Einen Reha-Antrag stellen

Eine vorbeugende Kur wird heute nur noch in Ausnahmefällen bezuschusst. An ihre Stelle sind Maßnahmen der medizinischen Rehabilitation getreten. Im Fokus steht dabei die Erhaltung oder Wiedererlangung der Arbeitskraft.

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Das Ziel einer medizinischen Reha ist, dass Beschäftigte nicht vorzeitig aus dem Berufsleben austreten. Eine medizinische Reha wird erst erbracht, wenn die Mittel der Krankenbehandlung nicht mehr ausreichen.

Obwohl u. a. auch die stationäre Behandlung nach einem Unfall z. B. mit der Folge einer Querschnittlähmung als (Erst-)Rehabilitation (rehabilitatio lat. = „Wiederherstellung“)  bezeichnet wird und die daran anschließende Phase als Anschluss-Reha, versteht man gemeinhin unter einer Reha-Maßnahme einen mehrwöchigen geplanten stationären oder ambulanten Aufenthalt in einer Rehabilitationseinrichtung, der krankheitsbedingte Beeinträchtigungen im Erwerbsleben abstellen oder zumindest mildern soll. Das können auch Folgen einer Querschnittlähmung sein, die aufgrund von Fehlbelastungen oder anderen Beeinträchtigungen erst lange nach der eigentlichen Verletzung auftreten.

Der erste Weg führt dann zum Arzt. Mit dem Hausarzt, Betriebsarzt oder behandelnden Facharzt können Patienten ihr Anliegen und den Sinn einer ambulanten oder stationären Reha besprechen. Besteht Aussicht darauf, die Beschwerden durch eine Reha-Maßnahme wirksam zu beheben oder zu mildern? Und welche Therapien empfiehlt der Arzt? – Steht am Ende dieses Gespräches eine Entscheidung für eine medizinische Reha, muss der Arzt einen ärztlichen Befundbericht verfassen, der dem Reha-Antrag beigelegt wird.

Der Rehabilitationsträger

Ist die Erwerbsfähigkeit wegen Krankheit oder körperlicher, geistiger oder seelischer Behinderung erheblich gefährdet oder gemindert, ist der Hauptkostenträger die Deutsche Rentenversicherung (DRV). Wer „in Reha gehen“ will, muss hier einen Antrag stellen. Ist ein anderer Rehabilitationsträger für die beantragte Leistung zuständig, wird der Antrag zusammen mit den eingereichten Unterlagen an diesen weitergeleitet. Für Menschen, die nicht (mehr) erwerbstätig sind, übernehmen in der Regel die Krankenkassen die jeweiligen Kosten.

Leistungen zur medizinischen Rehabilitation werden nicht vor Ablauf von 4 Jahren nach Durchführung der letzten Leistung gewährt, es sei denn, es liegen gewichtige medizinische Gründe dafür vor.

Die Antragsformulare

klein 131122493 Copyright Alexander Raths, 2013. Mit Genehmigung von Shutterstock.comDie DRV hat auf ihrer Webseite alle notwendigen Formulare zur Beantragung einer Reha-Maßnahme zum Download bereitgestellt. Diese Antragsformulare sind u. a. auch in den örtlichen Stellen der Rentenversicherung oder bei den Krankenkassen erhältlich. Die Rentenversicherung berät bei der Antragstellung und hilft beim Ausfüllen des Antrags. Das tut auch der behandelnde Hausarzt bzw. der entsprechende Facharzt, bei dem ein Antragsteller in Behandlung ist.

Obwohl stets von „dem Reha-Antrag“ die Rede ist, müssen mindestens zwei, optional auch mehr Formulare, eingereicht werden:

  • Antrag auf Leistungen zur Teilhabe für Versicherte – Rehabilitationsantrag (Formularnummer G0100) – In diesem Formular dokumentiert der Antragsteller, dass er grundsätzlich ein Recht auf Reha hat, weil er
    • die Mindestversicherungszeit (Wartezeit) von 15 Jahren erfüllt hat oder
    • in den letzten 2 Jahren vor Antragstellung 6 Kalendermonate mit Pflichtbeiträgen eine versicherte Beschäftigung oder Tätigkeit ausgeübt hat (der Zeitraum von 2 Jahren verlängert sich um Anrechnungszeiten wegen des Bezuges von Arbeitslosengeld II) oder
    • innerhalb von 2 Jahren nach Beendigung einer Ausbildung eine versicherte Beschäftigung oder selbständige Tätigkeit aufgenommen und bis zum Antrag ausgeübt hat oder
    • nach einer solchen Beschäftigung oder Tätigkeit bis zum Antrag arbeitsunfähig oder arbeitslos gewesen ist oder
    • bereits vermindert erwerbsfähig ist oder dieses in absehbarer Zeit zu erwarten ist und er die allgemeine Wartezeit von 5 Jahren erfüllt hat oder diese als erfüllt gilt.

