Rückenmarkstimulator ermöglicht Querschnittgelähmten Beinbewegung

Wissenschaftler der Mayo Clinic in Minneapolis, USA, halfen mit Elektrostimulation und intensiver Physiotherapie einem querschnittgelähmten Patienten wieder auf die Beine. Der Patient kann seine Beine wieder willentlich bewegen, stehen und schrittartige Bewegungen machen.

Jered Chinnock ist Teilnehmer an einer Studie der Mayo Clinic, die die Wirkung einer Kombination aus Elektrostimulation und intensiver Physiotherapie auf Rückenmarksverletzungen testet. Der 26-Jährige zog sich bei einem Unfall 2013 eine Querschnittlähmung auf Höhe Th6 zu. Die Lähmung wurde mit einem Ausfall aller motorischen und sensorischen Funktionen unterhalb der Lähmungshöhe als komplett eingestuft.

Vor dem eigentlichen Eingriff sah die Studie zunächst eine 22-wöchige intensive Physiotherapiephase vor, um Chinnocks Muskeln auf die Bewegungen vorzubereiten, die der Stimulator ermöglichen sollte. Um festzuhalten, ob bereits dieses Training eine Veränderung auslösen wurde, wurde Chinnock regelmäßig getestet. Die vorliegenden Resultate führten dazu, dass seine Lähmung nachträglich als inkomplett eingestuft wurde (siehe: Die inkomplette Querschnittlähmung). Dies legt die Vermutung nahe, dass außer Kraft gesetzte Verbindungen über die Läsionshöhe hinaus bestehen können und diese evtl. mit intensiver Therapie aktiviert werden können.

Nach der Physiotherapiephase wurde Chinnock im Epiduralraum nahe dem Rückenmark unterhalb der Läsionsstelle operativ ein Elektrodenimplantat eingesetzt. Die Elektroden sind mit einem computergesteuerten Gerät unter der Haut in Chinnocks Bauchraum verbunden. Dadurch kann elektrischer Strom in Rückenmark gelenkt werden, was Chinnock eine gewisse Bewegungsfähigkeit ermöglicht.

Nach einer dreiwöchigen Erholungsphase nach dem Eingriff, nahm Chinnock seine Physiotherapiestunden wieder auf, diesmal mit dem Implantat, das eine entsprechende Stimulation von Bewegungsabläufen auslösen sollte. Schon zwei Wochen später, war er in der Lage willkürlich

  • In Seitenlage Muskeln zu kontrolliert und Beinbewegungen auszuführen,
  • In Seitenlage und in einem Stehrahmen schrittartige Bewegungen zu machen und
  • Eigenständig zu stehen, wobei die Arme zum Balancehalten eingesetzt werden mussten.

“Die Ergebnisse der Studie überstiegen unsere Erwartungen bei weitem”, sagt Neurochirurg Dr. Kendall Lee. “Dies sind natürlich nur Anfangsresultate, doch der Patient macht weiter Fortschritte.” Lee und seine Kollegen sehen die positiven Ergebnisse als wegweisend für die künftige Rehabilitation bei (inkompletter) Querschnittlähmung.

Louisville-Methode

Wem die Methode bekannt vorkommt, hat Recht. Das Team der Mayo Clinic hat die Behandlungsform aufgegriffen, die bereits seit 2014 erfolgreich in Louisville eingesetzt wird und im Beitrag Epidurale Elektrostimulation ermöglicht willentliche Beinbewegungen beschrieben wird.

Neu an den vorliegenden Resultaten ist, dass sie innerhalb von zwei Wochen nach Einsetzen des Stimulators erzielt werden konnten. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass vor allem Patienten mit inkompletter Querschnittlähmung von der Methode profitieren können.

Dass die Methode aus Louisville auch von anderen Kliniken aufgegriffen wird, ist eine gute Nachricht für alle Betroffenen. Die Behandlung, die unter den Namen „The Big Idea“ von der Christopher & Dana Reeve Foundation unterstützt wird, hat derzeit nämlich Schwierigkeiten die notwendigen Mittel aufzubringen, die 36 weiteren Querschnittgelähmten eine Teilnahme an einer neuen Studie ermöglichen sollten. Siehe hierzu: Behandlungsmöglichkeiten finden: Die Christopher & Dana Reeve Foundation.

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