Auslandspraktika mit Handicap

Ein Praktikum im Ausland ist ein Erlebnis, das die berufliche wie persönliche Entwicklung nachhaltig beeinflussen kann. Was Menschen mit Behinderungen dabei im Vorfeld beachten sollten, erklärt die Seite auslandsjob.de.

Als Au-pair fließend Englisch lernen, im Rahmen von Austauschprogrammen ein Studium ergänzen oder durch Praktika im jeweiligen Berufsfeld über den Tellerrand schauen – Arbeitserfahrung im Ausland macht sich nicht nur gut im Lebenslauf, signalisiert Offenheit und Engagement, sondern ist für viele ein unvergessliches Erlebnis.

Für Menschen ohne Behinderung gibt es zahlreiche Möglichkeiten, im Ausland zu arbeiten. Wer hingegen etwa als Rollstuhlfahrer mit Querschnittlähmung Arbeitserfahrung im Ausland sucht, braucht vor Ort eine barrierefreie Unterkunft, ggf. Assistenz im Alltag, einen rollstuhlgerechten Arbeits- oder Praktikumsplatz, gesicherte Hilfsmittelversorgung und mehr. Daher bleibt diese Erfahrung Menschen mit Handicap meist verschlossen.

Freiwillige Praxiserfahrung oder Pflichtpraktikum

Basisinformationen zum Auslandspraktikum für Menschen mit Behinderungen bietet die Seite auslandsjob.de an. Auf der Unterseite „Auslandspraktika für Menschen mit Behinderung“ beantwortet sie wichtige Fragen zu Voraussetzungen, Rechten und Pflichten oder Finanzierung und erklärt Unterschiede zwischen den verschiedenen Möglichkeiten, im Ausland zu arbeiten.

So sind Praktika, die im Rahmen eines Studiums vorgeschrieben werden, unentgeltlich zu leisten. Zugleich können behinderte Studierende hier aber auch auf bestimmte Unterstützungsangebote zählen, die außerhalb eines Studiums nicht infrage kommen: Studenten mit einem Grad der Behinderung ab 50 können im Rahmen des Programms Erasmus+ sog. „Sonderförderungsmittel“ beantragen, die z. B. Mehrkosten für eine barrierefreie Unterkunft, die Unterkunft einer Assistenz, Hilfen am Praktikumsplatz und mehr abdecken sollen. Studierende mit Beeinträchtigungen können sich zudem für alle Stipendien des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) bewerben. Informationen erhalten Interessierte u.a. auch beim Beauftragten für Studierende mit Behinderung oder chronischer Erkrankung an der jeweiligen Uni.

Freiwillige Praktika werden ebenfalls oft nicht vergütet, zumal die Bestimmungen des jeweiligen Gastlandes gelten. Dennoch kann eine Anfrage nicht schaden. Wird eine Vergütung abgelehnt, bleibt noch, über vergünstigte Unterbringungsmöglichkeiten oder eine Beteiligung des Unternehmens an Anreise- oder Verpflegungskosten zu verhandeln.

Diese wird ein Unternehmen am ehesten übernehmen, wenn ihnen die Beschäftigung des Praktikanten auch etwas bringt. Auch für den Bewerber macht es Sinn, Erfahrungen im eigenen Berufsfeld zu sammeln und mit Vorkenntnissen in die Praxis zu starten.

Auslandspraktikum im Rahmen der Ausbildung im BBW Neckargemünd

Seit 2007 haben Azubis im SRH Berufsbildungswerk Neckargemünd die Möglichkeit, während ihrer Ausbildung ein Praktikum bei verschiedenen Partnerbetrieben in Europa zu absolvieren. So z. B. in England, Spanien, Frankreich, Italien, Irland, Estland oder der Schweiz. Auch Rollstuhlfahrer können das Angebot in Anspruch nehmen.

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Weitere Infos unter http://www.auslandsblog-bbw.de/

Das Projekt wird von der Europäischen Gemeinschaft finanziell unterstützt und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen von LEONARDO DA VINCI Plus kofinanziert.

Vermittlungsangebote

Wer bereit ist, für die Vermittlung eines Praktikumsplatzes zu bezahlen (eine erfolgreiche Vermittlung eines bezahlten Praktikumplatzes kann mit annähernd 1000 Euro zu Buche schlagen!), kann sich via auslandsjobs.de zu Vermittlern und zahlreichen Packages weiterklicken, die möglicherweise auch mit einer Einschränkung infrage kommen.

