Erste Hilfe bei Verdacht einer Rückenverletzung

Erste Hilfe rettet Leben. Wenn ein Leben in Gefahr ist, bleiben die bekannten Schemen und Handlungsabfolgen wichtig. Bei allen Verunfallten sollte man auf Verletzungen des Rückens unbedingt achten und gefährliche Bewegungen vermeiden.SH-67942423-Corepics-VOF-gro

„Wir wollen vermitteln, dass Helfer keinesfalls auf Maßnahmen verzichten sollten, nur weil sie Angst haben, etwas falsch zu machen“, erklärt Anja Oehen, Bereichsleiterin Erste Hilfe im Schweizer Institut für Rettungsmedizin Sirmed in Nottwil. Sirmed gehört zur Gruppe der Schweizer Paraplegiker-Stiftung und legt besonderes Augenmerk auf die Rettung von wirbelsäulenverletzten Menschen. In Seminaren für Ersthelfer und Profis bilden die Experten Mitarbeiter von Rettungsdiensten, Menschen mit Erste-Hilfe-Auftrag in Betrieben und alle anderen Interessierten in der Ersten Hilfe aus.

Verletzungen des Rückens erkennen

„Bei Rückenmarksverletzungen kommt es eher selten vor, dass Betroffene zugleich bewusstlos sind“, so Anja Oehen. Ist eine Person verletzt, aber bei Bewusstsein, kann sie Schmerzen bzw. Wahrnehmungsveränderungen beschreiben. Anzeichen für eine Verletzung des Rückens können sein:

  • Schmerzen in der betroffenen Region des Rückens/Hals
  • Gefühllosigkeit oder Wahrnehmungsstörungen in den Extremitäten
  • Beine und/oder Arme können nicht mehr bewegt werden
  • Verlust von Temperatur- oder Schmerzempfinden an den betroffenen Regionen
  • Atemprobleme, je höher die Verletzung desto gravierender
    (Bossart, 2016)

Verhalten bei Unfällen mit dem Verdacht einer Wirbelsäulenverletzung

  • Den Notdienst rufen. Die 112 gilt EU-weit im Notfall (in der Schweiz: 114).
  • Den Verunfallten und sich selbst schützen: Ist die Unfallstelle sicher? Bei Lebensgefahr durch die Umgebung geht eine Umlagerung vor.
  • Bei Bewusstlosigkeit mit Atmung: Die Beurteilung von Bewusstlosen kann erschwert sein. Hier gilt es, besonders vorsichtig zu agieren, um sekundäre Verletzungen zu vermeiden. Ist eine Person bewusstlos und besteht der Verdacht einer Rückenmarksverletzung, muss derjenige trotzdem auf die Seite gelegt werden, um etwa zu verhindern, dass Mageninhalt in die Lunge gerät. Sind mehrere Helfer vor Ort, sollten sie die Lagerung gemeinsam, in langsamen, gleichmäßigen Bewegungen durchführen. Die Wirbelsäule sollte möglichst in einer geraden Linie bleiben, der Kopf mit einem Helferknie oder einem passenden Gegenstand gestützt werden. Ist nur ein Helfer da, muss er die Lagerung so durchführen, wie es ihm am schonendsten gelingt.
  • Bei Bewusstlosigkeit ohne Atmung: Lebensrettende Sofortmaßnahmen gehen vor! Anja Oehen weiß aus der Praxis: „Mit der Kombination von Herzmassage und Beatmung hat der Verunfallte die besten Chancen.“ Deshalb gilt nach wie vor: Wenn vorhanden, Gebrauch eines Defibrillators. Diese Maßnahmen, wie auch die Lagerung, müssen geübt werden, daher verweisen Fachleute immer wieder auf Erste Hilfe-Kurse bzw. Auffrischungskurse.*
  • 30x Herzdruckmassage, z.B. im Rhythmus von „Stayin` Alive“, 2x beatmen usw., siehe z.B. Herz-Lungen-Wiederbelebung auf der Webseite des Deutschen Roten Kreuzes.
  • In wachem Zustand: Ist der Verunfallte wach und ggf. ansprechbar, kommt es darauf an, dass er sich nicht bewegt! Es können Teile der Wirbelsäule gebrochen sein, ohne dass das Rückenmark dabei verletzt wurde. Um Sekundärschäden zu vermeiden, muss die verunfallte Person liegen gelassen werden, wenn die Umgebung keine Gefahr bedeutet. Damit sie Ruhe bewahrt und sich nicht selbst bewegt, sollten Helfer ihr Mut zusprechen und mentale Unterstützung leisten bis der Rettungsdienst da ist.
  • Bei Motorradunfällen mit Helm: Ist der Verunfallte ohnmächtig, muss der Helm abgenommen werden, damit z.B. Erbrechen nicht lebensgefährlich wird!

Erste-Hilfe-App

Vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) gibt es eine kostenpflichtige App (für Android und Apple), die über Sprache durch eine Erste-Hilfe-Situation führt und an klassische Maßnahmen erinnert. Download im  iTunes-Store für 1,09 € und im  Google Play Store für 0,89 €.

Leitlinien

Der European Resuscitation Council (ERC) hat 2015 aktualisierte Leitlinien herausgeben und die alte Methode Herzdruckmassage – Beatmung über den Mund (alternativ über die Nase) bestätigt. „Wir zeigen in unseren Kursen, wie man den Kopf vorsichtig überstreckt, um eine Person zu beatmen“, erläutert Oehen. „Der Verdacht einer Rücken- bzw. Halsverletzung darf Helfer nicht davon abhalten, die Beatmung durchzuführen, denn sie kann lebensrettend sein.“

 

* In Deutschland bieten verschiedene Organisationen wie das DRK, Die Maltester oder der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) und andere Grundausbildungen an, in der Schweiz u.a.www.sirmed.ch.

Siehe auch: Ursachen für eine Querschnittlähmung

 

Fragen & Kommentare

Fragen & Kommentare zu diesem Artikel


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu hinterlassen.

Zur Registrierung geht es hier lang.