Erfolgreich Bloggen. Für Rollstuhlfahrer.

Rollstuhlblogger gibt es im deutschsprachigen Raum einige (siehe: Blogs von und für Rollstuhlfahrer). Aber wie schafft man es, sich als Rollstuhlblogger einen Namen zu machen? Tanja Kollodzieyski, David Lebuser und Steffen Löw geben Antworten.

wie bloggt man richtig

Wer bloggt, ist Teil einer großen immer noch wachsenden Gemeinschaft. Einerseits ist dies an sich natürlich schön; es bedeutet aber auch, dass man selbst, der eigene Blog und die Inhalte, über die man schreibt, mit vielen anderen mithalten müssen. Wie schafft man es, aus der Masse herauszustechen? Wie wird man ein erfolgreicher Blogger?

Zunächst einmal muss man sich die Frage stellen, was überhaupt „erfolgreich“ bedeutet. Wer einen Blog als persönliches Tagebuch startet, um seine Gedanken mit Familie und Freunden zu teilen, hat Erflog, wenn alle, von denen man es sich wünscht, die Einträge lesen und Freude daran haben. Wer sich mit seinen Inhalten an eine bereitere Masse richtet, kann den Erfolg über Zugriffszahlen messen und daran, wie viele Follower er hat. Auch Kommentare können ein Erfolgsindikator sein, sowie natürlich Anfragen für die Schaltung von bezahlten Werbeeinträgen. Und als Sahnehäubchen gibt es dann noch die Blog Awards, die in verschiedenen Kategorien verliehen werden. Wer für einen solchen Award nominiert wird und/oder ihn erhält, ist quasi im Bloggerolymp angekommen.

Der eigene Blog

Welche Regeln beim Bloggen zu beachten sind, erklären verschiedene Online-Ratgeber. Einig sind sich die Autoren weitgehend in folgenden wichtigen Punkten:

  1. Ein Thema wählen, das einem wirklich am Herzen liegt.
    Auch wenn Food-Blogs gerade der Renner sind – wer lieber strickt, bloggt darüber.
  2. Regelmäßig Beiträge veröffentlichen.
    Dabei spielt es keine Rolle, ob man täglich oder wöchentlich oder nur zweimal im Monat etwas postet. Wichtig ist, dass der Leser weiß, was er zu erwarten hat. Wenn man länger keine Beiträge posten wird, weil man z. B. im Urlaub ist, kündigt man dies am besten kurz an.
  3. Auf eine gute visuelle Darstellung achten. (Das Auge liest mit… :-).)
    Das Design der Seiten, eine übersichtliche Navigation und gutes Bild- oder Videomaterial, können ausschlaggebend sein für Erfolg oder Misserfolg eines Blogs.
  4. Einen lesbaren Schreibstil pflegen.
    Auch wenn einem kein Lektor über die Schulter schaut, solle man als Blogger die wichtigsten Rechtschreib- und Grammatikregeln einhalten und vor allem keine Bleiwüsten veröffentlichen, sondern logisch aufgebaute Texte mit sinnvollen Absätzen.
  5. Netzwerke ausbauen.
    Sich mit anderen Bloggern vernetzen, von ihnen lernen und mit ihnen (z. B. über Gastbeiträge) zusammenzuarbeiten, ist in jedem Fall eine bessere Idee als überall Konkurrenten zu sehen.

 

So klappt es mit dem Rollstuhlblog

Der-Querschnitt.de hat mit drei deutschsprachigen Top-Bloggern gesprochen, die erklären, wie man mit einem Rollstuhlblog erfolgreich sein kann.

 

Tanja, warum bloggen Sie?
Ich war schon immer jemand, der gerne geschrieben hat. Außerdem sitze ich ja nicht nur im Rollstuhl, sondern habe auch noch ein relativ starkes Sprachhandicap. Übers Schreiben und über das Bloggen habe ich die Möglichkeit mit Menschen in Kontakt zu treten, ohne die Sprachbarriere überwinden zu müssen.

Die Menschen müssen sich nicht erst an meine Sprache gewöhnen, um meine Texte zu verstehen, das gibt mir natürlich die Möglichkeit, Menschen zu erreichen, die sonst Berührungsängste hätten und mit mir gar nicht in Kontakt treten würden. Generell ist es mein Ziel mit dem Blog, genau diese Berührungsängste auf unterhaltsame Weise abzubauen.

