Skurrile Mischung: Nonnen. Pornos. Rollstuhlfahrer.

„Dreharbeiten“ ist der 2010 erschienene Kriminalroman von Robert Schneider, in dem der querschnittgelähmte Privatermittler Bender einem Kinderpornoring das Handwerk legen möchte. Der Spezialist für Computerforensik bekommt es dabei nicht nur mit dem organisierten Verbrechen sondern auch mit Kegelbrüdern und Ordensschwestern zu tun.

Bild_163369238 Copyright Tomas Urbelionis, 2016 Mit Genehmigung von Shutterstock.com

Aus dem Inhalt

Friedwart Bender, Mitglied einer Spezialeinheit der Frankfurter Polizei, wird bei einem Einsatz schwer verletzt und trägt eine Querschnittlähmung davon. Der Umstand, dass seine Rückenmarksverletzung von einem Berufsunfall herrührt, verschafft ihm eine finanzielle Unabhängigkeit, weshalb er in seinen Kleinbus ein Labor mit Supertechnologien einbauen kann. Seinen Beruf übt er fortan als privater Ermittler im Bereich Computerforensik aus, ohne dabei jedoch auf die Unterstützung seiner früheren Kollegen, Freunde und potentiellen Partnerinnen verzichten zu müssen.

Als die vierzehnjährige Tochter eines Freundes Opfer eines Kinderpornorings wird,  ermittelt Bender und gerät in einen Sumpf aus Drogen, Korruption, Entführung und Mord. Als weiterer Auftraggeber kommt schnell der altruistische aber konfessionslose Orden „Unsere liebe Herrin vom Rhein“ hinzu, dessen Mitarbeiter Benders persönliche Assistenten stellen. Auch in deren Rängen gibt es Opfer und die Ordensschwestern sinnen wenn schon nicht auf Rache dann zumindest auf Gerechtigkeit. Aus Benders Pflegekräften werden seine Gehilfinnen bei den Ermittlungen und es läuft alles rund. Aber dann nimmt der Fall eine Wendung, die ein dunkles Kapitel in Benders Vergangenheit aufrollt, mit dem er eigentlich glaubte abgeschlossen zu haben.

Wie liest es sich?

Auch wenn man an einigen Stellen vermuten möchte, dass das Lektorat geschlafen hat, z. B. bei vertauschten Personennamen oder Formulierungen, die sich im Abstand von zwei Zeilen wiederholen, liest sich „Dreharbeiten“ doch ganz flüssig weg. Den Dialekt, den die Akteure zeitweise an den Tag legen, könnte für alle, die des Hessischen nicht mächtig sind, allerdings zum Problem werden und manche werden sich dabei ertappen, wie sie beim Lesen die Lippen bewegen.

Dem Leser wird bei der Lektüre von „Dreharbeiten“ außerdem schnell klar werden, dass Autor Schneider ein Fan von Fernsehserien und Kriminalfilmen der 80er ist. Bender fährt einen Kleintransporter mit Spezialausrüstung à la James Bond. Das A-Team und Peggy Bundy werden ausdrücklich erwähnt. Und man lauert beim Lesen beinahe darauf, wann Bender den unsterblichen Satz des Beverly Hills Cops „Ich lös‘ den Fall auf jeden Fall!“ aussprechen wird.

Diese flapsige Heiterkeit, mit dem der Autor das sehr ernste Thema der Kinderpornographie an mancher Stelle angeht, wird vielleicht nicht jedermanns Geschmack sein. An anderer Stelle passt der nicht allzu subtile Humor aber gut. Und man merkt, dass der Autor über die Situation von Rollstuhlfahrern nicht erst recherchieren musste, sondern aus eigener Erfahrung Bescheid weiß wie es ist „der Krüppel da hinten im Rollstuhl“ zu sein, der nicht mal bei den Ermittlungen in einem Kriminalfall auffällt. Schneider schreibt „Gibt es eine bessere Tarnung?“ Für Friedwart Bender jedenfalls nicht.

