Krank in der EU

Wenn jemand eine Reise tut, so sollte er wissen, unter welchen Bedingungen er im Ausland medizinisch behandelt werden kann. Erst recht, wenn eine Behandlung ganz gezielt im Ausland erfolgen soll. Besondere Bedingungen gelten bei Reisenden mit Vorerkrankungen, die sich nicht einfach zusätzlich privat krankenversichern können.

SH-71236504-wavebreakmedia-gro

Unerwartet krank in einem EU-Land

Wer in einem Mitgliedsstaat der Europäischen Union (EU), der Schweiz oder in einem der Staaten des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) Island, Liechtenstein oder Norwegen eine medizinische Behandlung braucht, kann diese über die Europäische Krankenversicherungskarte (European Health Insurance Card, EHIC) abrechnen lassen. Dafür brauchen sie die Europäische Krankenversicherungskarte, die praktischerweise auf der Rückseite der Gesundheitskarte integriert ist. Die gesetzlichen Krankenkassen kommen auch für Kosten auf, wenn zwischen Deutschland und dem Reiseland ein Sozialversicherungsabkommen besteht. Voraussetzung ist, dass die Behandlung medizinisch notwendig ist, und darüber ein Arzt entschieden hat. Selbstbehalte und Zuzahlungen, die im Ausland üblich sind, müssen aus der eigenen Tasche bezahlt werden.

Dabei sei auch die Behandlung von chronischen Krankheiten, wie Dialyse oder Sauerstofftherapie, abgedeckt, so die Nationale Kontaktstelle für die grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung. Zudem dürfe der Aufenthalt nicht zum Zwecke der Behandlung erfolgen. Dann nämlich handelt es sich um eine geplante Behandlung, die anderen Bestimmungen unterliegt (s. u.). „Wenn der Aufenthalt hingegen z.B. zum Zwecke des Studiums, eines Urlaubs, oder einer Entsendung eines Arbeitnehmers erfolgt, dann kann die während eines solchen Aufenthalts anfallende notwendige Behandlung über die EHIC abgerechnet werden“ (Nationale Kontaktstelle für die grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung, 2016).

Die Deutsche Verbindungsstelle Krankenversicherung – Ausland (DVKA) des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherung Bund hält „Urlaubermerkblätter“ für Touristen im Ausland parat.

Medizinische Behandlungen im EU-Ausland planen

Die Nationale Kontaktstelle für die grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung kann Auskünfte nur für in Deutschland gesetzlich Krankenversicherte zusammenstellen. Privat Krankenversicherte können ihre Rechte ihrem jeweiligen Vertrag mit der Krankenversicherung entnehmen oder bei der Versicherung erfragen. Häufige geplante Auslandsbehandlungen sind z. B. Zahnersatz oder sogenannte Kuren.

Für gesetzlich Versicherte gibt es zwei Wege:

