Rauchen und Querschnittlähmung

Dass Rauchen die Gesundheit gefährdet, sollte jedem klar sein. Für Querschnittgelähmte ist das Rauchen von Zigaretten aber eine besonders schlechte Idee, denn es beeinflusst nicht nur Haut und Atemwege sondern auch das Schmerzempfinden.

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Rauchen gefährdet die Gesundheit

Rauchen gefährdet die Gesundheit. Seit Jahren klebt dieser Hinweis samt unschönen Bildern von krebskranken Lungen auf Zigarettenpackungen. Vom Rauchen abhalten lässt sich davon kaum jemand; die steigenden Preise für die nikotinhaltigen Klimmstängel sind da schon effektiver.

Über die wichtigsten Risikofaktoren, die das Rauchen – und auch das Passivrauchen – mit sich bringt, klärt das Aktionsbündnis Nichtrauchen e. V. auf:

„Tabakrauch enthält zahlreiche Schadstoffe, die beim Inhalieren über die Lunge sehr schnell und effizient aufgenommen werden. Rauchen schädigt nahezu jedes Organ des Körpers und ist der wichtigste vermeidbare Risikofaktor für chronische, nicht übertragbare Krankheiten wie Herz-Kreislauferkrankungen, Atemwegserkrankungen, Krebs und Diabetes.

Rauchen verursacht verschiedene Krebsarten, wobei die Lunge in besonderem Maße in Mitleidenschaft gezogen wird: Rund 80% aller Lungenkrebsfälle sind auf das Rauchen zurückzuführen. Rauchen ist auch die bedeutendste Ursache für chronisch obstruktive Lungenerkrankungen und Raucher haben ein höheres Risiko, an Tuberkulose zu erkranken. Rauchen fördert nicht nur chronische, sondern auch akute Erkrankungen der Atemwege wie Grippe und Erkältungen. Im Vergleich zu Nichtrauchern haben Raucher ein mehr als doppelt so hohes Risiko für eine Herz-Kreislauferkrankung und ein doppelt so hohes Risiko für Schlaganfälle. Zudem schädigt Rauchen die Augen, den Zahnhalteapparat, den Verdauungstrakt sowie das Skelett, führt zu Erektionsstörungen und eingeschränkter Fruchtbarkeit.“ (ABNR, 2016) Für Frauen erhöht sich zudem die Gefahr auf Entstehung von Osteoporose (siehe: Osteoporose bei Querschnittlähmung).

Generell scheint Rauchen also eine richtig schlechte Idee zu sein. Der Grund dafür, dass trotzdem so viele dieser gesellschaftlich weitgehend anerkannten Sucht frönen, ist die Wirkweise von Nikotin auf das Nervensystem.

Wie Nikotin wirkt

Innerhalb weniger Sekunden nach dem Einatmen entfaltet das in der Zigarette enthaltene Nikotin seine Wirkung im Gehirn. Es bindet die sog. Acetylcholin-Rezeptoren (auf bestimmte biochemische Signalprozesse spezialisierte Zellen) und regt die Dopamin-Produktion an, was ein Wohlgefühl auslöst bzw. eine beruhigende Wirkung hat. Außerdem steigert Nikotin die Wachheit und Aufmerksamkeit.

Nikotin regt zudem sowohl das parasympathische als auch das sympathische Nervensystem an:

  • Parasympathikus
    • Anregung von Darmtätigkeit und Verdauung
  • Sympathikus
    • Freisetzung von Adrenalin
    • Steigerung der Herzfrequenz
    • Anregung des Fett- und Blutzuckerabbaus
    • Anregung des Stoffwechsels und höherer Energieumsatz

Zudem vermindert Nikotin den Appetit und durch die Freisetzung von Vasopressin verengen sich die Blutgefäße, was zu einem Anstieg des Blutdrucks beiträgt. Ebenso wirkt das Vasopressin antidiuretisch, vermindert also die Harnproduktion und den Harndrang. Nikotin fördert außerdem die Blutgerinnungsneigung, wodurch sich die Gefahr von Thrombosen erhöht (DKFZ, 2016).

Abhängigkeit

Bereits während Nikotin abgebaut wird, entwickelt sich ein erneutes Rauchverlangen, um die Rezeptoren im Gehirn mit Nachschub zu versorgen und in der Folge das gewünschte Wohlgefühl zu erreichen. Bleibt dieser Nachschub zu lange aus, entwickeln sich unangenehme Entzugssymptome wie Unruhe, Gereiztheit, Unkonzentriertheit, etc. (DKFZ, 2016). Was sein Suchtpotential angeht, kann es Nikotin durchaus mit Heroin und Kokain aufnehmen (Graig, 2016).

