Herzgesundheit bei Querschnittlähmung

Die Liste der häufigsten natürlichen Todesursachen in Deutschland führen seit Jahren Herz-Kreislauf-Erkrankungen an. Eine Querschnittlähmung muss nicht zwangsläufig zu derartigen Erkrankungen führen, doch der sitzende Lebensstil sowie weitere Faktoren erhöhen ihre Wahrscheinlichkeit.

Eine US-amerikanische Studie aus dem Jahr 2013 kam zu dem Ergebnis, dass eine Querschnittlähmung die Wahrscheinlichkeit einen Herz- oder Schlaganfall zu erleiden signifikant erhöht (Cragg, 2017). Vor allem in der Phase des spinalen Schocks (siehe: Der spinale Schock), wenn Betroffene häufig einen niedrigen Blutdruck und verlangsamten Puls aufweisen, besteht eine erhöhte Gefahr, dass entsprechende Komplikationen entstehen, wie Blutgerinnsel oder Herzrhythmusstörungen (Zito, 2017). Auch die verschiedenen Kreislaufstörungen, die bei Querschnittlähmung in Abhängigkeit von der Lähmungshöhe auftreten können, können sich negativ auf die Herzgesundheit auswirken (siehe: Kreislaufprobleme bei Querschnittlähmung).

Koronare Herzkrankheiten (KHK)

Die häufigste Form der Herzerkrankung ist die Erkrankung der Herzkranzgefäße (auch: koronare Herzkrankheit (KHK)), die durch Engstellen oder Verschlüsse in den Herzkranzgefäßen (Koronararterien) verursacht wird. Diese Engstellen in einem oder mehreren Herzkranzgefäßen entstehen z. B. durch arteriosklerotische Ablagerungen (Arteriosklerose) und löst ein Ungleichgewicht zwischen dem Sauerstoffbedarf des Herzmuskels und der Versorgung durch die Gefäße aus, was zu entsprechenden Beschwerden führt.

Symptome der KHK

Symptome der KHK sind vielfältig: Am häufigsten tritt die Angina pectoris (Brustschmerz) auf, meist als flächenhafter zentraler Schmerz häufig mit Ausstrahlung in die Schulterregion oder auch den Unterkiefer. Häufig sind aber auch unspezifische Symptome wie:

  • Atemnot (Dyspnoe)
  • Blutdruckabfall (Hypotonie)
  • erhöhte Pulsfrequenz (Tachykardie)
  • Hautblässe
  • Schweißausbruch
  • Übelkeit
  • Oberbauchschmerz
  • Angst (Hennersdorf et al., 2017)
  • Auch Herzrhythmusstörungen, Kurzatmigkeit und Herzschwäche können auf eine KHK hinweisen. Ebenso möglich ist, dass die KHK einen Herzinfarkt auslöst (Delius, 2017).

Typisch für die KHK ist, da zumindest zu Beginn, die Symptome nur dann auftreten, wenn der Sauerstoffbedarf des Herzens gesteigert ist z.B. bei:

  • Körperlicher Anstrengung
  • Emotionaler Belastung (Stress, Trauer und Freude)
  • Überfunktion der Schilddrüse
  • Erniedrigtem Sauerstoffgehalt des Blutes (z.B. bei der Blutarmut) (Hennersdorf et al., 2017)

Vor allem bei Tetraplegikern sind die Symptome oft nicht eindeutig als solche zu erkennen, da z. B. die Atemfunktion ohnehin beeinträchtigt sein kann und Schmerzen evtl. nicht wahrgenommen werden. Eine engmaschige Überwachung der Herzfunktion kann daher ratsam sein.

Risikofaktoren und Gegenmaßnahmen

Koronare Herzkrankheiten sind meist ein chronischer Vorgang, der bereits beginnen kann, wenn Betroffene noch relativ jung sind, sich aber u. U. erst im fortgeschrittenen Alter bemerkbar macht. Und es gibt einige Risikofaktoren, die ihr Entstehen begünstigen und die bei Querschnittlähmung durchaus relevant sein können.

Das Alter spielt bei der Entstehung von Herzerkrankungen eine große Rolle. Bei Männern steigt das Risiko zu erkranken ab dem 45ten, bei Frauen ab dem 50ten Lebensjahr. Letzteres hat u. a. auch damit zu tun, dass Frauen vor der Menopause durch die weiblichen Geschlechtshormone, vor allem durch Östrogen, besser vor Herzkrankheiten geschützt sind. Zudem können Herzerkrankungen „in der Familie liegen“, d. h. genetisch bedingt sein (Sinowatz, 2017). Gegen solche Umstände kann man nichts tun, wohl aber gegen die verschiedenen anderen Risikofaktoren.

