Spielzeug: Rollstuhl und Gehhilfe selber basteln

Die Waren in den Regalen der Spielzeugläden sind nicht wirklich Spiegel einer inklusiven Gesellschaft, denn Spielzeug mit Behinderung findet man eher selten. Mit ein bisschen Geschick kann man einen Puppenrollstuhl oder eine Gehhilfe aber auch selber basteln.

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Welches Spielzeug im Rollstuhl es zu kaufen gibt, wird im Beitrag Barbie, Lego und Co.: Spielzeug im Rollstuhl beschrieben, und es sind ein paar wirklich schöne Sachen dabei. Ob es nun wirklich wichtig ist, dass ein Kind mit Mobilitätseinschränkungen auch Spielzeug mit Rollstuhl und Co. hat, sei dahingestellt. Häufig greifen Kinder mit Behinderung ebenso wie ihre nicht behinderten Altersgenossen zu Jedi-Rebellen, Cowboys und Elfenprinzessinnen und betrachten körperliche Einschränkungen eher als Nebensächlichkeit.

Laut Sigrid Sohlmann, Psychotherapeutin aus Wien, liegt das daran, dass Kinder ihre Behinderung nicht so erkennen wie Erwachsene und erst dann wahrnehmen, wenn sie einen Nachteil darin sehen müssen. Den Sinn von Spielzeug mit Behinderung sieht sie vor allem im Effekt auf Kinder, die keine Behinderung haben. „Ich kenne viele Eltern von ‚gesunden Kindern‘, die sich solches Spielzeug wünschen“, sagt Sohlmann in einem Interview mit Aktion Mensch. „So lernen alle Kinder auf spielerische Art, dass es völlig normal ist, wenn jemand im Rollstuhl sitzt oder eine Brille oder ein Hörgerät trägt. Derartiges Spielzeug trägt also dazu bei, zu einer echten Inklusion zu kommen“ (Aktion Mensch, 2016).

Eine andere Überlegung betrifft nicht Kinder mit Behinderungen, sondern Kinder von Eltern mit Behinderungen. Kinder spielen mit ihren Puppen oft den Familienalltag nach. Und wenn der eigene Vater oder die eigene Mutter Rollstuhlnutzer sind, dann sollte auch das Berücksichtigung finden können. Denn für Kinder ist Mama im Rollstuhl ganz normal und will gespielt werden …

Wer beim Kauf vor der Wahl zwischen Spielzeugen steht, sollte unbedingt den Wunsch des Kindes berücksichtigen. Vielleicht soll die Lieblingspuppe im Rollstuhl sitzen oder an Gehhilfen gehen, vielleicht soll sie auch ganz normal laufen oder fliegen oder auf rosa Einhörnern reiten können. Wichtig ist, dass Kinder die Wahl haben. Und da Rollstühle als Zubehör zu den aktuellen Verkaufsschlagern der Spielzeugläden eher dünn gesät sind, ist das Selbermachen eine ziemlich gute Idee.

Der Blog My Froggy Stuff erklärt (in englische Sprache), wie es geht. Unter den folgenden Videos ist jeweils eine Hilfestellung auf Deutsch.

 

Bastelanleitung Gehhilfe

Man braucht:

  • 6 Blatt Papier Din A5
  • Moosgummi oder Filzstoff
  • Bastelkleber/Leim
  • 6 Zahnstocher
  • Schere
  • Bleistift
  • Pinsel
  • 6 Perlen

So geht’s:

  1. Die Zahnstocher einzeln über eine Ecke des Papiers eng aufrollen, bis das Papier fast vollständig aufgerollt ist. Offene Papierecke mit Kleber bestreichen und aufrollen. Dann die Rolle mit Flüssigkleber bzw. Leim einpinseln.
  2. Sobald die Rollen trocken sind, die Spitzen abschneiden und auf halber Höhe leicht einknicken. 1,5 cm weiter unten ebenfalls leicht einknicken (Video bei Minute 1:00). Mit drei weiteren Papierrollen wiederholen.
  3. Eine weitere Papierrolle auf 6 cm kürzen und diese unterhalb des zweiten Knicks zwischen zwei der vorbereiteten Rollen kleben (Video Minute 1:10). Mit den beiden übrigen vorbereiteten Papierrollen wiederholen.
  4. Für Griffe und Schulterstützen auf einer weiteren Papierrolle den Abstand zwischen den Papierrollen oberhalb des Knicks mit einem Bleistift einzeichnen und auf diese Maße kürzen. Dreimal wiederholen.
  5. Zwei der so entstandenen Teile mit Moosgummi umwickeln und mit Kleber fixieren (Video Minute 1:20).Diese Griffe zwischen den Rollen oberhalb des Knicks festkleben (Video Minute 1:25)
  6. Die nicht mit Moosgummi umwickelten Stücke zwischen den oberen Enden der Gehhilfen festkleben.
  7. Zwei weitere etwas längere Stücke schneiden (Video Minute 1:35). Mit Moosgummi umwickeln und am oberen Ende der Gehhilfen festkleben.
  8. Um das untere Ende der Gehhilfen einen schmalen Streifen Moosgummi kleben.
  9. Die offenen Enden mit Perlen versehen (Video Minute 1:52).

