Schon immer ein Krüppel

„Schon immer ein Krüppel“ ist der 2015 erschienene semi-biographische Roman des Musikers und Schriftstellers Benjamin Schmidt. Auf seinen knapp 250 Seiten ist er vor allem eines: schonungslos ehrlich.

Bild_189290039 Copyright Lolostock, 2016 Mit Genehmigung von Shutterstock.com

Es gibt verschiedene – biographische und fiktive – Publikationen, mit querschnittgelähmten Protagonisten, bei denen man den Eindruck gewinnen könnte, dass eine Rückenmarksverletzung lediglich eine Einschränkung der Gehfähigkeit mit sich brächte. Nicht so Benjamin Schmidts „Schon immer ein Krüppel“. Hier begleitet der Leser den Ich-Erzähler Benjamin bei allen Eventualitäten des Alltags ober- und unterhalb der Gürtellinie. Schmidt zeichnet damit ein schonungslos ehrliches Bild der Problematik bei Querschnittlähmung.

Aus dem Inhalt

Nach einem zunächst ungeklärten Vorfall ist der 19-jährige Benjamin inkomplett querschnittgelähmt. Seine Gehfunktion ist eingeschränkt erhalten geblieben, doch Blase-, Darm– und Sexualfunktion sind mehr oder weniger stark beeinträchtigt. Seine Rehabilitation erlebt er voller Verzweiflung, denn zu der Bitterkeit, die den jungen Mann im Vorfeld ohnehin schon belastet hat, kommt das Gefühl hilflos und fremd im eigenen Körper zu sein.

Zurück im richtigen Leben stellt Benjamin fest, dass seine Band sich während seines Krankenhausaufenthaltes aufgelöst hat und der einzige Halt, den er im Leben hatte – die Musik – verloren zu sein scheint. Zwischen Therapien und dem Leben bei besorgten Eltern, versucht er mit seiner Inkontinenz und erektile Dysfunktion zurande zu kommen und lernt schließlich Rollstuhlfahrer Eddi kennen. Fortan findet eine Art inoffizielles Peer Counseling statt. Eddi zeigt Benjamin, dass man als Querschnittgelähmter durchaus einem Beruf nachgehen, mit trockenen Hosen nach Hause kommen und Mädchen klarmachen kann.

Zwei Dinge sind es, die Benjamins Leben nun erfüllen. Die Gedichte, die er schreibt, und der Gedanke an Emma, die er kennenlernt als er in Eddis Freundeskreis aufgenommen wird. Unglücklicherweise scheint diese bereits liiert zu sein. Wer allerdings an wem Interesse hat und wem seine Gefühle schließlich zum Verhängnis werden, ahnt man an dieser Stelle keineswegs. 4107eUJ3ZvL__SX311_BO1,204,203,200_kl

Das Buch

  • Schon immer ein Krüppel
  • Von: Benjamin Schmidt
  • Seiten: 248
  • ISBN: 978-7392-0439-0
  • Preis: 14,99

2020 ist eine überarbeitete, erweiterte Neufassung erschienen. Man merkt, dass Schmidt seine Geschichte am Herzen liegt. Die illustrierte Neuauflage von „Schon immer ein Krüppel“ gibt  bei Edition Outbird und überall im Handel. Zum Verlagsshop geht es hier.

Über den Autor

Im Klappentext bezeichnet sich Autor Benjamin Schmidt selbst als lebenslangen Krüppel, dessen entstelltes Inneres 2009 durch einen Zufall von einem behinderten Äußeren komplementiert wurde. Eine sehr zynische Selbstbeschreibung von einem Mann, der gerade Mal in den 20ern ist. Im Schlusswort von „Schon immer ein Krüppel“ schlägt Schmidt versöhnlichere Töne an. Er hat die Dunkelheit überwunden, die ihn zu dem Selbstmordversuch antrieb, bei dem er sich seine Rückenmarksverletzung zuzog. Er ist im Reinen mit sich, seiner Familie und seinem Beruf, bei dem er seine Interessen, nicht etwa wirtschaftliche Gegebenheiten und Verdienstmöglichkeiten verfolgt. Die Missstände, die es seiner Ansicht nach für sowohl Behinderte als auch Nicht-Behinderte gibt, erkennt er nach wie vor. Doch nun ist er davon überzeugt, dass sie sich vielleicht nicht immer beheben lassen. Aber man kann ihnen begegnen. Zum Beispiel mit schonungsloser Ehrlichkeit.

Für weitere Informationen siehe: www.schmidt-buecher.de.

 

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