Selbst ein Praktikum im Wunschland organisieren

Bevor die Organisation richtig losgehen kann, sollten Interessierte sich darüber im Klaren sein, in welchen Berufszweig sie Praxiserfahrungen machen wollen und wo. Die eigentliche Planung kann mehrere Monate in Anspruch nehmen wird voraussichtlich mit viel Schreibkram verbunden sein.

Darüber hinaus ist Folgendes zu beachten:

  • Rollstuhlfahrer, die Assistenz benötigen und zugleich auf Sozialleistungen angewiesen sind, können ihre Assistenz nur im Rahmen der geltenden Regelung mit ins Ausland nehmen.
  • Arbeitsuchende sollten die Agentur für Arbeit davon überzeugen, dass ein Auslandspraktikum ihre Chancen auf eine Stelle erhöht. Ansonsten besteht die Gefahr, dass Gelder gestrichen oder gekürzt werden, weil die Person während der Zeit des Praktikums nicht zur Arbeitsvermittlung in Deutschland zur Verfügung steht.

Weitere wichtige Fragen vorab sind:

  • Wie lange soll das Praktikum dauern?
  • Wie viel Zeit möchte ich während des Auslandsaufenthaltes in Arbeit investieren?
  • Welche Inhalte soll das Praktikum vermitteln?

Vorkehrungen:

  • Sind Visa für das Wunschland nötig?
  • Braucht es spezielle Impfungen?
  • Versicherungen, z. B. eine Auslandskrankenversicherung?

Wohnen im Wunschland:

  • Ist eine barrierefreie Unterkunft notwendig und erhältlich?
  • Was darf eine Unterkunft über den Zeitraum hinweg kosten?
  • Lässt sich der Wohnraum in Deutschland in dieser Zeit zwischenvermieten (immer mit dem Vermieter abklären!)?
  • Mit welcher Infrastruktur ist zu rechnen?
  • Welche Kosten für Internet/Telefon fallen an?
  • Je nach Saison und Unterkunft: Wie wird vor Ort geheizt?
  • Wie hoch sind die Lebenshaltungskosten im Wunschland?

Hilfsmittel, Heilmittel und Medikamente:

  • Welche Hilfsmittel brauche ich vor Ort und wie gelangen diese dorthin? – Ggf. mit der Krankenversicherung sprechen.
  • Notwendige Medikamente ggf. frühzeitig beschaffen.
  • Heilmittel wie Physiotherapie werden in der Regel im Ausland nicht von der Kasse übernommen, d. h. die Kosten für eine notwendige Behandlung sind selbst zu tragen.
  • Wie gut sind Hilfsmittel vor Ort erhältlich/evtl. ausleihbar?

Verkehr:

  • Wie erfolgt die An- und Rückreise? Siehe auch Flug- und Reiseplanung
  • Ist der ÖPNV in dem Wunschland für mich nutzbar und wenn ja, was kostet das?
  • Wie erfolgt der Arbeitsweg?

Arbeiten:

  • Bei welchen Unternehmen bewerbe ich mich konkret?
  • Was habe ich anzubieten?
  • Was erwarte ich?

Sprache:

  • Gibt es deutschsprachige Kontakte vor Ort?
  • Besteht die Möglichkeit, einen Sprachkurs zu buchen?

Möglicherweise bestehen im Wunschland Organisationen für Menschen mit Querschnittlähmung, die hilfreiche Tipps haben.

Weitere Informationen

Deutscher Bildungsserver verweist auf weitere Projekte und Einrichtungen

Das Europaparlament in Brüssel vergibt Praktikumsplätze, auch an Menschen mit Behinderungen

AIESEC Studierendenorganisation, die Freiwillige ins Ausland vermittelt

IAESTE Weltweiter Austausch von Studierenden mit dem Schwerpunkt Ingenieur- und Naturwissenschaften sowie der Land- und Forstwirtschaft

DAAD Deutscher Akademischer Austauschdienst

ERASMUS+ Bildungsprogramm der Europäischen Union

PROMOS Stipendien für Auslandsaufenthalte von Studierenden

Bildung für Europa Zum Suchbegriff „Behinderung“ spuckt das Portal verschiedene Projekte im Zusammenhang mit Auslandserfahrungen aus.


Eine weitere Möglichkeit, im Ausland Erfahrungen zu sammeln: Ein Freiwilligendienst. Mehr dazu im Beitrag Mit Rollstuhl und/oder Assistenz: Freiwiligendienst im Ausland