Mit D-Mannose gegen Bakterien in der Blase

D-Mannose ist eine Zuckerart, die es Darmbakterien schwer machen soll, in der Blase ein gemütliches Zuhause zu finden. Eine Studie kommt zu dem Schluss, dass sie ebenso gut wirkt wie ein Antibiotikum, bei geringeren Nebenwirkungen.

Bild 132224268 Copyright gwolters, 2013. Mit Genehmigung von Shutterstock.com

Die Studie

2013 veröffentlichten der Forscher Bojanna Kranjcec und Kollegen vom Zabok General Hospital und vom Clinical Hospital Center Zagreb in Kroatien eine randomisierte kontrollierte Studie, in der sie die Wirksamkeit des Zuckers mit der von Nitrofurantoin bei Frauen verglichen.

Durchführung

308 Frauen, die mit wiederkehrenden Blasenentzündungen zu kämpfen hatten, nahmen nach einer 7-tägigen Behandlung mit Ciprofloxacin an der Studie teil.

Die Teilnehmerinnen wurden in drei Gruppen unterteilt.

  • Ein Drittel erhielt zur Prophylaxe von Harnwegsinfektionen täglich 2 g D-Mannose-Pulver in 200 ml Wasser aufgelöst.
  • Ein Drittel bekam täglich 50 mg Nitrofurantoin.
  • Ein weiteres Drittel erhielt überhaupt keine medikamentöse Prophylaxe.

Ergebnisse

Nach sechs Monaten war es bei 98 Patientinnen (32 Prozent) zu erneuten Infekten gekommen. Bei allen Rezidivpatientinnen erfolgte ein Erregernachweis.

  • In der Gruppe ohne Prophylaxe hatten 62 von 102 Frauen (61 Prozent) mit einer bzw. weiteren Blasenentzündungen zu kämpfen.
  • In der Gruppe, die mit D-Mannose versorgt worden war, waren es 15 von 103 Frauen (15 Prozent).
  • Von den Teilnehmerinnen, die mit Nitrofurantoin vorgebeugt hatten, waren 21 von 103 Frauen (20 Prozent) neu betroffen.

In der Gruppe ohne Prophylaxe war die Rezidivrate signifikant höher als in den beiden anderen Gruppen. Für die beiden geprüften Substanzen stellten die Forscher keine Unterschiede bei der Wirksamkeit fest, allerdings war die Rate unerwünschter Wirkungen mit dem Zucker im Vergleich deutlich geringer. Nur acht Frauen mit D-Mannose, aber 29 mit Nitrofurantoin klagten über schwache Nebenwirkungen.

Zur Wirkweise von Mannose

D-Mannose kommt als natürlicher Bestandteil z. B. auch in Obst wie Aprikosen oder Äpfeln oder in Hölzern vor. Der Zucker löst keine Ausschüttung von Insulin aus. Nur ein kleiner Teil wird im Körper verstoffwechselt. Der Rest gelangt über das Blut und die Nieren in die Blase, wo die winzigen Härchen der Enterobakterien (E.coli) genau zu den Rezeptoren der Mannose passen. Die Bakterien docken an und werden mit dem Urin aus der Blase ausgeschwemmt. Der Zucker tötet sie also nicht ab, sondern sorgt einfach dafür, dass sie die Blase verlassen. Er verhindert so in vielen Fällen, dass es zu einer Entzündung kommt, ohne dabei nützliche Bakterien zu zerstören.

Darreichungsform und Dosierung

D-Mannose gibt es als Pulver oder Kapseln. Sie wird als rezeptfreies Mittel in der Regel nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen.

Anwender können natürliche Mannose oder aber synthetisch hergestellte Mannose kaufen. Dabei sollte man auf den Anteil der Mannose im Verhältnis zu Füllstoffen achten.

