Aron Anderson – Mit dem Rollstuhl am Südpol

Der Schwede Aron Anderson ist ein Abenteurer und Ausnahmesportler, der im Rollstuhl sitzt. Er besteigt Berge, nimmt an den Paralympics und Ironman-Rennen teil … Und im Dezember 2016 fuhr er auf Sitzskiern zum Südpol.

Die Reise zum Südpol

Der Südpol ist keine wirtliche Gegend. Es herrschen im Winter meist um die -65 Grad Celsius, im Sommer kann das Thermometer schon mal auf bis zu -20 Grad klettern. Bei Wind fühlt sich das Ganze dann nochmal kälter an und aus harmlosen aufgewirbelten Schneeflocken werden Nadelstiche.

Aber genau dorthin machte sich Abenteurer und Extremsportler Aron Anderson am 19. November 2016 zu einer 21-tägigen Reise auf. Er flog zunächst nach Punta Arenas in Chile und von dort zum Union Glacier Camp am Ufer der Antarktis, von wo aus die eigentliche Expedition startete.

626 Kilometer legte Anderson vom Camp bis zum geographischen Südpol zurück und fuhr dabei auf eigens für die Expedition angefertigten Sitzskiern. Begleitet wurde er von Polarguide Doug Stoup, der laut eigener Aussage öfter als jeder andere mit Skiern den Nord- und Südpol befahren hat. Stoup zog auch den Schlitten, auf dem die Ausrüstung und Verpflegung des Duos untergebracht war.

Das Team wollte eigentlich die komplette Strecke vom Leverett Gletscher zum geographischen Südpole ausschließlich auf Skiern zurücklegen, doch die Gegebenheiten vor Ort und Erschöpfung, gepaart mit Andersons plötzlich auftretenden Magenverstimmung, zwangen sie dazu umzudisponieren und zeitweise auf Unterstützung zurückzugreifen. Insgesamt fuhr Anderson eine Strecke von fast 300 Kilometer auf den Sitzskiern – bei Temperaturen um ca. Minus 30 Grad.

„Nichts ist unmöglich“, jubelte der vermutlich einzige Rollstuhlfahrer, der es je zum Südpol geschafft hat, und sagte gegenüber der Presse: „Zum Südpol zu fahren war wirklich, wirklich anstrengend, aber es war auch fantastisch!“

Ziel des Abenteuers war es unter dem Motto „Pole of Hope“ Spenden für die schwedische Kinderkrebsorganisation Barncancer Fonden zu sammeln. Anderson teile auf seiner Facebook-Seite mit, dass eine Summe von fast fünf Millionen Schwedischen Kronen (ca. 510.000 Euro) zusammenkam. Spenden nimmt die Organisation auch weiterhin unter Pole of Hope entgegen.

 

Über Aron Anderson

Dass Anderson sich ausgerechnet die Kinderkrebshilfe für sein soziales Engagement ausgesucht hat, hat einen Grund. In seiner Kindheit erkrankte er selbst an Krebs, den er zwar besiegen konnte, doch der für sein Leben eine schwerwiegende Konsequenz hat. Seit einer Rückenoperation im Rahmen der Krebsbehandlung sitzt Anderson im Rollstuhl. Was den inzwischen 29-Jährigen allerdings nicht davon abhält regelmäßig zu tollkühnen Abenteuern aufzubrechen.

Bei seinen Expeditionen stellt sich Anderson Herausforderungen, die ihn an seine physischen und psychischen Grenzen bringen. Er bestieg den über 2.000 Meter hohen Berg Kebnekaise und den Kilimandscharo in Afrika, nahm in den Disziplinen Segeln, Leichtathletik und Sledge-Eishockey an den Paralympics teil, fuhr mit dem Handbike von Malmö nach Paris, schwamm 37 Kilometer im Meer, nahm an Marathons und Triathlons teil und bestritt auch den Wings for Life Run 2016 – um nur einige zu nennen.

Wenn er nicht gerade Abenteuer in aller Welt besteht, arbeitet Anderson als Motivationstrainer und Dozent. Durch die unglaublichen Reisen, die er unternimmt und von denen die meisten Menschen mit oder ohne Mobilitätseinschränkung nur träumen würden, inspiriert er andere nach den Sternen zu greifen und das scheinbar Unmögliche Realität werden zu lassen – ungeachtet der Voraussetzungen, die der einzelne mitbringt. Seine einzigartigen Erfahrungen haben ihm, laut eigener Aussage, Erkenntnisse über die Bedeutung von Teamgeist gegeben und über die richtige mentale Einstellung, die den entscheidenden Unterschied machen könne. Und es geht laut Anderson nicht nur darum das Ziel zu erreichen, sondern auch den Weg dorthin zu genießen.

Für Andersons Homepage (in überwiegend schwedischer Sprache aber mit vielen Bildern) siehe: http://aronanderson.se/

 

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