Golfen: Ausrüstung für Rollstuhlfahrer

Golf ist eine Sportart, die draußen im Grünen stattfindet. Sie fördert Koordination, Leistungsfähigkeit und Lebensfreude. Und sie kann von Menschen jeden Alters und mit oder ohne Mobilitätseinschränkung betrieben werden.

Bild Golf_golf4 groß copyright rollstuhlsport.de, Duisburg, 2014 Mit freundlicher Genehmigung von Fr. Surzukova

Die Schotten haben’s erfunden, aber grüne Hügel auf denen sich Golfer tummeln, gibt es ja überall. Rollstuhlfahrer brauchen neben Schlägern und Golftasche ein spezielles Gefährt, um übers Grün zu gelangen. Für das unebene Gelände der Golfanlagen sind Alltagsrollstühle nämlich nur bedingt geeignet. Natürlich kann man im Sitzen golfen. Aber das bringt einige Nachteile mit sich, angefangen bei der Schlägerlänge, die für die Nutzung im Stehen ausgelegt ist, bis hin zu Golfplatzbetreibern, die es nicht gerne sehen, wenn man mit schmalen Rollstuhlreifen den schönen Rasen kaputt macht oder in Sanddünen stecken bleibt. Spezialrollstühle und -wagen für den Golfsport haben breite Reifen, sie sind elektrisch angetrieben, so dass man ohne Kraftverlust die Hügel hoch und runter kommt. Und sie bringen den Spieler in eine stehende Position, die Bewegungsfreiheit gewährleistet und die optimale Schlagtechnik ermöglicht.

Hinweis: Beim Golfen im Stehen, gelten die gleichen Kontraindikation wie beim Stehtraining. Siehe: Stehtraining bei Querschnittlähmung.

Golfrollstuhl – Modelle

Der Golfrollstuhl ist je nach Ausführung ein geländegängiger E-Rollstuhl oder ein E-Scooter mit spezieller Sitzfunktion. Beide Varianten verfügen über extrem breite Reifen und gute Balance auf unebenem Untergrund. Letzteres ist besonders wichtig, da Golfplätze kaum topfeben sind.

Verschiedene Hersteller bieten unterschiedliche Lösungen* für das Golfen im Rollstuhl an. In Deutschland am häufigsten zu finden ist der ParaGolfer, doch es gibt auch andere Möglichkeiten.

Der ParaGolfer ist ein länglicher Elektrorollstuhl, bei dem das hintere Radpaar enger zusammensteht als das vordere. Die Steuerung erfolgt über einen Joystick an der Armlehne. Für hügelige Golfplätze oder auch verschlagene Bälle im Sandbunker ist eine Steigfähigkeit von bis zu 17° gegeben; Hindernisse von bis zu 10 cm sind kein Problem.

Wenn es zum Abschlag kommt, kann sich der Fahrer aus einer sitzenden in eine stehende Position erheben, indem die einstellbare Sitzeinheit hochgefahren wird. Die patentierte Aufstehhilfe des Golfrollstuhls hilft, sich optimal zum Ball zu positionieren.

Der ParaGolfer verfügt u. a. über:

  • Steuerung via Joystick
  • Reichweite: ca. 35 km
  • Höchstgeschwindigkeit: ca. 10 km/h
  • Höchstgewicht des Fahrers: 140 kg
  • Anpassbare Sitz/Steheinheit
  • Bedienpulthalter parallel wegschwenkbar
  • Brustgurt
  • Beckengurt mit Gurtschloss
  • Kniepolster
  • Staufach mit Netz
  • Einsetzbar auch als Elektrostehrollstuhl für andere Sportarten wie Angeln, Tischfußball oder Darts.

Der Solo Rider ist kein Rollstuhl sondern ein einsitziger Elektroscooter/Golfwagen mit extrabreiten Reifen, Handsteuerung und speziellem Anschnallsystem. Gewöhnlich bieten Golfwagen Platz für zwei Passagiere. Im Solo Rider sitzt der Fahrer, wie der Name vermuten lässt, solo. Wenn Golfer mit Mobilitätseinschränkungen früher mit einem Golfwagen unterwegs waren, mussten sie sich um der nötigen Stabilität willen beim Abschlag häufig mit einer Hand am z. B. Lenkrad festhalten. Die optimale Schlagtechnik und -kraft konnte so nie erreicht werden, doch der Solo Rider macht dies überflüssig. Am Abschlagpunkt angekommen, kann der Sitz zur Seite (bis zu 230°) geschwenkt und die Neigung so angepasst werden, dass man eine stehende Position einnimmt.

Ansonsten kommt der Solo Rider mit allen Vorteilen, die ein Golfwagen so mit sich bringt:

  • Handsteuerung ( Steuerung auch einhändig möglich)
  • Variierbare Gurtsysteme
  • Transportmöglichkeit für Ausrüstung vorne am Wagen
  • Reichweite: ca. 40 km
  • Geschwindigkeit: ca. 20 km/h
  • Höchstgewicht des Fahrers: ca. 130 kg
  • Einsetzbar auch als Elektroscooter für Städtetrips oder Einkaufstouren

Golfwagen, die mit einzelnen Sitzen ausgestattet sind, die ebenfalls zur Seite verstellbar sind, nicht aber in ihrer Neigung, gibt es auch von anderen Herstellern, z. B.:

Andere Möglichkeiten

Wer schon einen Stehrollstuhl (siehe: Stehrollstühle) hat oder im Sitzen golfen will, hat vielleicht Interesse an einem rollstuhlgerechten Golfwagen. In diese Golfwagen fährt man im Rollstuhl über eine Rampe und hat so den Vorteil nicht nur seine komplette Ausrüstung, sondern auch Passagiere, z. B. persönliche Assistenten, mitnehmen zu können.

Zur Website des amerikanischen Herstellers geht es hier: Runabout Golf Carts

Wunderbar auf dem Rasen unterwegs – wenn auch in sitzender Position wäre man sicher auch mit einem Segway (siehe: Segways für Rollstuhlfahrer) oder dem geländegängigen Elektrorollstuhl iBOT mit erhöhter Sitzposition (siehe: Das Comeback des treppensteigenden iBOTs), wenn er denn mal auf den Markt kommt.

Kosten**

Die Kosten für einen Golfrollstuhl können einem die Tränen in die Augen treiben. Unter 22.500 € kommt man nicht weg. Der Solo Rider ist mit ca. 9.500 US$ (ca. 8.500 €) schon günstiger, aber einen Vertrieb in Europa gibt es nicht und bei einem Kauf in den USA fallen Steuer, Versandkosten und Importzölle an.

Wer sich nicht ruinieren, aber trotzdem am Golfsport teilnehmen möchte, kann sich freuen: Einige Golfplätze bieten Golfrollstühle auch zur Miete an und Schnupperkurse gibt es beim Deutschen Rollstuhl-Sportverband (DRS). Siehe: Golf – Mit dem Rollstuhl auf’s Grün.

 

*Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Hinweise zu weiteren Produkten nimmt die Redaktion gerne entgegen.

** Alle Preise Stand: August 2016.

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