Promotion für Menschen mit Behinderungen

Absolventen mit Behinderung können an 21 deutschen und (neu ab 2019) neun österreichischen Universitäten promovieren. Das Ziel: Wissenschaftler mit Behinderung sollen selbstverständlich werden.

„PROMI“ in Deutschland

An 21 deutschen Hochschulen können Absolventen mit Behinderung im Rahmen des preisgekrönten und vorerst bis 2021 laufende Inklusionsprojektes „PROMI –Promotion inklusive“ ihren Doktor machen. 2017 erhielt das Projekt eine internationale Auszeichnung. Vom österreichischen Zero Project wurde das Projekt als „Innovative Practice 2017 on Employment, Work and Vocational Education and Training“ ausgezeichnet.

PROMI koordiniert ein Netzwerk von 21 Partneruniversitäten in ganz Deutschland. Ziel des Projekts ist es, sozialversicherungspflichtige Stellen für Promovierende mit Schwerbehinderung zu schaffen. Diese Arbeitsverhältnisse stellen sicher, dass die Stelleninhaber sozial abgesichert sind und Anspruch auf die notwendigen Assistenzen und Hilfsmittel haben, um ihr Promotionsprojekt erfolgreich zu realisieren. Das wäre bei einem Stipendium oder anderen Förderungen nicht gegeben. Damit leistet PROMI einen wichtigen Beitrag zur Herstellung von Chancengleichheit an deutschen Hochschulen.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der überörtlichen Träger der Sozialhilfe (BAGüS) sehe einen Studienabschluss als ‚ausreichende Lebensgrundlage‘ an und schließe daher, dass ‚Leistungen der Eingliederungshilfe für das Erlangen der Doktorwürde in der Regel nicht zu erbringen‘ seien, so Jana Bauer, Susanne Groth und Mathilde Niehaus in der Zeitschrift „Recht und Praxis der Rehabilitation – RP Reha“ zum Themenschwerpunkt „Studieren mit Behinderung oder chronischer Erkrankung“ (Heft 1/2017) mit Verweis auf eine Feststellung der BAGüS von 2012 (BAGüS, 2012, S. 15). Eine Promotion wird demnach nicht notwendigerweise unterstützt.

„PromoLi“ in Österreich

Im Januar 2019 startete in Österreich an neun Universitäten ein ähnliches Programm. „PromoLi – Promotionsstellen ohne Limit“ steht Absolventen mit einem Diplom oder Masterabschluss offen, die dem Personenkreis der begünstigt Behinderten im Sinne § 2 des österreichischen Behinderteneinstellungsgesetzes (BEinstG) angehören. Ziel des Projektes ist es, landesweit an den Universitäten eine hinreichende Zahl an Stellen in Form eines dauerhaften Förderprogramms zu schaffen, auf denen Menschen mit Behinderung und/oder chronischer Erkrankung  promovieren können, um diesen Personen die Voraussetzungen für eine wissenschaftliche oder künstlerische Karriere bzw. einen Einstieg in die außeruniversitäre Forschung bzw. eine adäquate erwerbsmäßige Tätigkeit zu ermöglichen.

Für weitere Informationen zum Bewerbungs- und Auswahlverfahren und zu Ansprechpartnern für Interessenten geht es hier: PromoLi

Wissenschaftler mit einer Behinderung sollen selbstverständlich werden

Die Erfahrungen mit den Promovierenden sowohl im deutschen PROMI- als auch im österreichischen PromoLi-Projekt sollen auch dazu beitragen, dass die Hochschulen ihre Strukturen und Prozesse langfristig inklusiver gestalten. Wissenschaftler mit Behinderungen sollen so zu einem selbstverständlichen Teil der Hochschule werden.

 

 

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