Wer ist Ihre Zielgruppe und was interessiert Ihre Leser?
Meine Zielgruppe sind einerseits wie beschrieben Menschen mit Berührungsängsten, aber ich weiß auch,  dass ich viele Leser und Leserinnen habe, die selbst eine Behinderung haben. Da ich oft sehr persönlich blogge, müssen meine Leser anscheinend ein gewisses Interesse an mir haben. Ansonsten schreibe ich viel über kulturelle Themen, die immer gern gelesen werden.

Was bedeutet für Sie „erfolgreiches“ Bloggen?
Das ist natürlich Ansichtssache. Für viele Blogger zählen da nur die Zahlen. Ich habe mich eine Zeitlang versucht, daran zu orientieren, habe aber schnell gemerkt, dass ich dann weniger Spaß am Bloggen und viel mehr Druck habe.

Für mich blogge ich erfolgreich, wenn ich auf meine Beiträge und Texte stolz bin und nicht das Gefühl habe, irgendwas verstecken zu wollen.

Kann jeder bloggen?
Ja! Bloggen und Schreiben allgemein ist keine Zauberei. Nur nicht von der leeren, weißen Seite abschrecken lassen.

Um als Blogger erfolgreich zu sein, ist Spaß am Schreiben wahrscheinlich das Wichtigste. Nur Texte, die mit Freude geschrieben werden, werden meist auch mit Freude gelesen. Durchhaltevermögen ist gerade auch in der ersten Zeit wichtig, denn natürlich dauert es ein bisschen, bis die ersten Leser kommen. Alles andere lernt man am besten durch Erfahrungen.

Wie sind Sie mit anderen Bloggern vernetzt?
Social Media ist da natürlich wichtig. Viele andere Blogger habe ich zum Bespiel durch Facebook und Twitter kennengerlernt.

Man kann aber auch gut Kontakte knüpfen, indem man andere Blogs kommentiert.

Gibt es etwas wovon Sie beim Bloggen abraten würden?
Schreibt kein Blog über alles, das überfordert alle, besonders euch selbst und eure Leser. Sucht euch einen roten Faden für euren Blog, also ein Thema, das euch interessiert. So hebt ihr euch von der Masse ab und ihr findet leichter Leser.

Wichtig ist aber wirklich, dass EUCH das Thema interessiert, alle Versuche nur über Sachen zu schreiben, die Leser eventuell und möglicherweise interessieren können, gehen zu 99% in die Hose.

Haben Sie einen Tipp für Menschen, die ihren eigenen Blog starten wollen?
Schaut euch die Blogs an, die ihr gerne lest und überlegt, warum ihr sie gerne lest. Das sind die besten Tipps für den eigenen Blog. Ansonsten überlegt nicht zu lange, fangt einfach an. Viele Sachen passieren dann auch automatisch.

 

David, warum bloggen Sie?
Abgesehen von der Möglichkeit für Facebook-Verweigerer unsere Themen kundzutun, ist ein Blog natürlich auch besser nach Themen durchsuchbar. Man kann all die Sachen, die einem auf dem Herzen liegen, durch die Finger ausleiten und dort verewigen und ein anderer hat mit diesem Thema vielleicht erst zwei Jahre später zu tun und für den ist das dann vielleicht brandaktuell. Da gibt es für mich als Querschnitt durch Folge eines Unfalls ein einfaches Beispiel. Ich habe mich mit dem Thema vor dem Unfall nie beschäftigt und auf einmal war alles neu und alles anders. Da hat es mir sehr geholfen von anderen positiven Beispielen zu lesen. Bloggende Rollisportler und andere interessante Persönlichkeiten gab es ja zum Glück auch schon vor acht Jahren.

Wer ist Ihre Zielgruppe und was interessiert Ihre Leser?
Natürlich richtet sich unser Blog vorrangig an Menschen mit Behinderung, Menschen im Rollstuhl, aber er soll auch andere erreichen. Er soll zum Umdenken anregen, zum Nachdenken und natürlich auch zum Nachmachen – und manchmal auch zum Lautwerden! Eine spezielle Zielgruppe habe ich mir nie festgelegt, sondern ich freue mich über alle, die auf die Seite schauen und lesen, was wir da so vom Stapel lassen. Ein ganz großes Ziel ist es ja auch, die Gesellschaft dazu aufzufordern alte Stereotypen zu vergessen und den Rollstuhlfahrer oder den behinderten Menschen nicht von Grund auf als hilflos, traurig und bemitleidenswert zu sehen.

