Broschüre des BVMed über Intermittierende Katheterisierung

Hersteller von Kathetern wollen Katheter verkaufen. Zugleich verfügen sie über Erfahrung und Fachkompetenz in der Inkontinenz-Versorgung. Die Broschüre „Intermittierende Katheterisierung“ von großen Katheter-Herstellern ist wohl mit Vorbehalt zu lesen, hält aber auch wichtige Infos bereit, die Entscheider in der Politik und bei den Kassen für Versorgungsprobleme sensibilisieren können.

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„Unser Anliegen ist es, ein Umdenken zu erreichen – von einem reinen Preiswettwerb wieder hin zu einem Wettbewerb um die beste Versorgungsqualität“, heißt es im Vorwort der Broschüre „Intermittierende Katheterisierung – Versorgungs- und Erstattungssituation in Deutschland“. Gemacht haben die folgende Hersteller von Kathetern für den intermittierenden (Selbst-)katheterismus (ISK), die sich zu der Initiative „Faktor Lebensqualität“ zusammengeschlossen haben:

  • Coloplast GmbH
  • Hollister Incorporated Niederlassung Deutschland
  • Teleflex Medical GmbH
  • Wellspect HealthCare (DENTSPLY IH GmbH)

Sie alle sind Mitglieder im Bundesverband Medizintechnologie (BVMed), unter dessen Dach die Broschüre erschienen ist. Sie richtet sich weniger an Betroffene als an Mitarbeiter bzw. „Entscheider“ bei Kostenträgern sowie in der Politik. Denn die haben oft keinen vergleichbaren Einblick in die Probleme und Gegebenheiten, die bei der Versorgung mit Einmalkathetern zu beachten sind.

Wo scharfe Augen schaden können

So z. B. der Sinn des sogenannten „atraumatischen Katheterauges“: Dabei handelt es sich um eine Einlassöffnung an der Spitze des Katheters, die so hergestellt und abgerundet wird, dass sie die Harnröhre nicht verletzt. Die Broschüre veranschaulicht mit einem Bild von einem „scharfen“ Katheterauge unter dem Mikroskop, welche Kanten und Widerhaken durch die atraumatische Herstellungsart vermieden werden können. Es sei von essenzieller Wichtigkeit, dass der Katheter optimal gleitfähig beim Einführen in die Harnröhre sei, insbesondere dann wenn er ggf. mehr als sechsmal pro Tag zum Einsatz komme, so die Autoren.

Weitere Anforderungen seien u. a. das richtige Maß von Flexibilität und Stabilität, Oberflächenbeschaffenheit oder die Vermeidung von Weichmachern. Die Autoren wenden sich mit ihren ausführlichen Erläuterungen vor allem gegen Produkte, die diesen Anforderungen nicht genügen und ihren Kathetern im Preis Konkurrenz machen.

Nur eine Produktgruppe im Hilfsmittelverzeichnis

Das funktioniert bislang auch deshalb so, weil das Hilfsmittelverzeichnis der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Hilfsmittelverzeichnis) hier nicht unterscheidet. In der Produktgruppe 15 führt es beschichtete und unbeschichtete Einmalkatheter. Signifikante Fortschritte in der Entwicklung seien nicht berücksichtigt, so die Autoren der BVMed-Broschüre.

Forderungen

„Damit der Patient mit Produkten, die dem aktuellen medizintechnischen Stand entsprechen, versorgt wird, sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen für das Hilfsmittelverzeichnis anzupassen. Zudem ist dieses regelmäßig fortzuschreiben“, fordern sie und entsprechen damit auch einem langjährigen Anliegen der Betroffenenverbände.

Auch für die Versorgungssituation werden konkrete Standards eingefordert. Diese gelte es zu erhalten bzw. neu zu schaffen:

  • Der Arzt habe die medizinische Notwendigkeit der Hilfsmittelversorgung zu bestimmen. Dabei seien Produktmengen an den individuellen Bedarf anzupassen.
  • Im Rahmen des Sachleistungsprinzips habe der Anwender auch Anspruch auf eine Hilfsmittelversorgung, die dem aktuellen Stand der Forschung und Entwicklung entspreche.

Diese und andere Kriterien für eine gute Versorgung mit Hilfsmitteln sollen den „Faktor Lebensqualität“ der Patienten in den Mittelpunkt rücken, und würden – nur ganz nebenbei natürlich – auch den wirtschaftlichen Interessen der Hersteller entgegenkommen.

Auszug aus dem Inhalt

(…)

Versorgungssituation

  • Versorgungsstrukturen
  • Festbeträge
  • Pauschalen
  • Ausschreibungen
  • Beitrittsverträge
  • Mehrkosten

Grundlegende Qualitätsanforderungen

  • Hilfsmittel-Richtlinie
  • Hilfsmittelverzeichnis (§ 4 Hilfsmittel-Richtlinie)
  • Verträge der Krankenkassen
  • Kosten der Versorgung – Versorger und Hersteller unter Druck
  • Erstattungspreisentwicklung am Beispiel ISK
  • Konsequenzen aus der aktuellen Versorgungssituation
  • Faktor Lebensqualität

Zur Broschüre „Intermittierende Katheterisierung – Versorgungs- und Erstattungssituation in Deutschland“ auf der Webseite des BVMed

 

 

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