Sportrollstühle

Sport kann ein wichtiger Aspekt im Leben von Querschnittgelähmten sein; sei es um gesund und fit zu bleiben oder einfach nur um Spaß zu haben. Für die verschiedenen Sportarten braucht man oft eine besondere Ausrüstung; an allererster Stelle einen geeigneten Rollstuhl.

sh_383821639_VerveridisVasilis_gross_nurredaktionell

Wie im Beitrag Rollstuhltypen von A-Z beschrieben, sind Sportrollstühle in der Regel Aktivrollstühle, die auf die jeweiligen Anforderungen der Behindertensportarten angepasst sind. Dabei weisen sie spezifische Besonderheiten auf:

  • Ein extremer Radsturz – nach unten wird der Radabstand weiter – sorgt für einen gute Wendigkeit und Drehbarkeit. Dies ist besonders bei den schnellen Sportarten von großer Bedeutung für das Tempo. Gleichzeitig schützt der Radsturz auch vor seitlicher Instabilität.
  • Spezielle Metallverstärkungen, Rammschutz oder Schutzbügel sind am Rollstuhl angebracht bzw. fest angeschweißt.
  • Die Sportrollstühle sind auf das Notwendigste reduziert, so dass z. B. Bremsen entfallen, Griffe an der Rückenlehne etc. Da diese Zubehörteile alle Gewicht ausmachen, wird oft auf sie verzichtet.
  • Je nach Sportart gibt es dann zusätzlichen Kippschutz vorne oder auch hinten.
  • Da es sich in den meisten Fällen um professionelle Sportgeräte handelt, sind die Anschaffungskosten recht hoch und liegen z. B. beim Rollstuhlbasketball im vierstelligen Bereich.

Es werden Rollstühle für verschiedene Sportarten unterschieden, wobei folgende die gängigsten sind:

  • Basketball
  • Rennrollstühle
  • Rugby
  • Tennis

Basketball im Rollstuhl

Ein Basketballrollstuhl ist ein individuell angefertigtes Sportgerät, dass man nicht einfach „von der Stange“ kauft, sondern das eigens für den Sportler angefertigt wird und dabei Körpermaße, spezielle Bedürfnisse und Spielposition berücksichtigt. Der Rahmen ist fest verschweißt und damit äußerst belastbar. Die Räder besitzen einen Achssturz von bis zu 21 Grad, was den Rollstuhl besonders wendig macht und Fahrstabilität mit sich bringt.

Die Sitzposition wird abhängig von Behinderung und Spielposition gewählt, nach oben hin jedoch limitiert. Der Raddurchmesser darf 28 Zoll nicht überschreiten. Jeder Rollstuhl muss mit einem Rammbügel ausgerüstet sein, der nicht mehr als elf Zentimeter über dem Boden liegt (DRS, 2016).

Siehe auch: Rollstuhlbasketball

sh_383821600_VerveridisVasilis_2klein_nurredaktionell

Leichtathletik im Rennrollstuhl

Rollstuhlrennen sind eine Disziplin der Leichtathletik und Teil des Rollstuhltriathlons. Da es hierbei um Geschwindigkeit geht, ist es von entscheidender Wichtigkeit, die Rennrollstühle aus möglichst leichten Materialien zu fertigen. Meist kommt Aluminium zum Einsatz, doch gibt es auch Prototypen, für die noch leichtere Carbon Fasern verwendet werden (siehe: BMW schickt Rollstuhl ins Rennen). SH-88204318-PhotoStock10_klein

Im Aufbau unterscheiden sich Rennrollstühle erheblich von anderen Sportrollstühlen: Die Hinterräder haben normalerweise einen starken Sturz, sind größer als die Antriebsräder herkömmlicher Rollstühle und haben Greifringe mit deutlich geringerem Durchmesser. Der Fahrer sitzt in kauernder Stellung wobei sich die Beine angewinkelt unter dem Sitz befinden, was die aerodynamische Ausrichtung des Rennrollstuhls unterstützt und zu einem anderen Einsatz der Armkraft führt (wie genau man in einem Rennrollstuhl antreibt, wird im Beitrag Die Triathlon Chroniken II – Der Rennrollstuhl aus der Hölle beschrieben). Das einzelne Vorderrad befindet sich weit vor der Sitzeinheit und kann festgestellt werden, womit während des Rennes Spurabweichungen vermieden werden können. Eine Schaltung oder andere Übersetzungshilfen sind nicht erlaubt.