Die Gehstöcke, die so entstehen, sind für 28 bis 30-Zentimeter-Puppen (Barbies) geeignet. In der Größe sollten sie so angepasst werden, dass die Gabelung etwa auf Kniehöhe, der Handgriff auf Hüfthöhe und die Achselstütze etwa auf Brusthöhe ist (Video Minute 2:08).

 

Bastelanleitung Rollstuhl

Man braucht:

  • Karton
  • Holzstifte
  • Stoff
  • Bastelkleber/Leim
  • Schere
  • Handbohrer
  • Kleiderbügel aus Hartplastik
  • 6 Plastikdeckel (Durchmesser ca. 2 cm)
  • 2 Plastikdeckel (Durchmesser ca. 3 cm)
  • 4-6 Alte CDs oder DVDs
  • Knöpfe
  • Bänder und Sticker (optional)

So geht’s:

  1. Je zwei oder drei der CDs aneinanderkleben, sodass die glänzende Seite nach außen zeigt.
  2. Die Puppe, für die der Rollstuhl wird, auf den Karton legen und Maß nehmen. Über die Breite zusammengefaltet (d. h. doppelt genommen) sollt der Kartonstreifen so breit sein wie die Schulterbreite der Puppe und ihr von den Schulter bis zu den Füßen reichen und hier ca. 1 cm überstehen. Wenn der Karton nicht lang genug ist, um doppelt gelegt zu werden, schneidet man einen zweiten Teil, ca. 3 cm länger, und klebt sie zusammen, sodass ein langer Kartonstreifen entsteht (Video Minute 0:37)
  3. Dies ergibt eine Gesamtlänge von ca. 52 cm und eine Breite von ca. 5 cm.
  4. Auf dem gefalteten Karton zeichnet man Markierungen auf Höhe von Knöchel, Knie und Hüfte und faltet den Karton an diesen Stellen (Video Minute 0:50).
  5. Nun schneidet man ein Stück Stoff mit den Maßen ca. 55 cm auf ca. 9 cm und klebt sie auf den entfalteten Karton (Video ab Minute 1:00).
  6. Karton wieder über die Breite falten (Video Minute 1:12)
  7. Seiten mit Bändern verzieren (Video Minute 1:22).
  8. Zwei Plastikdeckel unter der Sitzfläche ankleben (Video Minute 1:28)
  9. In vier Plastikdeckel in der Mitte ein Loch bohren (Video ab Minute 1:37). Im Video wird eine spitze Schere verwendet, was genauso gefährlich ist wie es aussieht. Weniger Verletzungsgefahr besteht, wenn man einen Handbohrer verwendet. Kinder sollte man mit diesem Schritt keinesfalls alleine lassen.
  10. Über die Deckel an der Unterseite der Sitzfläche einen Plastikstift kleben, der auf jeder Seite einige Zentimeter übersteht (Video Minute 1:40). My Froggy Stuff schneidet für den Rollstuhl gerade und gebogene Teile eines Plastikkleiderbügels ab. Wer keinen Plastikkleiderbügel hat, kann jedes andere gebogene oder biegbare Material, z. B. bemalte junge Zweige, verwenden. Praktisch sind die bereits vorgebogenen Teile aber schon …
  11. Auf den Überstand werden nun der Reihe nach ein Flaschendeckel, ein CD-Pack, wieder ein Flaschendeckel und schließlich ein größerer Deckel geklebt (Video ab Minute 2:05).
  12. Auf beiden Seiten wird nun ein gebogenes Teil des Kleiderbügels als Armlehne angebracht (Video Minute 2:21).
  13. Aus dem Haken kann optional ein Schiebegriff entstehen (Video Minute 2:28).
  14. Als Lenkrollen werden zwei Knöpfe eingesetzt, die an den Seiten der Fußraste angeklebt werden (Video Minute 2:30).
  15. Die Räder können mit Stickern individuell aufgepeppt werden.

Viel Spaß beim Nachbasteln!

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