionelle Räder hat das Mecanum-Rad keine geschlossene Lauffläche. Stattdessen sind auf dem Umfang (der „Felge“) des Rades mehrere a6d337_03c7f6e03aa14ceebdaef3cb85a7e047drehbar gelagerte tonnenförmige Rollen meist im Winkel von 45 Grad zur Achse des gesamten Rades angebracht. Ausschließlich diese Rollen stellen den Kontakt zum Boden her. Diese Rollen haben keinen direkten Antrieb und können sich frei um ihre schräge Lagerachse drehen. Form, Größe und Abstände der Rollen sind so gewählt, dass das Rad quasi eine durchgehende Abrollfläche erhält. Das gesamte Mecanum-Rad dagegen wird von einem Motor mit veränderlichem Drehsinn und variabler Drehzahl angetrieben.

Fahrzeuge, die auf Mecanum-Rädern fahren, können sich – ähnlich wie Luftkissenboote – in zwei Dimensionen völlig frei bewegen. Sowohl aus dem Stand als auch aus der Fahrt heraus können sie jede beliebige Richtung ansteuern, Kurven von beliebigem Radius fahren oder auf der Stelle drehen.

Eine Weiterentwicklung des Mecanum-Rades sind Allseitenräder bzw. omnidirektionale Räder, die ebenfalls eine Bewegung in alle Richtungen möglich machen, aber den Nachteil eines sehr unruhigen Lauf haben und nur eine begrenzte Last tragen können. Andererseits hat es den Vorteil, dass es auch auf unebenen Böden gut klarkommt – was beim Mecanum-Rad eher fraglich ist.

Wie alltagstauglich ist der Omnichair?

Wie alltagstaublich ist der Omnichair? Auf ebenem Untergrund, wie er in Innenräumen gegeben ist, sieht er ja wirklich aus, als würde er schweben. Aber wie verhält er sich, wenn sein Benutzer damit auf der Straße unterwegs ist? Und auf der Straße Unebenheiten auftreten, wie Schlaglöcher, Kiesbelag oder Matsch? Und wie kommt der Omnichair damit zurecht, wenn einzelne Schwellen, z. B. Bordsteinkanten, überwunden werden müssen?

Herkömmliche Mecanum-Räder sind bis zu einer gewissen Größe nicht in der Lage auf unebenem Untergrund sicher zu fahren. Daniel Peter von Omniroll erklärt:

„Einigermaßen ebenen sollte der Untergrund schon sein – außerhalb von Wohnräumen fährt der Omnichair am besten auf Asphalt oder befestigten Gehwegen. Ein echtes Problem sind aber nur Sand und feiner Split, da sinkt der Omnichair ein. Keine Schwierigkeiten hat er mit Pfützen, auf Gras – auch nassem Gras – oder mit Matsch, wenn er nicht zu tief ist.“ Den Acker umpflügen kann man mit dem Omnichair, wie mit den meisten anderen E-Rollis, natürlich nicht (siehe hierzu: Outdoor-Elektrorollstühle für den Trip ins Abenteuer). Zudem muss man sich darüber im Klaren sein, dass durch die Beschaffenheit der Räder der Verschmutzungsfaktor größer ist. Bevor man von der Straße ins Haus fährt, sollte man daher die Räder auf einer Schmutzfangmatte gründlich reinigen, indem man ein paar mal hin- und herfährt. Peter hierzu: „Normalerweise arbeitet sich der Schmutz beim Fahren gut heraus. Am besten fährt man/frau auf den Schmutzfangteppich und rotiert ein paar Mal um die eigene Achse, damit sind die Rollen in Bewegung und der Schmutz wird auf dem Teppich abgestreift.“

Schwellen: Unebenheiten im Boden und Schwellen bis zu fünf Zentimetern stellen für den Omnichair kein Problem dar.

Die Sitzeinheit

Derzeit ist der Omnichair mit vom Hersteller selbst entworfenen Sitz, Arm- und Rückenlehnen versehen. Für diesen Bereich wünscht sich die Firma Omniroll jedoch einen spezialisierten Kooperationspartner, der die Anpassung an verschiedene Bedürfnisse gewährleisten kann; Gespräche mit verschiedenen Herstellern laufen derzeit.

Kosten und Verkaufsstart

Verkaufsstart für den Omnichair war im Herbst 2016 sein. Der Preis für den Omichair beträgt ca. 25.000 Euro (Stand März 2020), was selbst für einen Elektrorollstuhl nicht wirklich billig ist. Diese hohen Anschaffungskosten alleine könnten ausschlaggebend dafür sein, dass der Omnichair den gewöhnlichen Elektrorollstühlen nicht den Rang abläuft, denn was Fahrverhalten und Optik angeht ist er der Vorreiter einer neuen Generation.

Zu beziehen ist der Omnichair derzeit nur direkt bei Omniroll.ch. Vorbestellungen nimmt der Hersteller gerne entgegen. Zudem ist er auf der Suche nach Vertriebspartnern in Deutschland und Österreich.

Weitere Informationen

Zu Spezifikationen zum Omnichair geht es hier Omnichair Institutionen und hier Omnichair Privatpersonen.