Hinzuverdienen bei Erwerbsminderungsrente

Auch bei Rente wegen voller oder teilweiser Erwerbsminderung dürfen Betroffene Jobs in begrenztem Umfang übernehmen und sich zur Rente etwas hinzuverdienen. Dabei allerdings gelten ganz bestimmte Regeln für den zeitlichen Umfang und die Höhe des Verdienstes.

Bild 113456362 copyright Liljam, 2013 Mit Genehmigung von Shutterstock.com

Zunächst muss unterschieden werden zwischen voller Erwerbsminderung und teilweiser Erwerbsminderung.

  • Nach der gesetzlichen Definition ist voll erwerbsgemindert, wer wegen Krankheit oder Behinderung auf nicht absehbare Zeit außerstande ist, unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes mindestens drei Stunden täglich zu arbeiten (§ 43 SGB VI).
  • Teilweise erwerbsgemindert sind Versicherte, die wegen Krankheit oder Behinderung auf nicht absehbare Zeit unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes nicht mindestens sechs Stunden täglich arbeiten können – also Versicherte, die zwischen drei und unter sechs Stunden täglich erwerbstätig sein können.

Renten wegen Erwerbsminderung werden unbefristet erbracht, wenn der Rentenanspruch allein medizinisch bedingt ist und eine Besserung des Gesundheitszustandes „unwahrscheinlich“ ist. Häufiger ist, dass Renten wegen Erwerbsminderung befristet für höchstens 3 Jahre festgelegt werden. Es müssen daher je nach Gesundheitszustand rechtzeitig Folgeanträge gestellt werden. Wird bei einer ärztlichen Überprüfung festgestellt, dass sich die Erwerbsfähigkeit verbessert hat, kann der Rentenanspruch entfallen. Eine befristete Rente beginnt frühestens mit dem siebten Kalendermonat nach Eintritt der Erwerbsminderung.

Bestimmte Renten wegen teilweiser Erwerbsminderung werden aufgrund von Arbeitslosigkeit als volle Erwerbsminderung gewertet. Das gilt, so lange sich an der Situation nichts ändert. Stehen hingegen geeignete Teilzeitstellen zur Verfügung, wird aus der vollen wieder eine teilweise Erwerbsminderung.

Abschläge

Wird die Rente vor der Altersgrenze in Anspruch genommen, müssen Rentenabschläge in Kauf genommen werden. Für jeden Monat früherer Inanspruchnahme 0,3 Prozent, insgesamt jedoch höchstens 10,8 Prozent.

Siehe auch: Rente wegen Erwerbsminderung

Volle Rente oder Teilrente

Die Rente wegen voller oder verminderter Erwerbsfähigkeit kann entweder in voller Höhe oder als anteilige Rente in Anspruch genommen werden.

Die Teilrente gibt es in Abstufungen

  • Von drei Vierteln der Vollrente
  • Der Hälfte der Vollrente
  • Eines Viertels der Vollrente

Je niedriger der Anteil ist, desto mehr dürfen Bezieher hinzuverdienen. Die Rente wird anteilig oder gar nicht mehr ausgezahlt, wenn die Hinzuverdienstgrenzen überschritten werden.

Wenn Betroffene zu einem späteren Zeitpunkt wieder weniger verdienen und die Hinzuverdienstgrenze für die volle Rente oder eine höhere anteilige Rente einhalten, erhalten sie (wenn die medizinischen Voraussetzungen weiterhin vorliegen) wieder die höhere Rente. Jede Änderung ist dem Versicherer mitzuteilen.

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Wer eine Rente wegen voller Erwerbsminderung bekommt, kann bis zu drei Stunden pro Tag hinzuverdienen, wenn er die Hinzuverdienstgrenzen einhält.

Die Berechnung des Hinzuverdienstes

Entscheidend für die mögliche Höhe des Hinzuverdienstes sind der (versicherte) Verdienst vor Eintritt der Rente sowie die Verdienstjahre. Höhe des Verdienstes und Dauer der Arbeitszeit werden umgerechnet in sogenannte Entgeltpunkte.

