Ödeme bei Querschnittlähmung

Ödeme sind Schwellungen in körpereigenem Gewebe, verursacht durch Wasseransammlungen, d. h. Einlagerungen von Zellflüssigkeit aus dem Gefäßsystem. Bei Querschnittlähmung kann es aus verschiedenen Gründen zu Ödembildungen kommen.Bild 183638447 Copyright Tibanna79, 2016 Mit Genehmigung von Shutterstock.com

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Periphere Ödeme, z. B. solche an Armen und Beinen aber auch im Gesicht und am Bauch, zeichnen sich im Frühstadium durch folgende Merkmale aus:

  • Extremitäten fühlen sich schwer und aufgedunsen an
  • Extremitäten sehen angeschwollen aus
  • Beim Druck auf die Haut entstehen Dellen
  • Kleidung und Schmuck sitzen zu eng und sind unbequem
  • Haut im Bereich des Ödems ist warm und gespannt

Ob es sich bei einer Schwellung wirklich um ein Ödem handelt, kann festgestellt werden, wenn man einen Finger kurz auf den betroffenen Körperteil drückt. Normalerweise sollte die Haut sofort zurückspringen. Im Fall eines Ödems bleibt aber eine Delle zurück, die sich nur langsam zurückbildet. Die Tiefe dieser Delle entscheidet über den Grad des Ödems wobei die Skala 1+ bis 5+ umfasst. Diese Zahlen beziehen sich auf die Tiefe der Delle in Zentimetern und dienen u. a. zur Evaluierung des Verlaufs vom Auftreten des Ödems bis zu einem schließlichen Behandlungserfolg (Nurse, 2016).

Ursachen der Ödembildung

Ödeme sind kein Krankheitsbild an sich sondern ein Symptom, das verschiedene Ursachen haben kann. Generell kann es aus folgenden Gründen zur Entstehung von Ödemen kommen:

  • Allergien
  • Durchblutungsstörungen
  • Eiweißmangel im Blut verursacht durch
    • Extreme Mangelernährung (s. u.)
    • Nierenerkrankungen
    • Lebererkrankungen
  • Herzkreislaufschwächen (z. B.: Herzinsuffizienz)
  • Infektionen
  • Lebererkrankungen (z. B. Leberzirrhose)
  • Nierenerkrankungen
  • Nebennierenerkrankungen
  • Salzreiche Ernährun
  • Schwere Lungenerkrankungen (z. B. Emphyseme)
  • Lymphödem verursacht durch ein geschädigtes Lymphsystem (z. B. nach Entfernung oder Zerstörung von Lymphknoten im Rahmen einer Krebsbehandlung).
  • Venenschwäche (auch: Venenklappenschwäche, venöse Insuffizienz) und Krampfadern.
  • Verletzungen

Diese Ursachen sind nicht der Hauptgrund für die Ödembildung bei Querschnittlähmung, sie können Querschnittgelähmte allerdings ebenso betreffen wie alle anderen auch, weshalb vor einer Behandlung abgeklärt werden muss, ob eine der genannten Erkrankungen vorliegt.

Ursachen der Ödembildung bei Querschnittlähmung

Bei Querschnittlähmung können folgende Ursachen in Frage kommen:

  • Bewegungsmangel

Zu geschwollenen Beinen und Füßen sowie zu geschwollenen Händen und Armen im Fall von Tetraplegikern kommt es bei Querschnittgelähmten oft wegen der fehlenden Gelenk-/Muskelpumpfunktion der Extremitäten, die eine Lympho-Phlebostase (Stauungen in Lymphen und Venen) auslöst. Tritt die Schwellung konstant über einen längeren Zeitraum auf, spricht mach von einem Inaktivitätsödem. Bei Inaktivitätsödemen ist die Ödemtherapie (siehe: Ödemtherapie bei Querschnittlähmung) eine wirksame Behandlungsmethode, die wegen der Druckstellengefahr aber mit geringem Druck erfolgen muss (Herpertz, 2015).

