Hinzuverdienen bei Erwerbsminderungsrente

Auch wer Rente wegen voller oder teilweiser Erwerbsminderung (EM) bezieht – so wie viele Menschen mit Querschnittlähmung -, darf sich Geld dazu verdienen. Allerdings gelten strikte Regeln für die Stundenzahl und den Verdienst. Wer diese Obergrenzen überschreitet, riskiert, dass seine  EM-Rente gekürzt wird.

Wer einfach nur in die Jahre gekommen ist und nun Anrecht auf eine Altersrente hat, muss sich um mögliche Rentenabzüge wegen eines Jobs keine Gedanken machen: Er darf so viel zur Rente dazuverdienen, wie er möchte.

Anders sieht es bei Menschen aus, die eine volle oder teilweise Rente wegen Erwerbsminderung (EM-Rente) beziehen. Wenn sie zumindest stundenweise beruflich aktiv bleiben und Geld verdienen wollen, gelten für sie bestimme zeitliche und finanzielle Limits. Entscheidend für die Höhe der Obergrenzen ist die Art der Erwerbsminderung – für eine voll EM gelten andere Regeln als für eine teilweise EM (auch wegen Berufsunfähigkeit).

Dazu sagt § 43, Buch VI des Sozialgesetzbuches:
• Als voll erwerbsgemindert gilt u. a. ein Versicherter, der wegen Krankheit oder Behinderung auf nicht absehbare Zeit außerstande ist, unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes mindestens drei Stunden täglich zu arbeiten.“
• Als teilweise erwerbsgemindert gilt u. a. ein Versicherter, der „wegen Krankheit oder Behinderung auf nicht absehbare Zeit unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes nicht mindestens sechs Stunden täglich“ arbeiten kann. (Für weiterführende Informationen zum Thema EM-Rente siehe Beitrag: Rente wegen Erwerbsminderung)

Wenn sie etwas zur Rente dazuverdienen wollen, gelten einige Punkte für die Bezieher von Rente sowohl wegen teilweiser als auch voller EM:
• Abgerechnet wird immer für ein ganzes Kalenderjahr. Es gibt zwar eine Hinzuverdienstgrenze steht, aber es ist egal, ob die Summe gleichmäßig verteilt auf zwölf Monate verdient wird oder in einem kürzeren Zeitraum.
• Anders als noch vor ein paar Jahren gibt es bei der Berechnung keine Unterschiede mehr zwischen Ost- und West-EM-Rentnern.
• Die Berechnungsgrundlagen gelten für auch für Renten, die bis zum 30. Juni 2017 als Berufsunfähigkeitsrente oder Er¬werbsunfähigkeitsrente ausbezahlt wurden.
• Die Tätigkeiten müssen dem Rententräger gemeldet werden.

Als ersten Step sollten alle allerdings diesen Punkt beachten:
• Vor dem Beginn einer Erwerbstätigkeit sollte man sich beim Rentenversicherungsträger ausführlich beraten lassen. Dort bekommt man Informationen darüber, was überhaupt zu den Einkünften gezählt wird, wie viel der Einzelne verdienen darf und wie lange er arbeiten darf.

Gerade die Dauer der Arbeit kann entscheidend sein, denn es gibt ein sogenanntes Restleistungsvermögen: Wie viel kann ein Mensch trotz EM noch an Arbeitsleistung bringen? Bei voller EM sind dies weniger als drei Stunden täglich, bei teilweiser EM weniger als sechs Stunden täglich (siehe oben, gesetzliche Definition). Wer mehr arbeitet, riskiert unter Umständen seinen Rentenanspruch.

Berechnung bei teilweiser EM

Diese Rente ist für Menschen konzipiert, die trotz EM berufstätig sind, aber nicht in Vollzeit arbeiten (können). Für sie gilt eine sogenannte Hinzuverdienstgrenze, die sich am höchsten beitragspflichtigen Jahreseinkommen der letzten 15 Jahre vor Eintritt der EM bemisst. Was nach oben hin individuell berechnet wird, hat nach unten hin eine klar definierte Mindestgrenze: Diese lag z. B. für das Jahr 2020 bei 15.479,10 Euro.

Wer mit seinem Job über diese gut 15.000 Euro, bzw. seine persönliche Hinzuverdienstgrenze kommt, dem werden 40 Prozent des Mehrverdienten auf die Rente angerechnet – sprich: von der Rente abgezogen. Achtung: Nach oben hin gibt es einen individuell zu berechnenden Zuverdienstdeckel, der verhindert, dass ein EM-Rentner im Endeffekt durch Rente plus Zuverdienst mehr Geld verdient als vor Antritt der Rente. Wer mit seinem Einkommen (=Zuverdienst plus ohnehin schon gekürzte EM-Rente) über diesen Deckel-Betrag kommt, bekommt die darüber liegende Summe zu 100 % von der Rente abgezogen.

Berechnung bei voller EM

Auch wer nur weniger als drei Stunden täglich arbeiten kann und damit voll erwerbsgemindert ist, darf sich etwas dazu verdienen. In diesem Fall ist die Berechnung denkbar einfach: Pro Kalenderjahr sind 6.300 Euro erlaubt (Stand: Februar 2020). Wer mehr verdient, muss einen Teil der Rente abgeben, wie viel, wird mit derselben 40-Prozent-Rechnung wie bei der teilweisen EM berechnet. Und auch bei der vollen EM gibt es einen individuell zu berechnenden Zuverdienstdeckel. Also auf jeden Fall vorab beraten lassen!

Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) hat die wichtigsten Regelungen in der Broschüre „Erwerbsminderungsrentner – „So viel können Sie hinzuverdienen“ zusammengestellt. Dort finden sich auch detaillierte Informationen zum Prüf- und Berechtigungsverfahren. Der Ratgeber wurde Anfang 2020 in einer aktualisierten Version neu aufgelegt und ist kostenfrei erhältlich, unter anderem steht er auf den Seiten der DRV zum Download bereit.