Dauer und Phasen der Rehabilitation

Die Akutbehandlung selbst und die Erstrehabilitation nach deren Abschluss erfolgt nach Möglichkeit in einem Querschnittzentrum. Die Umsetzung der Rehabilitationsmaßnahmen und ihre Dauer werden individuell angepasst und nehmen auf die jeweils persönlichen Bedürfnisse, Voraussetzungen und medizinischen Besonderheiten des Patienten Rücksicht.

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Dauer der Rehabilitation

Die durchschnittliche Dauer der stationären Erstrehabilitation von Paraplegikern liegt bei 150 Tagen, die von Tetraplegikern bei 200 Tagen. Diese Durchschnittsdauer hat sich während der letzten Jahre reduziert, was auf die zunehmende Spezialisierung des Fachpersonals und die Erweiterung des ganzheitlichen Therapiekonzeptes zurückgeführt werden kann (Zäch/Koch, 2006). Eine weitere mögliche Erklärung für die reduzierte stationäre Erstrehabilitation sind Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen.

Phasen der Rehabilitation

In den meisten Querschnittzentren werden Patienten in allen Phasen der Rehabilitation betreut. Die Definition der Rehabilitationsphasen (auch) bei Querschnittlähmung, die auch von den Kostenträgern als Grundlage verwendet wird, erarbeitete die Bundesarbeitsgemeinschaft Rehabilitation (BAR) des Verbandes Deutscher Rentenversicherungsträger (VDR):

  • Phase A:
    Akutbehandlungsphase (Behandlungsphase im Akutkrankenhaus / Intensivstation)
  • Phase B:
    Behandlungs-/Rehabilitationsphase, in der (neben frührehabilitativen) noch intensivmedizinische Behandlungsmöglichkeiten vorgehalten werden müssen
  • Phase C:
    Behandlungs-/Rehabilitationsphase, in der Patienten aktiv in der Therapie mitarbeiten können, aber noch kurativmedizinisch und mit hohem pflegerischem Aufwand betreut werden müssen
  • Phase D:
    Behandlungs-/Rehabilitationsphase nach Abschluss der Frühmobilisation (Mobilität mit oder ohne Hilfsmittel, kein wesentlicher pflegerischer Betreuungsaufwand)
  • Phase E:
    Behandlungs-/Rehabilitationsphase nach Abschluss einer intensiven medizinischen Rehabilitation – nachgehenden Rehabilitationsleistung – und berufliche (soziale) Rehabilitation (nachgehende Therapieleistungen zur Re-Integration in Teilhabe und Teilhabesicherung)
  • Phase F:
    Behandlungs-/Rehabilitationsphase, in der dauerhaft unterstützende, betreuende (und/oder aktivierende) und/oder zustandserhaltende Leistungen erforderlich sind

Das Phasenmodell der BAR beschreibt eine durchgängige Versorgungskette von der Akutbehandlung (Phase A) bis zur Eingliederung in das soziale Umfeld und Langzeitbetreuung:

  • In der Phase B geht es zunächst um die Wiedererlangung basaler biologisch-vegetativer Autonomie ohne Beatmung etc.
  • In den Phasen C und D (= medizinische Rehabilitation) geht es um die weitere funktionale Stabilisierung, um die Überwindung von Fremdhilfe und um die Vorbereitung der sozialen Integration
  • Die Phase E (Rehabilitationsnachsorge) soll die nachgehenden rehabilitativen Maßnahmen und Leistungen
    • Zur Stabilisierung der Rehabilitationsfortschritte in der Lebenswirklichkeit,
    • Zum Transfer der Ergebnisse in das soziale Lebensumfeld,
    • Zur Unterstützung der sozialen Re-Integration und letztlich
    • Zum Erreichen einer bestmöglichen, an den individuellen Bedürfnissen orientierten sozialen Teilhabe

umfassen.

  • In Phase F geht es um die rehabilitative Langzeitversorgung von Schwerbetroffenen, die dauerhaft intensiver pflegerischer und aktivierender Unterstützung bedürfen.

Nachfolgende Tabelle stellt die Rehabilitationsphasen zum Grad der Autonomiefindung und den entsprechenden Zielen dar:

bezug Rehaphasen

(Reuther/ et. al., 2010)

Rehabilitationsmaßnahmen

Eine ganzheitliche (Erst-) Rehabilitation umfasst medizinisch-therapeutische, psychologische und sozial/berufliche Aspekte. Die Aufnahme erfolgt nach abgeschlossener Akutbehandlung bei stabilem Kreislauf und stabiler Atmung und nach Antrag auf Kostenübernahme durch den Kostenträger und entsprechender Zusage. Rehabilitationsziele sind stark abhängig von Läsionshöhe, Zusatzverletzungen, Zusatzerkrankungen, dem Allgemeinzustand, vorbestehenden körperlichen und geistigen Handicaps sowie der Compliance des Patienten (Gstaltner, 2012). Grundsätzlich sollte der Querschnittsgelähmte nach der Rehabilitation eine maximale Selbständigkeit erreicht haben und bei der Verrichtung des täglichen Lebens weitgehend unabhängig von der Hilfe anderer sein. Zusätzliches Ziel ist die Beherrschung der lähmungsbedingten Funktionsstörungen von Blase, Mastdarm und Sexualorganen (Osbahr/Modler, 2012).

Erstrehabilitation

1.  Frühstadium / Spinaler Schock

Die Rehabilitation umfasst:

  • Einsatz vorsichtiger Impulse für zurückkommende Funktionen aufgrund der theoretischen Chance einer Restitutio ad integrum
  • Komplikationsprophylaxe, d. h. die Vermeidung von:
  • Aktivierungsmaßnahmen:

2. Stadium

  • Die Rehabilitation umfasst:
    • Förderung physiologischer Abläufe
    • Übung erster Trickbewegungen
    • Funktionelles Training, wie
    • Spezialtherapie, wie

In diesem Stadium zeigt sich, ob die Lähmung komplett oder inkomplett ist und die Therapie wird entsprechend der sich hieraus ergebenden Anforderungen angepasst.

3. Stadium

  • Endgültige Vorbereitung auf die Entlassung in das häusliche Umfeld
  • Kompensation bestehender Defizite
  • Fixverordnung von Hilfsmittel

Begleitende Maßnahmen

Stets erfolgt eine Betreuung durch Psychologen und Sozialarbeiter; der Patient erhält Unterstützung in der Wohnraumadaptierung und in der beruflichen Wiedereingliederung.

Die Angehörigen erhalten Pflegeschulungen und Beratung.

Wiederholungsaufenthalt

Da im niedergelassenen/ambulanten Bereich erfahrene Stellen oft fehlen, bleibt die Rehabilitationseinrichtung meist lebenslanger Ansprechpartner. Gründe für einen Wiederholungsaufenthalt sind u. a. urologische und Inkontinenzprobleme, Hautschäden, neurologische und Aktivitätsveränderungen oder Hilfsmittelanpassungen (Gstaltner, 2012).

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