Die Situation bei Querschnittlähmung

Eine Rückenmarksverletzung kann den Gesundheitszustand des Betroffenen je nach Ausprägung und Lähmungshöhe mehr oder weniger stark in Mitleidenschaft ziehen. Siehe hierzu: Komplikationen, Folge- und Langzeiterkrankungen bei Querschnittlähmung. Unter anderem betroffen sind die Atemwege (siehe: Atemproblematik), Blase (siehe: Blasenfunktion bei Querschnittlähmung) und Haut (siehe: Die Haut bei Querschnittlähmung).

Der Konsum von Nikotin birgt neben all den oben genannten Gesundheitsrisiken zudem folgende, für Querschnittgelähmte besonders ernstzunehmende Risiken:

  • Erschwert das Atmen
    Rauchen erhöht die Bildung von Lungensekret, das vor allem für Tetraplegiker ein Problem darstellt und abgehustet werden muss. Zudem verringert es das Atemvolumen (und so die Sauerstoffzufuhr in den Blutstrom), erhöht den Hustenreiz (dem Tetraplegiker nur bedingt nachgeben können) und steht im Verdacht das Infektionsrisiko zu erhöhen (siehe: Lungeninfektionen und Pneumonien vorbeugen).
    Durch Rauchen und durch hohe Querschnittlähmung und vor allem durch eine Kombination von beidem erhöht sich die Gefahr eines Lungenkollapses (Atelektase).
  • Gefährdet die Haut
    Der Konsum von Nikotin erhöht den Bedarf an Vitamin C und wirkt sich somit negativ auf Hautgesundheit und Wundheilung aus. Zudem wird die Durchblutung durch Ablagerungen in den Gefäßen und deren Verengung gestört, was die Gefahr auf Entstehung von Dekubiti und deren verzögerte Heilung erhöht (siehe: Druckstellen bei Querschnittlähmung und Druckstellen vorbeugen).
  • Erhöht die Gefahren der Entstehung von Untergewicht und Mangelernährung
    Nikotin hemmt nicht nur den Appetit, der bei manchen Querschnittgelähmten z. B. durch Medikamenteneinnahme ohne hin reduziert ist, es verlangsamt auch die Verdauung und behindert die Aufnahme von Nährstoffen im Dünndarm. Eine Unterversorgung mit Makro- und Mikronährstoffen und Untergewicht drohen (siehe: Mangelernährung und Untergewicht bei Querschnittlähmung). Zudem haben Raucher ein erhöhtes Risiko Magengeschwüre zu bekommen.
  • Erhöht die Gefahr an Blasenkrebs zu erkranken
    Rauchen erhöht die Gefahr an verschiedenen Krebsarten zu erkranken – u. a. an Blasenkrebs, da krebserregende Stoffe auch im Urin enthalten sein können. Ein anderer Risikofaktor für die Entstehung von Blasenkrebs ist eine Rückenmarksverletzung. Bei Querschnittgelähmten liegt das Risiko an Blasenkrebs zu erkranken bei drei Prozent im Vergleich einem Zehntel Prozent bei übrigen Bevölkerung. Vor allem die Verwendung von Dauerkatheter scheint zu dieser Statistik beizutragen (Graig, 2016).

 

Rauchen und neuropathische Schmerzen

Einer der vielleicht wichtigsten Gründe, aus denen man als Rollstuhlfahrer auf das Rauchen verzichten sollte, ist die Auswirkung von Nikotin auf das Schmerzempfinden.

Nikotin bewirkt eine Erhöhung der Atemfrequenz und wegen der Übererregung von Druck- und Schmerzrezeptoren auch eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit (DKFZ, 2016). Zudem deuten Studien (u.a. aus dem Jahr 2013 und dem Jahr 2014) darauf hin, dass das Rauchen von Zigaretten neuropathische Schmerzzustände verschlimmern können und der Verzicht auf das Rauchen einen positiven Einfluss auf das Schmerzempfinden hat (Richardson, 2012 und Shi, 2014). Zusätzlich legt die Studie aus dem Jahr 2014 nahe, dass Multiple Sklerose (siehe: Multiple Sklerose und Querschnittlähmung) negativ durch Zigarettenkonsum beeinflusst wird.

Zu den beiden Studien (in englischer Sprache) geht es hier:

Richardson, E.: Effects of Nicotine on Spinal Cord Injury Pain

Shi, R.: Toxin from tobacco smoke could increase pain in spinal cord injury and worsen multiple sclerosis

Zum Abgewöhnen

Darüber wie man sich das Rauchen abgewöhnen kann, gibt es zahlreiche Publikationen. Sie alle sind sich einig darüber, dass es nicht einfach aber machbar ist. Und dass es sich der Gesundheit zuliebe lohnt.

Für Onlineratgeber siehe:

 

 

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