Ein weiterer Faktor neben den Entgeltpunkten ist der Ort, an dem der Verdienst erzielt wird, sprich: alte oder neue Bundesländer. Die Berechnung bezieht sich auf sogenannte Bezugsgrößen, d. h. es fließt mit ein, was andere Menschen in der Umgebung durchschnittlich verdienen und welche Rente ihnen zusteht. Die Rentenversicherung spricht von „dynamischen Grenzwerten“: Ändern sich die Bezugsgrößen durch eine veränderte Lohnentwicklung, ändert sich auch die Berechnung der Hinzuverdienstgrenzen.

Größenordnungen

Die Deutsche Rentenversicherung hat in dem Ratgeber „Erwerbsminderungsrentner: So viel können Sie hinzuverdienen“ (2016) ausgerechnet, was Bezieher einer Teilrente bei voller Erwerbsminderung verdienen dürfen, wenn sie vorher durchschnittlich verdient haben. Bezieht ein ehemaliger Durchschnittsverdiener nur die Hälfte seiner Rente ( ½ Teilrente), darf er in den alten Bundesländern 2004,45 Euro verdienen, in den neuen Bundesländern 1886,62 Euro (Stand: Nov 2016). Bei einer vollen Rente liegt die Grenze des Hinzuverdienstes bei 450 Euro.

Bezieht jemand eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung, liegen die Grenzen des Hinzuverdienstes höher.

Weitere Beispiele und Zahlen:

Siehe Erwerbsminderungsrentner: So viel können Sie hinzuverdienen“ (2016), PDF der Deutschen Rentenversicherung

Anzurechnende Leistungen

Die Versicherung berücksichtigt als Hinzuverdienst den monatlichen Bruttoverdienst, Einkünfte aus Gewerbebetrieb, aus selbständiger Arbeit und aus Land- und Forstwirtschaft sowie vergleichbares Einkommen (zum Beispiel Abgeordnetenbezüge) und bestimmte Sozialleistungen. Bei Renten wegen voller Erwerbsminderung sind Verletztengeld und Übergangsgeld der gesetzlichen Unfallversicherung anzurechnende Sozialleistungen.

Einkünfte aus einer Vermietung und Verpachtung werden nicht auf eine Rente wegen Erwerbsminderung angerechnet (rentenberatung-aktuell.de).

Überschreitungen

Bezieher von Erwerbsminderungsrente dürfen ihre individuelle Hinzuverdienstgrenze zweimal pro Kalenderjahr bis zum doppelten Wert überschreiten.

Wer monatlich 450 Euro hinzuverdienen darf, kann in zwei Monaten bis zu 900 Euro verdienen. Damit wird es beispielsweise möglich, Überstunden zu vergüten.

Regelaltersrente löst Erwerbsminderungsrente ab

Erwerbsminderungsrenten werden nur bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze geleistet, da anschließend Anspruch auf die Regelaltersrente besteht. Die Regelaltersgrenze liegt derzeit bei Vollendung des 65. Lebensjahres für Geburtsjahrgänge bis 1946, danach steigt sie stufenweise an bis auf das 67. Lebensjahr für Geburtsjahrgänge ab 1964.

Ist unmittelbar vor Beginn der Regelaltersrente eine Rente wegen voller Erwerbsminderung geleistet worden, wird die Regelaltersrente mindestens in gleicher Höhe wie die Rente wegen voller Erwerbsminderung gezahlt.

Die Flexirente

Die sogenannte Flexirente kommt. Der “Entwurf eines Gesetzes zur Flexibilisierung des Übergangs vom Erwerbsleben in den Ruhestand und zur Stärkung von Prävention und Rehabilitation im Erwerbsleben (Flexirentengesetz)” liegt vor und soll 2017 in Kraft treten. Allerdings zielt das neue Hinzuverdienstmodell vor allem auf ältere Arbeitnehmer ab, die flexibler als bisher entscheiden wollen und es gesundheitlich können, wann sie in Rente gehen. Sozialverbände fordern mit der Rentenreform auch eine Verbesserung der Situation für Erwerbsminderungsrentner.

Weitere Informationen

Hinzuverdienst bei Erwerbsminderung auf www.einfach-teilhaben.de

 

 

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