Welche Dosierung wirkt, sollte individuell ausgetestet werden und hängt auch davon ab, ob bereits Beschwerden vorliegen oder der Zucker prophylaktisch eingesetzt wird. Zur Prophylaxe wurden in der oben  beschriebenen Studie 2 g/täglich eingesetzt, in der Praxis gibt es aber auch Betroffene, die mit weniger beschwerdefrei bleiben. Einige nehmen den Wirkstoff einmal täglich zu sich, andere über den Tag verteilt, wieder andere nur dann, wenn sie erste Anzeichen für eine Entzündung wahrnehmen. Stellt sich bei den Symptomen einer Harnwegsentzündung über den Zucker keine Besserung ein, muss ein Arzt diese abklären.

100 g reines Pulver, gesehen bei einer Online-Apotheke für rund 48 Euro (Stand: Nov 2016).

 

Zur Studie (in engl. Sprache)

Siehe auch: Alternative Methoden zur Vorbeugung und Heilung von bakteriellen Harnwegsinfekten

 

Fragen & Kommentare

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  1. Sylvia Thon 17.07.2018, 23:44 Uhr

    Natürliches D-Mannose wird aus Mais (meist angebotene) oder aus Birke hergestellt.

    Mir ist nicht ganz klar, ob syntetisches auch aus Mais/Birke hergesteltl werden kann?

    Woran sieht man den Unterschied oder was muß man bei der Deklarierung beachten?

    • DQS Admin 18.07.2018, 09:30 Uhr

      Guten Tag Frau Thon,

      uns ist leider nicht bekannt, wie man da einen Unterschied feststellen kann. Eine Herstelleranfrage wäre da sicherlich das sinnvollste.

      Viele Grüße
      Die Redaktion

  2. Sylvia Thone 18.07.2017, 16:05 Uhr

    Über ein Vergleichsportal bekommt man D-Mannose erheblich günstiger, man kann auch einen Preisalarm aktivieren und sich eine E-Mail senden lassen.
    D-Mannose bei akuter Blasenenzündung sollte man alle 2 – 3 Stunden 2 g einnehmen, nach einigen Stunden, wenn sich die Blasenentzündung gebessert hat, die Zeitabstände langsam erweitern. Immer wieder prüfen mit Urinteststäbchen. Zeitgleich kann man auch Angocin nehmen.
    Achtung, evtl. kann es weichen Stuhlgang bedeuten.

    • Nikola Hahn 19.07.2017, 12:23 Uhr

      Die Redaktion begrüßt, dass Leser/innen ihre Erfahrungen mit anderen teilen, vielen Dank.
      Wir möchten aber dennoch darauf aufmerksam machen, dass eine akute Infektion ärztlich behandelt werden sollte, um wirksam gegen exakt die Keime vorzugehen, die diagnostiziert wurden. Nicht jeder Infekt wird durch die (auf D-Mannose anspringenden) E.coli-Bakterien ausgelöst.

  3. Martina 14.01.2017, 12:42 Uhr

    Dieser Artikel kam wie gerufen, weil ich aktuell schon seit Wochen unter einer Blasenentzündung litt. Ich habe einen suprapubischen Blasenkatheter (Cystofix).
    Die Bakterien waren schon gegen die Antibiotika Nitrofurantoin und Ciprofloxacin resistent. Derzeit nehme ich als Antibiotikum Fosfomycin.
    Parallel zu Fosfomycin habe ich ihre Empfehlungen aus diesem Artikel sowie dem anderen Artikel über „alternative Behandlungen bei Blasenentzündungen“ umgesetzt:
    Ich habe täglich 2 g Mannose eingenommen sowie aus der Apotheke pflanzliche Arzneimittel mit Cranberry, Bärentraube, Goldrute.
    Nach 2 Tagen war der Urin wieder klar. Bin gespannt auf das Ergebnis der nächsten Urinprobe, die nächste Woche vom Arzt ans Labor geschickt wird.
    Die Apothekerin sagte mir, dass im Februar die Pharmafirma Klosterfrau Mannose in Tablettenform auf den Markt bringen wird. Ich denke, so wie es bereits in der Schweiz das Präparat Femmanose aus Mannose und Cranberry gibt. Infos unter http://www.femannose.ch