Harnwegsinfektionen und Querschnittlähmung: Helfen D-Mannose und L-Methionin?

Harnwegsinfektionen können bei Querschnittlähmung ein häufig auftretendes Problem sein. Häufig erfordern sie eine Behandlung mit Antibiotika, was verheerende Auswirkungen auf die Verdauung haben kann. Alternative Methoden wie D-Mannose und L-Methionin sind daher sehr gefragt.

Es gibt verschiedene alternative Möglichkeiten, wie man Harnwegsinfektionen vorbeugen kann . Einige pflanzliche Wirkstoffe werden im Beitrag Alternative Methoden zur Vorbeugung und Heilung von bakteriellen Harnwegsinfekten beschrieben.     

Zudem kann Harnwegsinfektionen mit den Wirkstoffen D-Mannose (einer Zuckerart) und der Aminosäure (ein Eiweißbaustein) L-Methionin begegnet werden.

D-Mannose

D-Mannose kommt als natürlicher Bestandteil in Form von Einfachzucker z. B. in Obst wie Preiselbeeren, Johannisbeeren, Aprikosen oder Äpfeln, in Gemüsen wie Brokkoli und Auberginen oder in Hölzern wie Birken oder Buchen vor.

Nur ein kleiner Teil des Einfachzuckers wird im Körper verstoffwechselt. Der Rest gelangt über das Blut und die Nieren in die Blase. Da die winzigen Härchen der E.coli- und Klebsiella-Bakterien genau zu den Rezeptoren der Mannose passen, docken die Bakterien an diesen Rezeptoren an. Die E-Coli Bakterien haben keine Möglichkeit mehr an der Blasenwand anzudocken und werden und die Zucker-Bakterien-Komplexe werden mit dem Urin aus der Blase ausgeschwemmt. D-Mannose tötet die genannten Bakterien also nicht ab, sondern sorgt dafür, dass sie die Blase verlassen, ohne Schaden anrichten zu können, d. h. ohne dass es zu einer Entzündung kommt. Wenn Harnwegsinfekte allerdings von anderen Bakterien ausgelöst werden, kann D-Mannose diese nicht verhindern.

Welche Dosierung wirkt, sollte individuell ausgetestet werden und hängt auch davon ab, ob bereits Beschwerden vorliegen oder der Zucker behandelnd oder prophylaktisch eingesetzt wird. 

Zur Prophylaxe können (laut Fallbeispielen mit nicht-querschnittgelähmten Patientinnen) täglich 2 g D-Mannose eingenommen werden. Bei der Behandlung akuter Harnwegsinfekte, ist die Einnahme von 2 g D-Mannose dreimal täglich möglich, unterstützend wenn bereits ein Antibiotikum verschrieben wurde.

D-Mannose gibt es als Pulver oder Kapseln. Sie wird als rezeptfreies Mittel in der Regel nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Die Behandlung von Harnwegsinfektionen sollte stets mit einem Arzt abgestimmt und alternative Möglichkeiten vor dem Akutfall besprochen werden.

Mögliche Nebenwirkungen von D-Mannose

Die Einnahme von D-Mannose in hohen Dosen kann in manchen Fällen zu Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, Stuhlgang und Durchfall führen. Zudem wird angenommen, dass der Konsum sehr hoher D-Mannose-Dosen Nierenschäden verursachen kann. 

L-Methionin

 L-Methionin ist eine der 12 essenziellen Aminosäuren, die der Organismus nicht selbst herstellen kann. Sie ist beteiligt am Hormonhaushalt und am Aufbau von Muskel- und Knorpelmasse im Körper und hat auch entzündungshemmende und schmerzlindernde Eigenschaften. In Lebensmitteln kommt Methionin z. B. in rohem Lachs, Fleisch, Paranüssen, Saaten und Eiern vor.

Wenn L-Methionin in hohen Dosen (mehr als 1,5 Gramm täglich) eingenommen wird, muss der Körper den Überschuss abbauen. Dabei entstehen Sulfat und kleine, positiv geladene Teilchen (Protonen), die den Urin ansäuern. Dieser Effekt wird in der Behandlung von Harnwegserkrankungen ausgenutzt, bei denen ein saurer pH-Wert im Urin häufig günstig ist: Das Bakterienwachstum wird dadurch gehemmt, Nierensteine bilden sich seltener und die Wirkung von bestimmten Antibiotika wird unterstützt (netdoktor, 2020). Dabei funktioniert L-Methionin nach einem völlig anderen Prinzip als z. B. Apfelessig oder Natron. Diese beiden alternativen Methoden gegen Harnwegsinfekte wirken, indem sie den Urin basisch machen und so eine unangenehme Umgebung für Bakterien schaffen sollen. Ob sich bei wiederkehrenden Harnwegsinfekten ein saures oder ein basisches Milieu positiv auswirkt, muss individuell getestet werden.