Interessanterweise ist der querschnittgelähmte Bender kein von seinem Schicksal gebeuteltes Häufchen Elend, der erst seine Bitterkeit überwinden muss, um den Fall anzugehen, wie etwa Hanne Wilhelmsen in Der norwegische Gast oder Lincoln Rhyme in der entsprechenden Romanreihe, sondern er ist ein Querschnittgelähmter mit einem Plan, mit einem Job und mit einem Computer namens Elsbeth. Auch was Frauen angeht, ist Bender kein Kind von Traurigkeit. Geht als Querschnittgelähmter nicht? Geht doch. Nur die Eine, nur Diejenige-Welche, steht leider im feindlichen Lager…

Das Buch dreharbeiten-9783842306431

  • Dreharbeiten
  • Von: Robert Schneider
  • Seiten: 318
  • ISBN: 978 3 8423 0643 1
  • Preis: 20 Euro (Stand Mai 2016)

Über den Autor

Robert Schneider ist seit 2007 selbst querschnittgelähmt und weiß daher sehr genau von was er spricht, wenn er Rollstuhlfahrer in Alltagssituationen beschreibt. „Dreharbeiten“ ist sein erster Roman, zuvor erschienen aber seine biographischen Bücher „Wie ich das Laufen verlernte. Mein langer Weg zurück ins Leben“ und „Geht das hier nach Größe? Ein Leben auf Rädern“. Wenn Schneider gerade nicht schreibt, widmet er sich der Musik. Für mehr Informationen siehe: Mit Knarre und Querschnittlähmung: Autor im Rollstuhl.

 

Die E-Books

Der Roman „Dreharbeiten“ hat Schneider unter dem Pseudonym Roberto Sastre und unter dem Titel „Bender – Filmriss“ als E-Book veröffentlicht. Und Benders Abenteuer haben sich zu einer Reihe gemausert. Zwei weitere Bände sind bereits erschienen, ein dritter steht in den Startlöchern.

 

  • Bender – Filmriss

Kinderpornographie, organisiertes Verbrechen, Ermittler Bender legt sich mit einem Gegner an, der auch vor Entführung, Erpressung und Mord nicht zurück schreckt (siehe oben).

  • Autor: Roberto Sastre
  • Seiten: 171
  • ISBN: 3958651852
  • Preis: 3,99 Euro (Stand Juni 2016)

 

  • Virtuelle Millionen

Friedwart Bender, der Rollstuhl fahrende Privatermittler will eigentlich nur einen Vortrag auf einem Kongress in London halten und anschließend ein paar Tage in der Stadt genießen. Aber Bender wäre nicht Bender, wenn er die Missgeschicke nicht magisch anziehen würde. So überlebt er knapp einen Sprengstoffanschlag. War es ein Terroranschlag, ein Unfall oder der Teil von etwas Größerem? Die Suche nach Antworten führt ihn erst zurück nach Deutschland und quer durch Osteuropa, von einer Panne zum nächsten Fettnäpfchen. Manchmal muss man eben die Datenautobahn verlassen und stellt entsetzt fest, dass das reale Leben auf der realen Autobahn nicht nur für Rollstuhlfahrer so manche schräge Situation versteckt.

  • Von: Roberto Sastre
  • Seiten: 193
  • ISBN: 3958651879
  • Preis: 3,99 Euro (Stand Juni 2016)

 

  • Überschrittene Grenzen

Friedwart Bender, der Rollstuhl fahrende Privatermittler bekommt diesmal eine echte Herausforderung. Er stößt auf Menschen, die besondere Begabungen haben, Begabungen, die sich nicht auf Anhieb wissenschaftlich erklären lassen. Dem Computerspezialisten und eingefleischten Realisten wird kräftig an den Grundfesten seines Weltbilds gerüttelt. Seine ganze Technik nutzt ihm nur bedingt. Wird er daran scheitern? Oder ist er neugierig genug, um einen Blick über den Zaun zu riskieren? Und haben die toten Kinder mit Down Syndrom etwas damit zu tun, die im Mittelmeer-Raum auftauchen? Alles scheint mit einer Kinderklinik zusammenzuhängen – einer sehr speziellen Spezialklinik …

  • Von: Roberto Sastre
  • Seiten: 161
  • ISBN: 3958656846
  • Preis: 3,99 Euro (Stand Juni 2016)

Für weitere Informationen und zum Kaufen der E-Books (auch als Kindle) siehe: www.robertosastre.de

 

 

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