  • Bluthochdruck
    Querschnittgelähmte sind häufiger von arterieller Hypotonie betroffen als der Rest der Bevölkerung (siehe: Querschnittlähmung und Bluthochdruck). Mit körperlicher Aktivität, angepasster Ernährung und ausreichend Schlaf, kann Bluthochdruck entgegengewirkt werden. Helfen diese Maßnahmen nicht, kann man zu einer medikamentösen Einstellung übergehen.
  • Diabetes mellitus
    Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte, wie sie bei unerkanntem oder schlecht behandeltem Diabetes vorkommen, schädigt die Gefäße und begünstigt koronare Herzkrankheiten. Im Falle einer Querschnittlähmung kann das Risiko an Diabetes mellitus zu erkranken durchaus erhöht sein (siehe: Diabetes mellitus und Querschnittlähmung).
  • Körperliche Inaktivität
    Eine Querschnittlähmung bringt unweigerlich eine Einschränkung der körperlichen Aktivität mit sich, die je nach Lähmungshöhe mehr oder weniger stark ausgeprägt sein kann. Es gibt allerdings in den meisten Fällen die Möglichkeit wenigstens etwas zu tun, um körperlich fit zu bleiben, wie im Beitrag Stefan Lange über Sport und Gesundheit bei Querschnittlähmung erklärt. Empfohlen wird generell ein Training mit 30-minütigen, mittel-intensiven Übungseinheiten an fünf bis sieben Tagen pro Woche. Bei der Wahl der Übungen kann z. B. die App SCI-Ex helfen (siehe: Fitness-App für Querschnittgelähmte). Kurse zu verschiedenen Sportarten vermittelt z. B. der Deutsche Rollstuhl-Sportverband (DRS).
  • Rauchen
    Stoffe aus dem Tabakrauch (Zigaretten, Zigarren, Pfeifen) fördern unter anderem die Bildung instabiler Ablagerungen (Plaques) in den Gefäßen. Diese können sich lösen und ein Herzkranzgefäß verstopfen. Laut der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) verkürzt jede Zigarette das Leben um etwa 30 Minuten (Sinowatz, 2017). Wer das Rauchen einstellt, verringert sein Risiko an koronaren Herzkrankheiten zu erkranken signifikant (siehe auch: Rauchen und Querschnittlähmung).
  • Übergewicht und erhöhter Cholesterinspiegel
    Nach einer Rückenmarksverletzung besteht eine gesteigerte Tendenz zu Übergewicht bzw. Fettleibigkeit. Gleichzeitig tendieren übergewichtige Menschen zu erhöhten Blutfettwerten, wodurch überschüssige Cholesterinpartikel in den Gefäßwänden der Schlagadern abgelagert werden und zu Entzündungen und Verkalkungen führen können. Zudem werden im Bauchfett Entzündungsbotenstoffe gebildet, die nicht nur chronischen Schmerzen Vorschub leisten sondern auch die Gefäßwände schädigen können. Siehe hierzu: Was tun bei Übergewicht? Abnehmen bei Querschnittlähmung. Den Cholesterinspiegel sollten Querschnittgelähmte jährlich testen lassen, um bei evtl. abweichenden Werten sofort Gegenmaßnahmen ergreifen zu können (Lewin/Salzman, 2017).

Therapie bei Koronaren Herzkrankheiten

Wenn eine KHK diagnostiziert ist, gibt es verschiedene Möglichkeiten der Therapie. Zunächst versucht man Beschwerden und Prognosen mit der medikamentösen Therapie zu beheben, mit individuell abgestimmten Gaben von z. B. die Thrombozytenaggregationshemmer (z.B. ASS, Clopidogrel), Statine (Cholesterinsenker), ACE–Hemmer und in besonderen Fällen auch Betablocker. Davon zu unterscheiden sind Medikamente, die die Angina pectoris-Beschwerden – also die Symptome der KHK – lindern. Dazu zählen unter anderem Nitrate, Kalziumantagonisten, Betablocker und neuere Substanzen wie Ranolazin und Ivabradin (Delius, 2017). Wenn die medikamentösen Maßnahmen nicht greifen, können bei Risikopatienten über revaskularisierende Maßnahmen, wie die Perkutane Koronarintervention (PCI) oder eine Bypassoperation, in Frage kommen.

Für Details zu den Therapiemöglichkeiten bei KHK siehe z. B.:

Siehe auch: Thrombose: Entstehung, Risikofaktoren, Prophylaxe und Querschnittlähmung und Bluthochdruck

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