Nervenstimulation verbessert Beweglichkeit und Muskelkraft bei Querschnittlähmung

Eine finnische Studie legt nahe, dass inkomplett Querschnittgelähmte eine Verbesserung der Muskelkraft durch wiederholte Nervenstimulation erfahren könnten. Der Ansatz ist neu und laut der Uniklinik Helsinki vielversprechend.

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Bei der in Finnland unter der Leitung von Dr. Anastasia Shulga untersuchten Methode handelt es sich um eine Langzeit-Nervenstimulation, bei der eine Kombination von transkranieller Magnetstimulation (TMS) und gleichzeitiger Stimulation des peripheren Nervensystems über einen Zeitraum von sechs Monaten regelmäßig angewendet wurde.

  • Die transkranielle Magnetstimulation (TMS) ist ein nicht-invasives Verfahren, bei der variierend starke Magnetfelder auf das Gehirn einwirken, wodurch bestimmte Hirnareale stimuliert bzw. gehemmt werden sollen.
  • Bei der Stimulation des peripheren Nervensystems handelt es sich um eine Behandlungsform, bei der der Teile des peripheren Nervensystems mit elektrischen Reizen behandelt werden. Eingesetzt wird sie bei Querschnittlähmung hauptsächlich in der Schmerztherapie, zur Nervenwurzelreizung und bei inkompletter Lähmung.

Die Studie

Die Methode wurde an zwei Patienten getestet. Versuchsteilnehmer 1 ist Tetraplegiker ohne Greiffunktion und eingeschränkter Mobilität in den oberen Extremitäten. Versuchsteilnehmer 2 ist Paraplegiker mit Lähmungserscheinungen unterhalb der Knie. Beide Patienten hatten im Vorfeld und während der Studie auch an konventionellen Therapien und Rehabilitationsbehandlungen teilgenommen.

Nach sechsmonatiger Behandlung mit der transkranielle Magnetstimulation bei gleichzeitiger Stimulation des peripheren Nervensystems verbesserte sich bei Versuchsteilnehmer 1 die Fähigkeit Objekte zu umfassen und anzuheben, während Versuchsteilnehmer 2 in der Lage war beide Knöchel zu beugen.

Die Auswirkungen, die die Behandlung auf die beiden Studienteilnehmer hatten, waren noch einen Monat nach Ende der Studie offensichtlich. Einer der Patienten nimmt derzeit an einer weiterführenden Studie teil, bei der die Stimulation über mehr als sechs Monate durchgeführt wird. Künftige Ergebnisse weiterer Studien werden zeigen, ob die Langzeitstimulation als Einzeltherapie in Frage kommt oder ob sie mit anderen Therapien kombiniert werden muss. Zudem bleibt noch abzuwarten ob und wann die Methode an einer größeren Gruppe getestet werden wird.

Die Studienergebnisse wurden (in englischer Sprache) im Magazin Nature veröffentlicht. Siehe: Long-term paired associative stimulation can restore voluntary control over paralyzed muscles in incomplete chronic spinal cord injury patients.

2020 gibt es noch keine weiteren Erkenntnisse.

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