Bezieht ein Antragsteller Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit, erfüllt er immer die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen für Leistungen zur medizinischen Rehabilitation. Dies gelte auch, erklärt die DRV, wenn die Person Anspruch auf große Witwenrente oder Witwerrente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit habe.

  • Anlage zum Antrag auf Leistungen zur medizinischen Rehabilitation (Formularnummer G0110) – Erst hier geht es um die gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die Anlass für eine Reha-Maßnahme sein können.

Mit dem Antrag zur medizinischen Rehabilitation entbindet der Antragsteller alle Ärzte und Einrichtungen, die in dem Antrag genannt sind, oder aus beigefügten Unterlagen hervorgehen, von der ärztlichen Schweigepflicht. „Wir möchten Sie darüber informieren, dass wir medizinische Daten, die uns bereits vorliegen oder die wir mit Ihrer (…) Einwilligung erhalten haben, an andere Sozialleistungsträger (zum Beispiel Krankenkasse, Agentur für Arbeit, Versorgungsamt oder Berufsgenossenschaft) für deren gesetzliche Aufgabenerfüllung oder für die Erfüllung eigener gesetzlicher Aufgaben weitergeben dürfen“ heißt es in Antragsformular folgend. Zugleich wird darauf verwiesen, dass eine Verweigerung der Einwilligung dazu führen könne, dass eine beantragte Leistung ganz oder teilweise versagt werde. Versicherte haben jederzeit Anspruch auf Akteneinsicht.

Optional können den Reha-Antrag u. a. folgende Formulare beigefügt werden:

  • Selbsteinschätzungsbogen (Formularnummer G0115)– In diesem Schreiben haben Antragsteller die Möglichkeit, in freien Texten ihren Wunsch nach einer Reha-Maßnahme zu begründen.
  • AUD-Beleg – von der Krankenkasse auszufüllen – Anlage zum Antrag auf Leistungen zur medizinischen Rehabilitation (Formularnummer G0120) Arbeitsunfähigkeitszeiten und Arbeitsunfähigkeitsdiagnosen / Angaben zu Krankenhausaufenthalten und Rehabilitationsaufenthalten
  • Antrag auf Befreiung von der Zuzahlung bei stationären Leistungen zur medizinischen Rehabilitation (Formularnummer G0160) + Bescheinigung des Arbeitgebers zum Antrag auf Befreiung von der Zuzahlung (Formularnummer G0161)

Zuzahlung

Versicherte, die nicht von einer Zuzahlung befreit sind, müssen für die Reha-Maßnahme eine Zuzahlung von 10 Euro pro Tag leisten. In der Zeit der Reha haben sie in der Regel für sechs Wochen Anspruch auf Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber. Sollte durch Vorerkrankungszeiten kein Anspruch auf Entgeltfortzahlung bestehen, zahlt die DRV unter bestimmten Voraussetzungen ein Übergangsgeld.

Das Wunsch- und Wahlrecht

Das Sozialgesetzbuch IX sieht in § 9 vor, dass der Rehabilitationsträger berechtigten Wünschen von Patienten nachkommt:

9 Wunsch- und Wahlrecht der Leistungsberechtigten

(1) „Bei der Entscheidung über die Leistungen und bei der Ausführung der Leistungen zur Teilhabe wird berechtigten Wünschen der Leistungsberechtigten entsprochen. Dabei wird auch auf die persönliche Lebenssituation, das Alter, das Geschlecht, die Familie sowie die religiösen und weltanschaulichen Bedürfnisse der Leistungsberechtigten Rücksicht genommen (…).“

Bild 120175819Urheberrecht wavebreakmedia, 2013 Mit Genehmigung von Shutterstock.com

Wer einen Reha-Antrag stellt, kann also einen Wunsch angeben, an welchem Ort oder in welcher Klinik die Behandlung stattfinden soll. Das gilt auch bei einer ambulanten Reha. Das Behandlungskonzept der Wunschklinik muss dem individuellen medizinisch-therapeutischen Bedarf („Indikation“) entsprechen. Darüber entscheidet die Rentenversicherung.

  • Die Wunscheinrichtung sollte über einen Versorgungsvertrag mit den Sozialversicherungen verfügen.
  • Dem Wunsch dürfen keine medizinischen Gründe entgegenstehen, d.h. die gewählte Einrichtung muss nachweislich für die Behandlung der jeweiligen Erkrankung geeignet sein.
  • Die Einrichtung sollte darüber hinaus von einer unabhängigen Stelle nach anerkannten Qualitätsstandards überprüft und zertifiziert sein.

