Wirkstoff zur Linderung neuropathischer Schmerzen entdeckt

Die Substanz OB-1 hemmt neuropathische Schmerzen im Zusammenhang mit leichten Berührungen – zumindest bei Mäusen. Andere wichtige Sinneswahrnehmungen bleiben erhalten.

Am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin haben Forscher eine Substanz entdeckt, die die Wahrnehmung neuropathischer Schmerzen hemmt. Gegenstand der Forschung sind solche Schmerzen, die im Zusammenhang mit einer vorausgegangenen leichten Berührung oder einem leichten mechanischen Druck stehen. Dieser aktiviert im Normalfall den Ionenkanal Piezo2, der zu den molekularen Sensoren gehört. Der Kanal öffnet sich, elektrisch geladene Teilchen gelangen in die Nervenzelle. Deren Signal wird durch die Zelle verstärkt und an das Gehirn weitergeleitet.

Bei Menschen mit Nervenverletzungen kann dieser Vorgang heftige Schmerzen auslösen. Der Wirkstoff, den Dr. Kate Poole, Dr. Christiane Wetzel und ihre Kollegen im Team von Professor Gary Lewin an MDC und Charité identifiziert haben, soll – unter die Haut gespritzt – die Öffnung des Ionenkanals verhindern. OB-1 beeinflusst dazu die Funktion des Proteins STOML3. Nur wenn sich mehrere STOML3-Proteine verbinden, erreichen sie eine Öffnung der Nervenzelle über den Ionenkanal Piezo2. OB-1 verhindert diese Verbindung und sorgt so dafür, dass Piezo2 geschlossen bleibt.

An Mäusen gestestet

In einem ersten Schritt unterzogen die Forscher STOML3 einem Wirkstoff-Screening, bei dem 35.000 verschiedene chemische Stoffe in groß angelegten In-Vitro-Experimenten getestet wurden. Dabei fiel ihnen die Substanz OB-1 auf, die direkten Einfluss auf die Proteinlagerung zeigte.

Bisher konnten die Forscher die Wirkweise nur an Mäusen untersuchen. Bei ihnen hemmte die Chemikalie gezielt die Wahrnehmung leichter Berührungen. Unter dem Einfluss von OB-1 ließ die Berührungsempfindlichkeit der Tiere deutlich nach. Andere wichtige Sinneswahrnehmungen bleiben erhalten. Nach Abklingen der Wirkung von OB-1 kehrte die normale Empfindlichkeit zurück (Nature Neuroscience 2017; 20: 209–218).

Fragen & Kommentare

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  1. keozart 05.06.2017, 20:31 Uhr

    Von wann ist dieser Beitrag ? Wurde es schon am Mensch getestet ?
    Kesim

    • Nikola Hahn 07.06.2017, 13:47 Uhr

      Guten Tag Kesim,

      der Beitrag wurde von uns im März 2017 veröffentlicht und bezieht sich auf eine Quelle vom 22.03.2017. Sie finden das Veröffentlichungsdatum sowie die Quellenangaben zu jedem Beitrag jeweils in der rechten Spalte neben dem Text.
      Der Wirkstoff konnte bislang nur an Mäusen getestet werden.

      Viele Grüße
      Nikola Hahn