Siehe auch: Leichtathletik

Rugby im Rollstuhl

Für Rollstuhlrugby brauchen die Sportler nicht nur einen, sondern gleich zwei spezielle Rugbyrollstühle, je nachdem in welcher Position man spielt. Neben einem breiten Radsturz und Antikipprollen hinten, verfügen Defensivrugbyrollstühle vorne über einen hohen Rammschutz (Wings), der dafür sorgen soll, dass der Spieler weniger leicht zu stoppen oder aus der Bahn zu bringen ist. Offensivspieler haben zusätzlich eine Art Kuhfänger vorne am Rollstuhl, der dabei helfen soll den Gegner zu stoppen und festzuhalten.

Hinzu kommen Fußbretter und Fußkästen für beide Varianten. Die Speichen sind mit Aluminiumscheiben verkleidet. Da Rugby eine (Rollstuhl-) Kontaktsportart ist, bei der schon mal die Fetzen fliegen, müssen die Rollstühle vor allem robust und sturzsicher sein. Nicht umsonst hieß Rugby früher Murderball (dt.: Mord-Ball)….

Rugbystühle werden beim Kauf an die Bedürfnisse des jeweiligen Spielers angepasst. Zur Stabilisation benötigt man ggf. Hüft-, Bein- und/oder Rumpfgurten. Während des Spiels vereinfacht das Tragen von Handschuhen das Antreiben oder das Halten des Spielballs.

Siehe auch: Rollstuhlrugby

sh_225170446_RobvanEsch_klein2_nurredaktionell

Tennis im Rollstuhl

SH108455435-Gertan-kleinTennisrollstuhle unterscheiden sich von alltagstauglichen Aktivrollstühlen durch verschiedene Merkmale: Sie sind deutlich leichter, da ein geringeres Gewicht des Rollstuhls zu verbesserter Schnelligkeit und Wendigkeit auf dem Spielfeld beiträgt. Zudem verfügen sie über einen breiteren Sturz der Laufräder und zusätzliche Stützräder vorne und hinten. Dadurch wird eine größere Wendigkeit erreicht und der Stuhl kann nicht so schnell umkippen.

Siehe auch: Rollstuhltennis

Da die Rollstühle, die für die Sportart Badminton (siehe: Rollstuhl-Badminton) verwendet werden, sich im Wesentlichen nicht von den Tennisrollstühlen unterscheiden, wird auf eine gesonderte Darstellung verzichtet.

Weitere Sportrollstühle

Die meisten Rollstuhlsportarten kann man im manuellen Aktivrollstuhl ganz gut ausüben. Bei gehobenem Leistungsniveau, wird allerdings für viele Sportarten, z. B. Tanzen, Fechten, Tischtennis, etc., ein Umsteigen auf eigens angefertigte Rollstühle empfohlen, die sich vor allem dadurch von Alltagsrollstühlen unterscheiden, dass sie aufgrund ihrer Bauart ein geringeres Gewicht und einen breiteren Achsensturz haben und ggf. über Anschnallgurte verfügen.

Wer Querfeldeinrennen und Trekking zur Sportart seiner Wahl machen möchte, kann sich im Beitrag Ab ins Gelände mit manuellen Outdoor-Rollstühlen darüber informieren welches Gefährt dafür am ehesten geeignet wäre.

Fragen & Kommentare

Fragen & Kommentare zu diesem Artikel


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu hinterlassen.

Zur Registrierung geht es hier lang.