Initiative „Kommune Inklusiv“ der Aktion Mensch

Menschen mit und ohne Behinderung sollen an gesellschaftlichen Prozessen in ihren Gemeinden teilhaben können. Für ihr Modellprojekt wählte die Aktion Mensch fünf Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz aus.

In Bonn fiel im Februar 2017 der Startschuss für die neue Initiative der Aktion Mensch: „Kommune Inklusiv“. Mit diesem auf fünf Jahre angelegten Projekt engagiert sich die Organisation für die Umsetzung von Inklusion in Kommunen bundesweit. Ziel ist, dass alle Menschen mit und ohne Behinderung an den gesellschaftlichen Prozessen ihrer Gemeinde teilhaben können – gemeinsam wohnen, arbeiten, die Schule besuchen oder ganz selbstverständlich die Freizeit gestalten. Für dieses Vorhaben hat die Aktion Mensch fünf Modell-Kommunen gesucht und gefunden, die auf ihrem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft von der Soziallotterie begleitet werden: Neben zahlreichen Angeboten wie Beratung und Unterstützung bei der Öffentlichkeitsarbeit sind auch Maßnahmen für die Professionalisierung und Wissensmanagement vorgesehen.

Fünf Modell-Kommunen für mehr Vielfalt

Fast 130 Gemeinden hatten sich für die Initiative „Kommune Inklusiv“ beworben. Daraus hat die Aktion Mensch die Kommunen Rostock (Mecklenburg-Vorpommern), Schneverdingen (Niedersachsen), Erlangen (Bayern), Schwäbisch Gmünd (Baden-Württemberg) und die Verbandsgemeinde Nieder-Olm (Rheinland-Pfalz) ausgewählt. Kriterien für die Auswahl waren unter anderem: unterschiedliche Erfahrungen mit Inklusion sowie ein erkennbarer Wille in den Verwaltungen, Inklusion weiter voranzutreiben. Zusätzlich sollten die Teilnehmer verschiedene Gemeindegrößen und Regionen Deutschlands repräsentieren.

Schwerpunkt der Unterstützung ist der Aufbau lokaler Inklusions-Netzwerke mit Handelnden aus Verwaltung, Vereinen, Wohlfahrtsverbänden, Selbsthilfe und Unternehmen. Die Universität Frankfurt am Main begleitet die Entwicklungen und wertet die Erfolge laufend aus. „So können auch andere Städte und Gemeinden an diesem Inklusionsprozess teilhaben und sich orientieren, damit diese Initiative Schule macht und viele Nachahmer findet“, so Aktion Mensch-Vorstand Armin v. Buttlar.

Ein bundesweites Netzwerk für Inklusion

Auf der Online-Plattform www.aktion-mensch.de/kommune-inklusiv können sich daher auch Kommunen, die nicht Teil der Initiative sind, über den laufenden Inklusionsprozess und die Ergebnisse informieren. Langfristig sollen darauf auch Foren für den Austausch der Netzwerke in den Pilotregionen eingerichtet werden. „Wir wollen, dass alle Gemeinden von den Erfahrungen unserer Modell-Kommunen profitieren: Was läuft gut, was kann verbessert werden? Deshalb ist uns der Austausch besonders wichtig“, erklärt Christina Marx, Leiterin des Bereichs Aufklärung der Aktion Mensch. „Mit unserer Initiative schaffen wir eine Hilfestellung für Inklusion, an der bundesweit alle teilhaben können.“

Helfen kann auch eine Publikation, die es auch als barrierefreies PDF zum Download gibt: Praxishandbuch Inklusion

Neues Förderprogramm 2021

Die Landesregierung Schleswig-Holstein und die Aktion Mensch legten im Sommer 2021 gemeinsam ein neues Förderprogramm für Kommunen und gemeinnützige Organisationen auf. Unter dem Namen „Inklusion vor Ort – Das Förderprogramm für einen inklusiven Sozialraum“ sollen in fünf Modellkommunen des Landes neue Inklusionsprojekte entstehen. Bis zu fünf Millionen Euro über fünf Jahre stehen dafür zur Verfügung. 2,5 Millionen Euro davon kommen aus dem Fonds für Barrierefreiheit des Landes. Ebenfalls 2,5 Millionen Euro stellt die Aktion Mensch aus ihrem Programm für Inklusive Sozialraumförderung bereit.

Einen Kooperationsvertrag unterschrieben jetzt Staatssekretär Dirk Schrödter, Chef der Staatskanzlei, und Armin v. Buttlar, Vorstand der Aktion Mensch. „Für eine erfolgreiche Umsetzung von Inklusion ist es wichtig, dass Vereine, Verbände, Unternehmen, Jugendgruppen, Selbsthilfe- und Ehrenamtsvereine und die Kommunalverwaltung sich vernetzen und ihre Orte oder Stadtteile zu einem inklusiven Sozialraum weiterentwickeln“, sagte Schrödter. Barrierefreiheit sei dabei eines der wesentlichen Merkmale: „Ich freue mich sehr, dass wir mit der Aktion Mensch das gemeinsame Förderprojekt aufgelegt haben. So können auch die Modellkommunen von den langjährigen Erfahrungen und dem Know-how der Aktion Mensch im Bereich der Inklusion profitieren“, so der Chef der Staatskanzlei. Inklusion müsse vor allem dort gelebt werden, wo Menschen sich treffen. Schrödter: „Daher unterstützen wir unsere Kommunen mit dem Förderprogramm dabei, ihre Sozialräume inklusiv, lebendig, kinderfreundlich und barrierefrei zu gestalten.“

„Bereits seit mehreren Jahren unterstützt und begleitet die Aktion Mensch mit dem Modellprojekt „Kommune Inklusiv“ fünf Kommunen in fünf Bundesländern dabei, das Leben vor Ort dauerhaft inklusiver und lebenswerter zu gestalten“, so Armin v. Buttlar. „Wir freuen uns, dass die dort gesammelten Praxiserfahrungen jetzt auch Inklusions-Macher*innen in Schleswig-Holstein dabei motivieren, Inklusion im Alltag umzusetzen und Vielfalt selbstverständlich zu leben. Inklusion in der Kommune gelingt, wenn in einem starken Netzwerk partizipativ und nachhaltig geplant und gearbeitet wird. Diesen Prozess unterstützt die Aktion Mensch gerne durch Vermittlung von Praxiswissen und mit finanzieller Förderung“.

Die Ausschreibung startete im September 2021 und endet am 31. Januar 2022. Bis Ende März 2022 sollen fünf Modellkommunen ausgewählt werden.

Siehe auch: www.aktion-mensch.de/kommune-inklusiv/inklusion-vor-ort