  • Lagerung

Bei Körperpartien, die entlastet liegen (siehe: Lagerungstechniken bei Querschnittlähmung), können z. B. bei der Spaltlagerung vermehrt Ödeme entstehen. Sollte ein solch lagerungsbedingtes Ödem entstehen, muss eine Umlagerung vorgenommen und in Zukunft evtl. auf diese Lagerungstechnik sowie auf kreisförmige Lagerungshilfsmittel verzichtet werden (Geng, Wyss, Meuli, 1995).

  • Medikamente

Auch Medikamente, die man als Querschnittgelähmter zur Behandlung verschiedener Symptome ggf. einnimmt, können Ödeme auslösen. Zu nennen sind u. a. Antidepressiva, Bluthochdruckmedikamente und Entzündungshemmer (Rutkowski, 2016). Wenn bestimmte Medikamente Ödeme verursachen, kann man eine alternative Behandlungsform in Erwägung ziehen.

  • Unterernährung

Da auch Unterernährung (siehe: Untergewicht und Mangelernährung bei Querschnittlähmung) eine Rolle bei Querschnittlähmung eine Rolle spielen kann, ist es möglich, dass Querschnittgelähmte ein Bauchödem entwickeln, das durch einen massiven Nährstoffmangel, nämlich Eiweißmangel, verursacht wird. Eine erhöhte Zufuhr von Proteinen über die Nahrung ist dann zwingend erforderlich. Für Richtwerte hinsichtlich des Eiweißbedarfs bei Querschnittlähmung siehe: Pflanzliches Eiweiß – keine Angst vor Tofu und Co.

Folgen von Ödemen

Komplikationen, die bei Ödemen auftreten können sind Spannungsgefühl oder ggf. Schmerz im betroffenen Bereich und eine verminderte Beweglichkeit der betroffenen Gelenke. Hinzu kommen allerdings die weniger offensichtlichen Folgen, wie verminderte Durchblutung, Infektionen, Zellgewebsentzündungen, verschlechterte Elastizität der Blutgefäße bis hin zum Absterben von Gewebe. Die Haut an den betroffenen Stellen ist in ihrer Selbstheilung eingeschränkt und anfälliger für Verletzungen, die bereits durch leichte Stöße oder Scherkräfte oder auch schlicht durch das Gewicht des betroffenen Gelenkes ausgelöst werden können. Die Gefahr eine Druckstelle zu entwickeln (die im schlimmsten Fall zu Nekrosen führen) ist bei Ödemen deutlich erhöht und der Heilungsprozess stark verlangsamt (siehe: Entstehung von Druckstellen und Prävention von Druckstellen). Achtung: Die Ödemsymptome können leicht mit den Symptomen von Thrombosen (siehe: Thrombosen: Entstehung, Risikofaktoren, Prophylaxe) verwechselt werden. Schwellungen in Armen und Beinen können auch auf eine lebensbedrohliche Thrombose hinweisen, weshalb eine ärztliche Untersuchung und eindeutige Diagnose bei Ödemen unerlässlich ist.

Maßnahmen zu Behandlung von Ödemen

Als Sofortmaßnahme bei geschwollenen Armen oder Beinen empfiehlt es sich enge Kleidung oder Schmuck zu lockern bzw. zu entfernen um ein Einschneiden in die Haut zu vermeiden. Die betroffenen Extremitäten sollten hochgelagert, d. h. in eine Stellung über dem Herz gebracht werden, sodass die Schwerkraft dazu führt, dass die Zellflüssigkeit aus den Extremitäten in einen tiefer gelagerten Teil des Körpers zurückfließt.

Wer zu Ödemen neigt, sollte auf eine salzreiche Ernährung sowie Nikotinkonsum verzichten, viel trinken und sowohl extreme Witterungen (Kälte/Wärme/Sonneneinstrahlung) meiden. Das A und O bei der Ödembehandlung bei Querschnittlähmung, ist das Tragen von Stützstrümpfen bzw. -ärmeln. Für die traditionelle Behandlung bei Inaktivitätsödemen, der Ödemtherapie, sowie für Prophylaxemaßnahmen siehe: Ödemtherapie bei Querschnittlähmung.

Siehe auch: Alternative Methoden zur Behandlung von Ödemen

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