Transferhilfen für Rollstuhlfahrer

Wie man als Rollstuhlfahrer selbständig am besten von A nach B umsetzt, wird im Beitrag Transfertechniken bei Para- und Tetraplegie erklärt. Was aber, wenn man zu diesen Transfers nicht in der Lage ist? Verschiedene Liftsysteme für Rollstuhlfahrer können hier zum Einsatz kommen und auch Assistenzkräfte unterstützen.

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Die klassische Transfertechnik für Menschen mit einer Para- oder Tetraplegie erfolgt über das Aufstützen auf beide Arme bei gleichzeitigem Einrollen der oberen Wirbelsäule. Dies ist eine Technik, die erlernt werden muss und kann, doch lässt sich nicht wegdiskutieren, dass ohne eine gewisse Kraft und Beweglichkeit in Armen und wenigstens teilweise im Oberkörper, solche Transfers nicht machbar sind.

Auch das fortschreitende Alter kann für Rollstuhlfahrer ein Thema sein, wenn es um Transfers geht, da der Alterungsprozess an sich und evtl. auftretende gesundheitliche Probleme und Langzeitfolgen der Querschnittlähmung zu einem Kraft- und Mobilitätsverlust führen können. Unter diesen neuen Voraussetzungen müssen dann andere Transfertechniken ggf. unter Einsatz neuer oder anderer Hilfsmittel erlernt werden. Erleichtert werden Transfers mit Hilfsmitteln wie Rutschmatten und -brettern sowie Drehscheiben (siehe: Rutschbretter für den Transfer im Sitzen), doch auch dabei muss man eine gewisse Beweglichkeit und Kraft mitbringen.

In manchen Fällen, abhängig von Lähmungshöhe und Begleitumständen sind eigenständige Transfers also nicht möglich, und Pflegende und Liftsysteme helfen beim Um-, Aus- und Einsteigen.

 

Liftsysteme

Liftsystemen, die beim Anheben und beim Transfer helfen sollen, funktionieren mit einer manuellen bzw. elektrischen Hubmechanik. Versehen sind solche Hebelifter mit einem flexiblen Tuchsitz oder einem Sitz bzw. einer Liege aus starrem Material, der über eine Aufhängung mit der Hubvorrichtung des Lifts verbunden ist. Zur Durchführung des Transfers hat das Gerät einen Schwenkarm, ein Boden-Fahrwerk oder deckenmontierte Laufschienen.

Die Hubsteuerung erfolgt meist über einen Handschalter an einem flexiblen Spiralkabel, Seitwärtsbewegungen erfolgen durch Schwenken von Hand. Bei rein handbetriebenen Geräten erfolgt der Hub über eine Hydraulik mit Handpumphebel-Betätigung oder ein Kurbelgetriebe.

Im Fall von elektrisch betriebenen Liftsystemen, kann der Transfer u. U. vom Betroffenen selbst über die beschriebene Handsteuerung durchgeführt werden.

Die Hebehilfen gibt es in verschiedenen Varianten:

  • Festinstalliert an der Wand
  • Festinstalliert an der Decke
  • Freistehendes Gestell
  • Freistehendes Gestell mit Rollen
  • Freistehendes, faltbares Gestell mit Rollen für den Transport

Im Hilfsmittelverzeichnis gelistet sind sowohl Lifter als auch das entsprechende Zubehör. Siehe: GKV Hilfsmittelverzeichnis/Mobilitätshilfen

Kosten*: Liftsysteme gibt es von verschiedenen Herstellern ab ca. 9.000 Euro (ohne Zubehör). Sollte die Kosten nicht übernommen werden, kann man einen Kauf aus zweiter Hand in Betracht ziehen.

So funktioniert z. B. ein Deckenlifter mit verschiedenen Gurt- und Hebesystemen:

Transferhilfe Akuakalda

Die Transferhilfe Akuakalda macht es für Pflegende besonders leicht einen Patienten aus einer sitzenden Position heraus zu transferieren. Der Patient legt dabei den Oberkörper über eine gepolsterte Auflage auf einem drehbaren, höhenverstellbaren Unterbau. Sobald er Patient sicher positioniert ist, dreht die Pflegeperson die Transferhilfe ohne großen Kraftaufwand.

Besonders erwähnenswert ist, dass die Transferhilfe Akuakalda vor allem für Reisen sehr gut geeignet ist, da sie gerade mal sieben Kilogramm wiegt und platzsparend zusammenlegbar ist.

Geeignet ist Akuakalda laut Hersteller für Transfers vom Rollstuhl aufs Bett und umgekehrt für Rollstuhlfahrer, die eigenständig in eine sitzende Position gelangen können. Personen mit Herz- und Atembeschwerden, Osteoporose und/oder einem Körpergewicht von mehr als 130 Kilogramm sollten sie nicht verwenden.

Kosten*: Die Transferhilfe Akuakalda kann man beim italienischen Hersteller direkt oder verschiedene Sanitätshäuser beziehen; der Preis liegt bei ca. 500 Euro. Die Hilfsmittelnummer im GKV Hilfsmittelverzeichnis lautet 22.29.01.1016.

 

Etac Raiser

Bei der Pflege von inkomplett Querschnittgelähmten und/oder bei Patienten mit halbseitigen Paresen, bei denen die Stehfunktion erhalten ist, kann die Dreh-Transferhilfe Etac Raiser u. U. hilfreich sein.

Der Etac Raiser ist eine Transfer- und Umsetzhilfe, die Transfers für Pflegekräften und Betroffenen kraftschonender und zeitsparender gestalten soll, setzt der Patient die Füße auf eine flache Fußplatte, sieht sich hoch und stützt beim Stehen die Knie auf der gepolsterten, höhenverstellbaren Beinstütze ab. Zusätzlich kann der Rumpf durch einen Haltegurt gesichert werden. Wenn das Aufstehen Probleme bereitet kann dieser Gurt auch als Hebegurt eingesetzt werden. Der Etac Raiser wird dann durch eine Drehung vor der Sitzgelegenheit, auf die transferiert werden soll in Position gebracht und der Patient setzt sich. Auf diese Weise können Transfers sicher und ergonomisch durchgeführt werden. Zudem hat der Etac Raiser Rollen, sodass auch das Überbrücken kürzerer Distanzen möglich ist.

Kosten*: Die Transferhilfe Etac Raiser kann man bei verschiedene Sanitätshäuser beziehen; der Preis liegt bei ca. 750 Euro.

 

Für weitere Transferhilfen siehe:

Stützhilfe soll Umsetzen erleichtern

Vom Boden in den Rollstuhl – Mit und ohne Hilfsmittel

 

 

*Alle Kosten Stand Juli 2016.

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