Bei akuten Harnwegsinfekten wird eine Einnahme von bis zu 3 Gramm L-Methionin pro Tag für die Zeit der Infektion empfohlen. L-Methionin kann vorbeugend aber auch behandelt eingenommen werden. Hersteller empfehlen eine Einnahme von 1,5 Gramm täglich. Die Behandlung von Harnwegsinfektionen muss stets mit einem Arzt abgestimmt werden.

Am besten wird Methionin über den Tag verteilt und zwischen den Mahlzeiten eingenommen, beispielsweise dreimal täglich 500 bis 1.000 Milligramm.

L-Methionin gibt es als Pulver, Tabletten oder Kapseln. Es wird als rezeptfreies Mittel in der Regel nicht mehr von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. 

Mögliche Nebenwirkungen von L-Methionin

Manche Menschen, die L-Methionin regelmäßig einnehmen, berichten von einem stark schwefeligen Geruch des Urins. Gelegentlich treten auch Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden und Müdigkeit auf.

Gut zu wissen: Ein saurer Urin sagt nichts über den Säuregrad des Blutes aus. Sehr selten kann es allerdings bei der Einnahme von hohen Dosen von L-Methionin vorkommen, dass nicht nur der Urin, sondern auch das Blut angesäuert wird. Der ph-Wert des Blutes sollte daher regelmäßig kontrolliert werden, da diese sog. Azidose schwerwiegende Folgen haben kann und schnellstens von einem Arzt behandelt werden muss.

Studien zu D-Mannose und L-Methionin

Eine randomisierte klinische Studie zu D-Mannose wurde 2013/14 veröffentlicht. In der Studie wurde mit (nicht-querschnittgelähmten) Frauen, die bereits Harnwegsinfektionen gehabt hatten, untersucht, wie häufig es zu neuen Infektionen kam, wenn sie prophylaktisch entweder das Antibiotikum Nitrofurantoin oder D-Mannose oder keine weitere Behandlung erhielten. Von den Frauen, die keine Behandlung erhielten, trat bei 61% eine neue Harnwegsinfektion auf, verglichen mit Neuinfektionen bei 20% der Frauen, die Nitrofurantorin nahmen, und 15% der Frauen, die D-Mannose nahmen (Achtnichts, 2020). Bei der Anwendung von D-Mannose im Vergleich zu Nitrofurantorin kam es zu deutlich geringeren Nebenwirkungen. Zur Studie (in englischer Sprache) geht es hier.

Derzeit werden in der Schweiz und Großbritannien weitere Studien zur Wirksamkeit von D-Mannose durchgeführt, mit deren Ergebnissen ab 2021 zu rechnen sein wird.  

2010 wurde eine Literaturanalyse zum Thema L-Methionin bei neurogener Blasenfunktionsstörung veröffentlicht, die zu dem Schluss kam, dass L-Methionin derzeit weder eine positive noch negative Wirkung zugeschrieben werden kann (Achtnichts, 2020).

Eine (nicht-randomisierte) Studie aus dem Jahr 2012 gab jedoch Hinweise auf einen möglichen Nutzen von L-Methionin. Bei den Studienteilnehmern sank nach einjähriger Einnahme von L-Methionin die durchschnittliche Anzahl Harnwegsinfektionen pro Person um 50% von vier auf zwei im Jahr. Dieselbe Studie spricht sich auch für die Wirksamkeit von Cranberry-Saft aus (Achtnichts, 2020).

Die Studienergebnisse sprechen laut Dr. Lutz Achtnichts von der Schweizerischen Multiple Sklerose Gesellschaft dafür, dass kontrollierte Studien zur Wirkung von L-Methionin bei Harnwegsinfektionen aufschlussreich sein könnten, wenn sie denn durchgeführt würden.

Siehe auch: Alternative Methoden zur Vorbeugung und Heilung von bakteriellen Harnwegsinfekten, 7-Punkte-Plan zur Vermeidung von Harnwegsinfekten bei Querschnittlähmung und Tees bei Blasenproblemen


Ein Leser hat der Redaktion folgende Nachricht zukommen lassen. Vielen Dank für den Hinweis!

„Harnwegsinfektionen können nach meiner Erfahrung bei intermit. Katheterismus sehr gut vrhindert werden wenn man die Desinfektionsmaßnahmen richtig macht. Mein letzter Infekt liegt ein 3/4 Jahr zurück.

Leider wird einem in den Kliniken für Querschnitterkrankungen , nach meinen Erfahrungen, die wichtigsten Dinge zur Vermeidung von Harnwegsinfekten verschwiegen. Den PH Wert in der Blase beeinflussen, um Bakterienwachstum zu behindern, ist sicherlich richtig. Wichtiger ist jedoch den Eintrag von Bakterien in die Blase zu verhindern.“