  • Die Behandlung im Vorfeld von der Krankenkasse genehmigen lassen: Die Krankenkasse stellt dafür einen Vordruck (E 112 oder S2) aus. Mit dieser Bestätigung weisen Patienten im Behandlungsstaat nach, dass die Krankenkasse die Kosten übernimmt. Die Ansprüche auf Behandlung ergeben sich nach Angaben der Nationalen Kontaktstelle für die grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung unmittelbar aus den Europäischen Verordnungen zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit (Verordnung (EG) 883/2004 und 987/2009).
    • Für jede ambulante und stationäre Leistung ist eine Vorabgenehmigung nötig.
    • Es können nur Dienstleister aufgesucht werden, also z. B. nur Ärztinnen und Ärzte, Zahnärztinnen und Zahnärzte, Krankenhäuser, die einen Vertrag mit der dortigen gesetzlichen Krankenversicherung haben. Deshalb sollten Empfehlungen von Hotelangestellten oder Bekannten vor Ort immer danach hinterfragt werden.
    • Der Leistungsanspruch ist begrenzt auf die Leistungen, die zum gesetzlichen Leistungskatalog im Behandlungsstaat gehören. Dieser kann über den Leistungsumfang der deutschen Krankenversicherung hinausgehen.
    • Bei Behandlungsfehlern ist nicht die deutsche Krankenversicherung Vertragspartner, sondern die Krankenversicherung im Behandlungsstaat, mit der der Dienstleister einen Vertrag hat. Bei Behandlungsfehlern werden deutsche Leistungsberechtigte im Behandlungsstaat wie ein gesetzlich Versicherter des dortigen Systems behandelt.
    • Eigenanteil: Es entstehen in der Regel Kosten nur in Höhe des Eigenanteils für gesetzlich Versicherte nach den Regelungen des Behandlungsstaats. Der im Ausland geleistete Eigenanteil kann erstattet werden, wenn die Kosten der Behandlung im Ausland niedriger sind als sie es in Deutschland gewesen wären. Bei einer Erstattung kann allerdings die in Deutschland ggf. fällige Zuzahlung verrechnet werden.
    • Die Abrechnung der Kosten findet direkt zwischen dem Gesundheitsdienstleister und den beteiligten Krankenversicherungsträgern statt, d. h. es entstehen keine Kosten für die Übersetzung von Rechnungen o. Ä. (Nationale Kontaktstelle für die grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung, 2016).
  • In Vorleistung gehen und im Nachhinein eine Erstattung beantragen: Das ist möglich, wenn die Krankenversicherung die Leistung auch in Deutschland übernehmen würde. Die Bedingungen leiten sich hier aus § 13 Absätze 4 – 6 fünftes Sozialgesetzbuch (SGB V) ab. Der deutsche Gesetzgeber hat hier die Vorgaben der Europäischen Richtlinie zur Patientenmobilität umgesetzt.
    • Die Besorgung und Vorlage von Vorabgenehmigungen entfällt.
    • Auch private Gesundheitsdienstleister (z. B. Privatärzte, Privatkrankenhäuser) kommen infrage. – Der Leistungsumfang ist nicht auf den für gesetzlich Versicherte im Behandlungsstaat beschränkt.
    • Die Kosten einer Behandlung können höher sein als die Erstattung durch den Krankenversicherungsträger in Deutschland. Dann müssen Patienten die Differenz selbst tragen.
    • In allen Fällen müssen die Ansprüche des Dienstleisters zunächst selbst getragen werden.
    • Die Rechnung muss – sofern sie nicht auf Deutsch erstellt wurde – auf Kosten des Patienten für die deutsche Krankenversicherung übersetzt werden. Sie sollte alle Behandlungsposten und Einzelbeträge detailliert aufgeschlüsselt umfassen. Umgekehrt kann eine Übersetzung auch für frühere Dokumente aus Deutschland notwendig werden, wenn sie für die Behandlung relevant sind.
    • Bei Behandlungsfehlern gilt das Recht des Behandlungsstaates. Die deutsche Krankenversicherung ist nicht einbezogen.
    • Von der Richtlinie zur Patientenmobilität gänzlich ausgeschlossen sind öffentliche Impfprogramme, Organtransplantation und Langzeitpflege.

Checklisten für geplante medizinische Behandlungen im EU-Ausland

Von der Genehmigung bei der eigenen Krankenkasse über Auswahl und Kostenvoranschläge eines Dienstleisters im Ausland bis hin zu Dokumenten aus der Patientenakte – Auf der Webseite der Nationalen Kontaktstelle für die grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung haben die Autoren Checklisten für das Vorhaben „Behandlung im Ausland“ verlinkt:

Jede Konstellation sollte im Vorfeld mit der eigenen Krankenversicherung besprochen werden, da u. U. erhebliche Kosten entstehen können.

Unerwartet krank in einem Land außerhalb der EU

„Wer in Länder außerhalb der Europäischen Union reist, mit denen kein Sozialversicherungsabkommen besteht, wie zum Beispiel den USA oder Thailand, bekommt die anfallenden Behandlungskosten im Ausland von der Krankenkasse nicht erstattet“, warnen die Verbraucherzentralen (Verbraucherzentrale, 2016).

In der Regel empfiehlt sich daher eine zusätzliche Auslandsreisekrankenversicherung.

Ausnahme Vorerkrankung

„Wer aufgrund einer Vorerkrankung oder seines Alters keine private Absicherung bekommt, erhält notwendige Kosten einer ungeplanten Behandlung auch in diesen Ländern von der gesetzlichen Krankenkasse erstattet“, so die Verbraucherzentralen. Am besten man könne nachweisen, dass die privaten Versicherer den zusätzlichen Schutz abgelehnt haben. Dazu muss man sich vor der Reise die Mühe machen, die Zusatzversicherung anzufragen bzw. den Versicherungsschutz mit der eigenen Versicherung in Schriftform abzuklären. Der Schutz von chronisch Kranken im Ausland ist im Sozialgesetzbuch V in § 18 festgeschrieben. Für sechs Wochen im Jahr übernimmt die Kasse in den entsprechenden Fällen die Kosten bis zu der Höhe, in der sie im Inland entstanden wären – auch bei Reisen außerhalb Europas. Sie springt ebenfalls ein, wenn Menschen mit Vorerkrankungen aus schulischen oder Studiengründen einen außereuropäischen Aufenthalt planen und sich nachweislich nicht privat versichern können.

Weitere Informationen

http://www.eu-patienten.de/

 

 

Fragen & Kommentare

Fragen & Kommentare zu diesem Artikel


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu hinterlassen.

Zur Registrierung geht es hier lang.