Studie: Medizinische Versorgung von Müttern mit Querschnittlähmung in der Schweiz

Eine Studie der Schweizer Paraplegiker-Stiftung und der Schweizer Paraplegiker-Forschung zeigt, wie schwierig es für querschnittgelähmte Frauen ist, eine gute Versorgung während der Schwangerschaft und Geburt zu finden.

S. Bertschy, S. Geyh, J. Pannek und T. Meyer veröffentlichten 2015 die Ergebnisse einer Befragung von 17 Müttern mit Querschnittlähmung zu ihren Erfahrungen mit der medizinischen Versorgung während Schwangerschaft und Geburt.

Die Studie

Frauen können auch mit einer Querschnittlähmung in der Regel schwanger werden und ein Kind zur Welt bringen. Nach dem Eintritt einer traumatischen Querschnittlähmung bleibt die Regelblutung zwar durch den Schock meist eine kurze Zeit aus. Eireifung und Eisprung sind aber hormonell gesteuert, eine Querschnittlähmung beeinträchtigt die Fruchtbarkeit daher nicht.

Für die Studie wurden in der Schweiz 17 Frauen mit unterschiedlichen Läsionshöhen und Lähmungsarten befragt, die nach ihrer Querschnittlähmung ein Kind geboren hatten. Die Befragungen fanden einzeln und in Fokusgruppen statt.

  • Im Durchschnitt wurden die teilnehmenden Frauen mit 33 Jahren zum ersten Mal Mutter.
  • Alle wurden auf natürlichem Wege schwanger.
  • Die meisten Schwangerschaften der befragten Frauen waren gut verlaufen.

Die Mütter sahen sich jedoch häufig mit strukturellen Problemen konfrontiert. Am häufigsten beschrieben sie:

  • Zu wenige Informationsmöglichkeiten
  • Barrieren in den medizinischen Einrichtungen
  • Zu wenig spezialisierte Dienstleistungen für schwangere Frauen mit Behinderungen

In der Schweiz gebe es keine Institution, die darauf spezialisiert sei, Frauen mit einer Querschnittlähmung und Kinderwunsch zu unterstützen, schreiben die Autoren der Studie. Qualifizierte Ansprechpartner mit Behandlungserfahrung in Gynäkologie und Paraplegiologie fehlten.

Die befragten Frauen berichteten,

  • Dass sie deshalb oft verschiedene Ärzte für das gleiche medizinische Problem hätten aufsuchen müssen,
  • In vielen Fällen waren die medizinischen Behandlungen unkoordiniert und zu wenig spezialisiert.

Ein Grund dafür sei, so Bertschy und Co., dass das medizinische Personal schlechten Zugang zur ohnehin wenig vorhandenen wissenschaftlichen Literatur über Schwangerschaft und Geburt mit einer Behinderung habe. Die Wissenschaft in diesem Bereich stagniere, was die Unkenntnis über die Thematik fördere. Eine Institution, die darauf spezialisiert ist, Frauen mit Querschnittlähmung und Kinderwunsch zu unterstützen, gebe es nicht.

Rückschlüsse für die zukünftige Versorgung

Weitere Forschung und die Verbreitung von Informationen ist aus Sicht der Forscher für eine bessere Versorgung in der Zukunft sehr wichtig. Bis dahin empfehlen sie schwangeren Frauen, ihre individuellen Wünsche frühzeitig anzubringen und das betreuende Team auf persönliche Bedürfnisse hinzuweisen.

Zudem unterstreichen sie den Stellenwert einer aktiven interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Patientin und Hebammen, Gynäkologen, Paraplegiologen und Urologen.

Siehe auch: Schwangerschaft bei Querschnittlähmung