Was bedeutet für Sie „erfolgreiches“ Bloggen?
Ich habe mir noch nie darüber Gedanken gemacht, ob wir jetzt erfolgreich sind oder nicht. Auch wenn ich mich freue, wenn die Zugriffsstatistik nach einem neuen Artikel nach oben geht. Aber am Ende bin ich froh, wenn ich mir was von der Seele schreiben konnte bzw. ich was in die Welt hinaus schreien konnte. Für mich persönlich ist also jeder Artikel ein Erfolg.

Kann jeder bloggen?
Ich denke schon. Für jeden, der anderen was mitteilen möchte, ist das wohl der einfachste Weg. Es gibt ja auch keine Regeln und wenn man das für sich selbst macht, hat man auch keinen Zeitdruck und keine Regeln, außer man macht die sich selber. Ich denke als Blogger man muss einfach man selbst sein und wenn die Themen, die einen selber interessieren auch für andere interessant sind und man die auch noch gut verpacken kann, dann kann das eine schöne Sache sein.

Welche Rolle spielen visuelle Materialien (Fotos, Videos) auf Ihrem Blog?
Kommt auf das Thema an. Ich finde Fotos und Videos wichtig, denn vieles  kann man mit Worten nicht so genau ausdrücken oder manchmal sorgen die Worte für noch mehr Fragezeichen beim Leser und ein Video oder Foto kann da die Antwort sein. Bestes Beispiel bei mir sind wohl die fragenden Blicke die ich ernte, wenn ich erzähle was ich für Sport mache. „Skaten im Rollstuhl?“ Da können sich viele einfach nix vorstellen oder stellen sich was komplett falsches darunter vor und da kann ein kurzes Video schnell zeigen wie das gemeint ist und bringt natürlich auch die Schnelligkeit und Action viel besser rüber 😉

Wie sind Sie mit anderen Bloggern vernetzt?
Wir kennen einige Blogger die auch über ähnliche Themen schreiben, aber tatsächlich kennen wir die meisten davon nicht durchs Bloggen, sondern weil wir bei den Themen Inklusion, Teilhabe oder Barrierefreiheit einfach viele Leute kennen lernen, die sich dort auf verschiedenen Wegen engagieren. Der Blog ist ja nur das Werkzeug, um Themen in die Öffentlichkeit zu bringen und sie dort jederzeit lesbar zu lassen. Aber auf vielen anderen Veranstaltungen wie Rollstuhlsport, Reha-Messen, Demos oder Vernetzungstreffen lernt man dann andere engagierte Persönlichkeiten kennen und oft entstehen nicht nur gemeinsame Projekte, sondern auch echte offline Freundschaften!

Gibt es etwas wovon Sie beim Bloggen abraten würden?
Nein! Ich würde sagen, alles ist erlaubt, für alles gibt es Leser und Interessenten, es darf nur nicht andere Menschen diskriminieren, verletzen oder rassistisch sein. Aber sonst kann man wohl so ziemlich alles machen. Auch und vor allem mal das ein oder andere Tabu brechen. Zum Beispiel über das Thema Sex bloggen. Ein Thema, das immer noch polarisiert und vor allem in Bezug auf Menschen mit Behinderung noch zu oft als abnormal gesehen wird.

Haben Sie einen Tipp für Menschen, die ihren eigenen Blog starten wollen?
Ja, haut in die Tasten! 🙂

 

Steffen, warum bloggen Sie?
Nach meinem Unfall musste ich feststellen, dass es für mich als Tetraplegiker, nicht so viele Hilfsmittel gab, wie man annehmen sollte. Ich machte mich daran Alternativen im Internet zu suchen und zu finden oder mir auch selber welche einfallen zu lassen, indem ich z. B. einfache Alltagsgeständen so umfunktionierte, dass sie für mich einen Mehrwert ergaben. Über die ganz kuriosen Dinge schrieb ich Freunden und Bekannten manchmal E-Mails – und die waren es dann auch, die mich dazu ermutigten einen Blog darüber zu schreiben und mir bei der technischen Umsetzung halfen.

