Kinderbücher: Die Bunte Bande

„Die Bunte Bande“ ist eine Kinderbuchreihe der Aktion Mensch, die mit den Abenteuern von Leo, Tom, Tessa, Henry und Jule Kindern im Grundschulalter das Thema Inklusion nahe bringen soll.

Die Bunte Bande besteht aus den Freunden Leo, Tom, Tessa und Henry sowie Toms kleiner Schwester Jule, die als Einzige noch keine 11 Jahre alt ist. Die fünf erleben die Abenteuer des Alltags und halten dabei fest zusammen, wobei ihre unterschiedlichen Stärken und Schwächen sie zu dem tollen bunten Team machen, das sie sind: Tessa ist schnell, ungeduldig, sportlich und tatkräftig, Tom dagegen eher langsam, aufmerksam und nachdenklich. Henry ist ein Musikfreak und kann sich oft nur schwer entscheiden, dafür ist Leo manchmal zu schnell in seinen Entschlüssen, hat aber tolle Ideen. Und Jule möchte am liebsten bei allen Unternehmungen der Großen dabei sein, ob diese das nun gut finden oder nicht. Sie ist neugierig, kreativ und hat außerdem immer ein Auge auf ihren großen Bruder und hilft dabei der Bande zu erklären, warum Tom sich manchmal anders verhält als andere.

Bezeichnend ist dabei, dass keines der Kinder den Stempel des Andersseins schriftlich aufgedrückt bekommt. Dem Leser wird nicht großartig erklärt, dass z. B. Tessa evtl. anders ist, weil sie ein Mädchen ist, das sich nichts aus Mode macht und gerne Basketball spielt, oder dass Henry ein Außenseiter sein könnte, weil er eine dunkle Hautfarbe hat. Oder dass Tom und Leo aufgrund einer möglichen Behinderung Probleme oder spezielle Bedürfnisse haben könnten. „Leo ist im Rollstuhl unterwegs.“ Das war’s. Mehr wird dazu in den Büchern nicht gesagt und mehr gibt es auch nicht zu sagen. Leo ist der Junge mit den genialen Einfällen und manchmal vorschnellen Entscheidungen, der sich mit Computer und Technik auskennt und mit seinem Smartphone gerne Sachen recherchiert. Diese Eigenschaften sind es, die seine Rolle in der Geschichte ausmachen, nicht die Tatsache, dass er im Rollstuhl sitzt.

Aus dem Inhalt

Während in Band 1 „Der neue Bandentreff“ die Gruppe vorgestellt und ihre Suche nach einem barrierearmen Hauptquartier und dessen rollstuhlgerechte Zugänglichkeit thematisiert wird, steht in den folgenden drei Büchern, die bisher erschienen sind, jeweils eines der Kinder mit einem individuellen Problem im Mittelpunkt, bei dessen Lösung die anderen tatkräftig unterstützen. So hat in Band 2 „Tournier mit Hindernissen“ Basketballspielerin Tessa Angst vor einem anstehenden Tournier und die Freunde beschließen sie zu begleiten, um sie anzufeuern. Auch hier ist der Weg für Rollstuhlfahrer Leo nicht der einfachste, doch mit vereinten Kräften schafft die Bunde Bande es zur Sporthalle.

Teil 3 der Reihe „Mitglieder für die Schulband gesucht“ stellt Drummer Henry in den Mittelpunkt, der von Mobbern von einem Vorspielen für die Schulband ferngehalten wird. Und in Band 4 „Besuch aus der Großstadt“ stößt in den Sommerferien Leos Cousine Sarah zur Gruppe und hat Schwierigkeiten sich einzufügen. Hier wird auch ganz beiläufig in einem Nebensatz erwähnt, dass Leo es eigentlich nicht leiden kann, wenn man ihn im Rollstuhl hin- und herschiebt. Außerdem wird klar, dass ein Rollstuhl nicht gerade fahrtüchtiger wird, wenn Laien daran herumschrauben …

Die Botschaft

Die Buchreihe soll junge Leser auf kindgerechte Weise an die Themen gesellschaftliche Vielfalt und Inklusion heranführen. Dabei will sie die Frage „Was heißt eigentlich Inklusion?“ beantworten. So heißt es im Nachwort zu jedem Buch: „Unsere Gesellschaft besteht aus ganz verschiedenen Menschen: Männern, Frauen, Kindern und alten Menschen, Menschen aus anderen Ländern und Menschen mit und ohne Behinderung. Sie alle können voneinander lernen, denn jeder Mensch hat besondere Fähigkeiten und kann anderen helfen, genau wie bei den Mitgliedern der Bunten Bande. Das ist Inklusion: Keiner wird ausgeschlossen, alle haben die gleichen Rechte. Das ist sogar schriftlich festgelegt: in der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen. Deutschland hat diesen Vertrag 2009 unterschrieben.“

Wie liest es sich?

Zielgruppe sind Kinder von 8 bis 11, wobei die Geschichten für diese Altersgruppe eher kurz geraten und ohne große Spannungsmomente sind. Als Vorlesebuch für jüngere Kinder sind die Geschichten der bunten Bande schon besser geeignet und wegen ihrer Kürze und der großen Schrift vor allem auch für Erstleser. Die Sprache ist einfach und aus dem Alltag gegriffen, die Dialoge realistisch und die Probleme, mit denen sich die Protagonisten auseinanderzusetzten haben, sind für junge Leser sehr gut nachvollziehbar.

Die Bücher

Die Reihe „Die Bunte Bande“ von Corinna Fuchs mit Bildern von Uli Velte und Igor Dolinger ist im Carlsen Verlag erschienen und sowohl als gebundene Ausgabe als auch als kostenfreie barrierefreie pdf Dateien erhältlich. Bisher erschienen sind:

  • Der neue Bandentreff
  • Tournier mit Hindernissen
  • Mitglieder für die Schulband gesucht
  • Besuch aus der Großstadt

Alle Bände haben ca. 20 Seiten und kosten je ca. 2,50 Euro* Schutzgebühr.

Der Sammelband „Gemeinsam sind wir stark“ inkl. Rätselseiten und Sachinformationen ist ab ca. 10 Euro* erhältlich.

Weitere Informationen

Zu weiteren Informationen zur Bunten Bande und zu den Downloads geht es hier.

 

Ein Buch für ältere Kinder, das eindrücklich die Situation eines Jungen mit frisch eingetretener traumatischen Querschnittlähmung beschreibt, ist „Timo. Oder die Geschichte vom Frosch der keine Beine mehr hatte“. Für Details siehe: Von Einhörnern, Fröschen und Rollstühlen.

 

* Stand: April 2017

Fragen & Kommentare

Fragen & Kommentare zu diesem Artikel


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu hinterlassen.

Zur Registrierung geht es hier lang.