Krankheitsbedingte Querschnittlähmung – Das Guillian-Barré-Syndrom

Das Guillian-Barré-Syndrom ist eine Erkrankung der Nervenbahnen, die Rückenmark, Muskeln und/oder Organe betrifft. Es kann zu einer – im besten Fall vorübergehenden – inkompletten Querschnittlähmung führen.

Bild 342473045Copyright Alex Mitt, 2016. Mit Genehmigung von Shutterstock.com

Das Guillian-Barré-Syndrom (GBS), auch Landry-Guillain-Barré-Strohl-Syndrom, ist ein akut auftretendes neurologisches Krankheitsbild, bei dem es zu entzündlichen Veränderungen des aus Hirn- und Spinalnerven gebildeten peripheren Nervensystems, d. h. des Teil des Nervensystems, das nicht zu Gehirn und Rückenmark gehört, kommt. Betroffen sind vor allem die aus dem Rückenmark hervorgehenden Nervenwurzeln und die dazugehörigen vorderen Nervenabschnitte.

Symptome

Betroffene bemerken zunächst meist eine von den Beinen aufsteigende Muskelschwächen, mit Schwierigkeiten beim z. B. Treppensteigen. Schlimmstenfalls kann diese Schwäche im Krankheitsverlauf zu einer vollständigen Lähmung von Armen und Beinen sowie einer Atemlähmung führen.

Möglich sind auch Sensibilitätsstörungen, wie Missempfindungen, Taubheitsgefühle und das Unvermögen taktile Reize wahrzunehmen. Bei einigen Betroffenen können auch Muskelschmerzen auftreten.

Anders als bei einer traumatischen Rückenmarksverletzung können beim Guillian-Barré-Syndrom zusätzlich zu den Muskeln des Bewegungsapparates auch weitere Muskeln betroffen sein, wenn die Krankheit die zur Innervierung zuständigen Muskeln befällt.

  • Die für die Mimik verantwortlichen Gesichtsmuskeln, die vom Fazialisnerv gesteuert werden und/oder die Augenmuskeln.
  • Auch die autonomen Nerven können betroffen sein, was zu Herzrhythmusstörungen führen kann; Herzrhythmusprobleme treten bei über der Hälfte der Betroffenen auf.

Weitere Symptome sind:

  • Temperaturregulation
  • Kreislaufbeschwerden (Hyper- und Hypotension sowie autonome Dysreflexie)
  • Ausfall oder Schwäche der Blasenfunktion

Augenbeschwerden und Ataxien treten bei einer besonderen Variante auf, dem sog. Miller-Fisher-Syndrom (Schröter, 2016).

Ursache und Verlauf

Wodurch das Guillain-Barré-Syndrom verursacht wird, ist unbekannt. Wahrscheinlich ist, dass vom Organismus Antikörper gebildet werden, die sich gegen das eigene Nervensystem richten, genauer gegen die körpereigenen Lipide Ganglioside und/oder Myelin, die Isolationsschicht bilden, die die Nervenzellen umgibt. Bei bis zu 80% der Betroffenen ging der Erkrankung eine Infektion der Atemwege oder des Magen-Darm-Traktes voraus.

Es können verschiedene Verläufe mit unterschiedlicher Länge auftreten, wobei sich das Krankheitsbild von Stunden oder Tagen bis hin zu Monaten entwickeln kann. Die psychische Belastung für die Betroffenen ist dabei erheblich, da sie die fortschreitenden Lähmungen bei vollem Bewusstsein erleben. Wenn die Akutphase jedoch vorbei ist, bestehen gute Aussichten innerhalb eines Jahres wieder weitgehend symptomfrei zu sein. In sehr seltenen Fällen (ca. 4%) kommt es im Zeitraum von wenigen Monaten bis zu acht Jahren zu einem erneuten Krankheitsschub.

„Die schwersten Symptome mit kompletter Lähmung der Muskulatur und Atemlähmung halten unterschiedlich lange an, sie können Tage bis Wochen bestehen. Je nach Ausprägung des Krankheitsprozesses und Intensität des Verlaufs kommt es entweder zu einer raschen vollständigen Rückbildung oder aber zu einem mehr oder minder ausgeprägten Residualsyndrom mit Restschwächen in 20 bis 40%“, sagt Dr. Carsten Schröter von der Plattform www.guillainbarre-syndrom.de. „Im Mittel wird der schlechteste Zustand nach etwa neun Tagen erreicht, bei 98% der Patienten innerhalb von vier Wochen. Etwa nach zwei bis vier Wochen in der Plateauphase, also Stabilität der Symptomatik, setzt die Besserung ein. Die Zeit bis zu Erreichung der Gehfähigkeit bei therapierten Patienten beträgt ca. 40 bis 70 Tage. Nach einem Jahr besteht bei 70% der Patienten weitgehende Symptomfreiheit.“

Zwischen 35 und 65 % der Patienten empfindt allerdings ihre Lebensqualität als mehr oder weniger stark eingeschränkt, aufgrund von Problemen in z. B. den Bereichen

  • Mobilität
  • Selbstversorgung
  • Alltagstätigkeiten
  • Schmerzen
  • Angstzustände
  • Depressionen

In schweren Fällen kann es zu einer hohe Tetraplegie und anhaltenden Hirnnervenausfälle mit allen daraus resultierenden Konsequenzen kommen.

Die Sterblichkeitsrate in Deutschland lag 2013 in der Akutphase bei 5,5 % und in der Nachbeobachtungsphase von ca. 52 Montagen bei 13,6 %, was im Vergleich zu Erhebungen aus früheren Jahren einen Abwärtstrend aufzeigt (Hil, 2016).

Behandlungsmöglichkeiten

Da nicht klar ist, was das Guillain-Barré-Syndrom auslöst, können die Ursachen nicht behandelt werden, wohl aber die Symptome.

Sobald der Verdacht besteht am Guillain-Barré-Syndrom erkrankt zu sein, muss der Betroffene umgehend unter ärztliche Beobachtung in ein Krankenhaus, da aufgrund des unberechenbaren Krankheitsverlaufes nicht abzusehen ist, wann und ob lebensbedrohliche Situationen mit Lähmung der Atemmuskulatur und Herzrhythmusstörungen eintreten. Die Vitalfunktionen müssen regelmäßig überprüft werden, so dass ggf. Intubation und Beatmung rechtzeitig erfolgen können.

Aufgrund der Miktionsstörung sollte eine kontinuierliche Harnableitung mittels Blasenkatheter erfolgen.

Da die Patienten lange Zeit bettlägerig sind, ist auf die strenge Durchführung von Thrombose- und Dekubitusprophylaxe zu achten. Auch ein regelmäßiges Stehtraining kann sinnvoll sein.

Schreitet die Erkrankung weiter fort, wird eine Plasmapherese (Plasmaaustausch), eine Form der Blutwäsche, vorgenommen.

Erfahrungsbericht Guillain-Barré-Syndrom

Folgendes Video zeigt einen Erfahrungsbericht eines Patienten mit typischem Guillain-Barré-Verlauf:

Fragen & Kommentare

Fragen & Kommentare zu diesem Artikel


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu hinterlassen.

Zur Registrierung geht es hier lang.