Wer ist Ihre Zielgruppe und was interessiert Ihre Leser?
Eigentlich waren die Beiträge ja für Tetraplegiker wie mich gedacht, aber später kam dann noch etwas anderes hinzu. Ich will, dass auch Nicht-Behinderte meinen Blog lesen und so dazu beitragen Berührungsängste abzubauen. „Wie gehe ich auf Rollstuhlfahrer zu?“ „Wie geh ich mit ihnen um?“ sind Fragen, die ich beantworten möchte. Und dann hoffe ich natürlich auch, dass die Leute denken, „Hey, so anders sind die ja gar nicht.“ Das wäre ein großer Schritt in die richtige Richtung.

Kann jeder bloggen?
Während man vor ein paar Jahren noch ein wirklich gutes Verständnis für Programmiersprachen brauchte, kann mit den Angeboten heute wirklich jeder bloggen. Und ein paar Tagebucheinträge schreiben, kann sicher auch jeder. Die Frage ist halt – will das jemand lesen? An den Besucherzahlen wird man das schnell sehen. Und wenn die am Anfang nicht so hoch sind, muss man sich fragen, ob man trotzdem durchhält und weitermacht, bis sich daran was ändert, oder ob man aufgibt. Solche Blog-Leichen, in denen seit Jahren keine Einträge mehr gemacht wurden, findet man ja überall im Netz. Auf Eigude verzeichne ich ja inzwischen über 800.000 Besucher. Mit solch einem Erfolg hätte ich niemals gerechnet.

Was braucht man, um als Blogger erfolgreich zu sein?
Man braucht die Motivation und Zeit. So ein Blog schreibt sich nicht einfach so. Man muss da schon was reininvestieren. Außerdem muss man technisch gut aufgestellt sein. HTML Kenntnisse braucht man heutzutage zwar nicht mehr unbedingt, aber schaden tun sie auch nicht. Und dann braucht man noch einen gewissen Ton. Ich versuche bei allem was ich poste unterhaltsam und auf keinen Fall langweilig zu sein. Und ich denke, das gelingt mir ganz gut. Was jedenfalls gar nicht geht, ist so ein weinerlicher „Jammer- und Klageton“. Das will wirklich niemand lesen.

Gibt es etwas wovon Sie beim Bloggen abraten würden?
Das ist jetzt natürlich meine persönliche Einstellung, aber ich schreibe nicht über allzu private Dinge und bin auch vorsichtig was Bilder angeht. Im Netz hat man keine Kontrolle darüber wo die Inhalte, die man über sich selbst postet hingehen und wozu sie von wem genutzt werden. Darüber muss man sich im Klaren sein und seine Privatsphäre schützen. Auf meinem Blog über Hilfsmittel und die Situation von Querschnittgelähmten habe ich aus diesem Grund auch bewusst auf intime Themen wie Sexualität und Kontinenz verzichtet.

Haben Sie einen Tipp für Menschen, die ihren eigenen Blog starten wollen?
Gute Bilder zu verwenden ist, glaube ich, das A und O. Die Bilder sind es, die die Menschen dazu bewegen das was man geschrieben hat überhaupt erst zu lesen. Dazu reicht eine gute Kamera und ein guter Blick fürs Detail. Das müsste eigentlich jeder hinkriegen.

Die Zweisprachigkeit auf Eigude hat ganz sicher nicht geschadet. Wer selber nicht so gut darin ist, die Dinge auf Englisch zu formulieren, lässt sich helfen, so wie ich. Und eine Sache ist vielleicht offensichtlich, aber ich erwähne sie mal trotzdem: Man braucht einen eingängigen Blogger- und Blognamen, den sich die Leute gut merken können. Denn am Anfang wird ganz viel über Mund-zu-Mund-Propaganda laufen, und dann will ich nicht, dass dem Freund, der über meinen Blog redet, nicht einfällt, wie der Blog heißt.

Auch ganz wichtig ist, habe ich festgestellt, dass man in den sozialen Netzwerken vertreten ist. Über meine eigene Gruppe, die Rollinatoren, krieg ich z. B. sehr viele Beitragsklicks und Likes.

 

Die Redaktion dankt allen Interviewpartnern für ihr Mitwirken.

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