Verhütung und Thromboserisiko bei querschnittgelähmten Frauen

Die Anti-Babypille bringt je nach Zusammensetzung ein mehr oder weniger erhöhtes Thromboserisiko mit sich, sagen Experten. Besondere Vorsicht im Umgang mit hormoneller Verhütung ist daher für Frauen mit einer Querschnittlähmung geboten, denn hier ist die Gefahr von Thrombosen ohnehin schon erhöht.

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Die Pille gilt als sicheres Mittel zur Verhütung von ungewollten Schwangerschaften und steht an der Spitze der Verhütungsmethoden in Deutschland.

Die meisten Anti-Babypillen, die heute auf dem Markt sind, sind „kombiniert“: Sie beinhalten eine Estrogen- und eine Gestagen-Komponente, beides weibliche Sexualhormone.

Generationen von Pillen

Je nach dem Zeitpunkt der Entwicklung und Vermarktung spricht man heute von Pillen der 1., 2. 3. und 4. Generation. Pillen der 3. und 4. Generation wurden entwickelt, um Nebenwirkungen oder Regelschmerzen zu senken. Die enthaltenen Hormone unterscheiden sich je nach Generation:

  1. Generation („Pincus-Pille“): hohe Dosierung der Gesamthormone, insbesondere Estrogen (umgangssprachlich: Östrogen) mit erhöhtem Brustkrebsrisiko;
  2. Generation: niedriger dosiertes Estrogen in Kombination mit Gestagenen (in der Regel Levonorgestrel) in unterschiedlichen Konzentrationen;
  3. Generation (90er-Jahre): kombinierte Pillen mit neu entwickelte Gestagenen (Gestoden oder Desogestrel);
  4. Generation: kombinierte Pillen mit wiederum neu entwickelten Gestagenen (Drospirenon);

Pille und Thromboserisiko

Der Zusammenhang von hormoneller Verhütung und dem Risiko von Thrombosen wird seit Langem diskutiert.

Im Jahr 2015 erstellte die Universität Bremen mit Unterstützung der Techniker Krankenkasse den „Pillenreport 2015“ und fasst darin folgende Erkenntnisse zusammen:

  • Die Pillen der 3. und 4. Generation werden mittlerweile deutlich häufiger verschrieben, als Pillen der zweiten Generation.
  • Das Thromboserisiko für einige Pillen der 3. und 4. Generation ist höher als bei der 2. Generation bzw. bei einigen Präparaten unklar.
  • Das Bundesministerium für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat im März 2014 entschieden, dass in den Beipackzetteln für einige Pillen der 3. und 4. Generation auf das höhere Thromboserisiko hingewiesen werden muss. Zudem forderte es weitere Studien von den Herstellern für Produkte, bei denen das Risiko unklar ist.
  • Hormonelle Verhütungsmittel der 2. Generation (mit Levonorgestrel) verhüten genauso sicher, wie Pillen der 3. und 4. Generation.

Die Fachwelt ist sich uneinig, wie das Risiko von Pillen der 3. und 4. Generation für gesunde Frauen zu bewerten ist.

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft empfiehlt, dass Erstanwenderinnen vorzugsweise kombinierte hormonale Kontrazeptiva mit einem niedrigeren Risiko für venöse Thromboembolien erhalten sollten. Dies gelte auch für Frauen mit einem aus anderen Gründen erhöhten Risiko für venöse Thromboembolien, wenn nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung ein Kontrazeptivum überhaupt verordnet werde (AKdÄ, 2014).

Verhütung mit Querschnittlähmung

„Menschen mit einer Querschnittlähmung haben ein erhöhtes Risiko für eine Beinvenenthrombose oder Lungenembolie, da sie Risikofaktoren, wie Veränderungen oder Verletzungen der Gefäßwand, Stase oder Stauung des Blutstroms durch Paralyse, Parese und Immobilisation und Veränderung der Blutzusammensetzung, aufweisen“, erklärt die Physiotherapeutin Annette Grave in dem Buch „Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung (Haas, 2012). Die Lungenembolie ist die dritthäufigste Todesursache bei Querschnittlähmung (Zäch/Koch, 2006).

Siehe zu weiteren Informationen sowie Thromboseprophylaxe auch: Thrombose: Entstehung, Risikofaktoren, Prophylaxe

Querschnittgelähmte Frauen, die verhüten möchten, sollten sich über die Unterschiede der Präparate und alternative Verhütungsmöglichkeiten ärztlich beraten lassen. Über alternative Verhütungsmittel informiert z. B. auch pro familia online.

Eine fachärztliche und individuelle Beratung können Informationstexte im Internet nicht ersetzen.

 

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