Vom Boden in den Rollstuhl – Mit und ohne Hilfsmittel

Tranfers aus dem Rollstuhl auf den Boden und wieder zurück gehören zu den schwierigsten Manövern, die man als Rollstuhlfahrer zu bewältigen hat. Mit etwas Übung ist es aber durchaus machbar. Mit und ohne Hilfsmittel.

Bild-65015896 Copyright Jaimie-Duplass, 2013 Mit Genehmigung von Shutterstock.com

Aus dem Rollstuhl zu fallen ist schon an sich keine schöne Vorstellung, doch der Gedanke gewinnt eine Extradimension des Unangenehmen, wenn man alleine lebt und es ohne Hilfe anderer nicht schafft vom Boden wieder in den Rollstuhl zu kommen. Bis zu einer gewissen Lähmungshöhe, d. h. bei gegebener Oberkörperstabilität und ausreichender Armkraft, können Querschnittgelähmte den Transfer vom Boden in den Rollstuhl aber sehr gut alleine schaffen.

Rollstuhlfahrer Tobias Knecht, Lähmungshöhe Th7, zeigt in folgendem Video, wie er vom Boden in den Rollstuhl gelangt:

  • Dabei zieht man den Rollstuhl so an sich heran, dass man selbst in seitlicher Position vor Lenkrollen und Fußraste sitzt und der eigene Rücken und das rechte Rollstuhlrad auf einer Linie sind.
  • Um Verletzungen vorzubeugen, muss die Breme des Rollstuhls unbedingt angezogen sein, damit er unter dem Gewicht des Nutzers nicht wegrollt.
  • Nun winkelt man die Knie an und zieht beide Füße so nahe wie möglich an das Gesäß.
  • Dann stemmt man sich mit der linken Hand auf der linken Rollstuhllehne und mit der rechten Hand auf dem Boden nach oben und dreht den Rumpf schnell auf den Sitz.

Transfer vom Boden in den Rollstuhl

Ebenfalls hilfreich können folgende Videos von „Back2thefoots“ sein. Sie zeigen den oben beschriebenen Tranfer vom Boden in den Rollstuhl als Variante unter Zuhilfenahme des Sitzkissens und/oder unter Verwendung eines Gurtes zur Stabilisierung der Oberschenkel während des Transfers.

Transfer vom Boden in den Rollstuhl mit Oberschenkelgurt

Transfer vom Boden in den Rollstuhl mit Sitzkissen

Die Hilfsmittel

Para Ladder für den sicheren Transfer

Die Para Ladder, dt.: Para Leiter, ist ein ebenso einfaches wie geniales Hilfsmittel, das den Transfer vom Boden in den Rollstuhl erheblich erleichtert. Während die meisten gängigen Transferhilfsmittel (siehe: Rutschbretter für den Transfer im Sitzen und Transfertechniken bei Para- und Tetraplegie) flach sind und lediglich den Transfer mit geringen Höhenunterschieden erleichtern, bietet die Para Ladder eine Hilfe für all jene, die es nicht ohne weiteres vom Boden aus in den Rollstuhl und wieder zurück schaffen.

Die Para Ladder ist die Erfindung des selbst querschnittgelähmten US-Amerikaners Rene de la Tour. Sie ist aus Aluminium gefertigt, 5,5 Kilogramm schwer und zusammenkappbar, was für einen vereinfachten Transport sorgt. Ausgelegt ist die Para Ladder für eine Nutzlast von 300 Kilogramm.

Die Para Ladder funktioniert wie eine Leiter eben. Auf den Griffen an den Seitenteilen können Querschnittgelähmte mit ausreichender Armkraft sich rückwärts Stück für Stück zum Rollstuhlsitz hochziehen, wobei ein Ausruhen und Kräftesammeln auf jeder Stufe möglich ist. Laut Hersteller ist jeder, der in der Lage ist einen Positionswechsel im Rollstuhl im Rahmen der Dekubitusprophylaxe vorzunehmen auch dazu fähig die Stufen der Para Ladder zu schaffen.

Dieses Video zeigt, wie die Para Ladder in der Praxis funktioniert:

Und so kommt man mit der Para Ladder einfach aus dem Pool in den Rollstuhl:

Kosten: Eine Para Ladder ist nicht ganz billig. Ca. 1.000 $ (ca. 870 Euro zzgl. MwSt., Versand und Import aus den USA) muss man investieren (Stand: Mai 2016).

Bei einem solchen Preis stellt sich natürlich die Frage nach dem Verhältnis zwischen der aufzubringenden Summe und dem Nutzen, den das Hilfsmittel im Alltag wirklich bringt. Wenn man nämlich tatsächlich aus dem Rollstuhl fallen sollte, dann sicher nur zufällig in praktischer Nähe der Para Ladder.

Für alle allerdings, die sie oft geplant einsetzen möchte, z. B. bei der Nutzung eines Schwimmbeckens, beim Umsteigen in ein Liegebike oder Kinder beim Spielen, könnte die Investition durchaus sinnvoll sein.

Zu beziehen ist die Para Ladder derzeit nur beim Hersteller www.paraladder.com.

Scheda Panchetto Sollevatore

Ein ähnliches Produkt, das auch von Tetraplegikern problemlos genutzt werden kann, ist der Scheda Panchetto Sollevatore des italienischen Herstellers Maddiline. Dabei handelt es sich um einen Stuhl dessen Sitzeinheit von einer Höhe von ca. 20 cm auf eine Höhe von ca. 50 cm verstellt werden kann. Und zwar von der Person, die darauf platzgenommen hat selbst. Sobald der Nutzer den Tranfer auf die Sitzeinheit des Panchetto Sollevatore vorgenommen hat, kann er mit einer Handkurbel die Höhe verstellen und sich so vom Boden auf Rollstuhlhöhe oder eben von der Rollstuhlhöhe auf den Boden bringen. Einfacher geht es wirklich nicht.

Scheda Panchetto Sollevatore

Scheda Panchetto Sollevatore

Kosten: Der Preis für einen Scheda Panchetto Sollevatore liegt bei ca. 770 Euro zzgl. Versand (Stand: Mai 2016). Zu beziehen ist er derzeit nur beim Hersteller; zur (italienischsprachigen) Website geht es hier: www.maddilinecycle.com

Raizer Patientenhebestuhl

Der Raizer ist vor allem als kraftsparende Hilfe für Pflegende gedacht, denn mit Hilfe des Raizers gelinkt es einer einzelnen Personen, einen am Boden liegenden Patienten in eine sitzende oder stehende Position zu bringen. Das Hilfsmittel wird dazu um den Patienten herum aufgebaut. Wenn er oder sie sicher positioniert ist, wird der Hebestuhl nach oben gefahren bis die erwünschte Höhe erreicht ist und ein bequemer Transfer vorgenommen werden kann. Allerdings ist zu beachten, dass der Raizer für Querschnittgelähmte nicht uneingeschränkt geeignet ist, da die Sitzfläche sehr schmal ist.

Kosten: Den Raizer gibt es bei Händlern oder direkt beim dänischen Hersteller Liftup für ca. 3.500 Euro inkl. Fernbedienung zzgl. Versand.

Zu einem Produktflyer geht es hier: Raizer by liftup

 

Weitere Informationen

Siehe auch: Rollstuhlhandhabung: Mobil im Rollstuhl

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