In der Vergangenheit gab es zahlreiche Urteile zum Wunsch- und Wahlrecht. Siehe auch:

Im Reha-Antrag selbst ist kein Platz für die Angabe einer Wunschklinik oder eines Wunschortes vorgesehen. Daher muss sie ggf. als gesondertes Schreiben angefügt werden. Einige Kliniken bieten im Internet Argumentationshilfen dazu an.

Weitere Unterlagen

Bei gesetzlich Krankenversicherten ist ein Reha-Antrag vorab durch die jeweilige Krankenkasse zu bestätigen.

Damit der zuständige Rehaträger über den Antrag auf Rehabilitation entscheiden kann, muss ein ärztlicher Befundbericht vorliegen, z. B. vom Haus- oder Betriebsarzt. Dieser muss die medizinische Notwendigkeit einer Rehabilitationsmaßnahme feststellen. Fehlt er, wird ein ärztlicher Gutachter eingeschaltet der untersucht, welche krankheitsbedingten Beeinträchtigungen im Erwerbsleben vorliegen und ob diese durch eine Rehabilitation abgestellt oder zumindest gemildert werden können.

Die ärztlichen Bescheinigungen und Begründungen, die dem Reha-Antrag beigefügt werden, sollten ausführlich sein und neben der Diagnose auch Empfehlungen für Therapien nennen. Zudem sollte der Arzt beschreiben, in welcher Form der Patient durch seine Erkrankung gegenüber gesunden Menschen benachteiligt ist.

Inhalte einer (geplanten) medizinischen Reha

Die Dauer einer Rehabilitation hängt von der Schwere und dem Verlauf einer gesundheitlichen Beeinträchtigung ab. Sie beträgt meist drei Wochen, kann aber auch verlängert werden, wenn es medizinisch erforderlich ist. Ebenso ist es möglich, die Reha zu verkürzen, wenn das Rehabilitationsziel früher als erwartet erreicht wird.

Eine Reha kann stationär oder ganztägig ambulant durchgeführt werden. Bei einer ambulanten Reha wohnt der Patient zuhause.

Bestandteile sind die ärztliche Betreuung und Therapie,  je nach Ausrichtung z. B.:

  • Physikalische Therapie wie Krankengymnastik und aktive Bewegungstherapie;
  • Psychotherapie
  • Ergotherapie

Es geht nicht nur darum, funktionelle Einschränkungen zu bessern, sondern auch eine angemessene Krankheitsverarbeitung zu unterstützen und eine gesunde Lebensweise in der Zukunft zu fördern.

Nach einer Bewilligung

Bei einer Bewilligung von Leistungen zur medizinischen Rehabilitation bekommt der Antragsteller von der DRV (oder einem anderen Rehaträger) eine Bescheinigung über die Dauer der Leistungen zur Vorlage beim Arbeitgeber. Darin sind Name und Anschrift der Rehabilitationseinrichtung nicht genannt und es werden keine Angaben über die Erkrankung gemacht.

Welche Unterlagen wichtig für die Reha-Einrichtung und den dortigen Arzt sind und welche Gegenstände im Koffer nicht fehlen sollten, siehe: Kofferpacken für die Reha

Service-Telefon

Die DRV beantwortet individuelle Fragen von

  • Montag bis Donnerstag 7.30 bis 19.30 Uhr
  • Freitag bis 7.30 bis 15.30 Uhr

unter der kostenlosen Nummer 0800 1000 4800.

 

Siehe auch:

Ihr Recht auf Reha

 

Fragen & Kommentare

Fragen & Kommentare zu diesem Artikel


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  1. Salieri 19.08.2016, 16:30 Uhr

    Meine Frage:

    Das hier sehr ausführlich behandelte Thema „Reha“ trifft ausschließlich für Versicherte der gesetzlichen Kranken- und Rentenversicherung zu.
    Wie verhält es sich bei Angehörigen der Privatversicherung bzw. bei Beamten, die Leistungen nach der Beihilfe bzw. aus der Privatversicherung erhalten?

    Wo erhält man hierzu nähere Informationen?

    • Nikola Hahn 22.08.2016, 13:21 Uhr

      Guten Tag Salieri,

      vielen Dank für Ihre Nachfrage. Ein bundesweit einheitliches Beihilferecht gibt es nicht. Grundsätzliche Informationen zu den Regelungen der Beihilfe finden Sie in unserem Beitrag: Wie funktioniert eigentlich die Beihilfe?

      Ähnlich verhält es sich mit den Leistungen für Privatversicherte. Diese werden zwischen Versicherung und Versicherten uneinheitlich geschlossen. Privat Versicherte können ihre Ansprüche aus ihren Verträgen entnehmen oder sich bei ihrer Kasse nach den Bedingungen erkundigen.

      Viele Grüße

      Die Redaktion