Segeln und Skifahren für Tetraplegiker

Eine neue Erfindung könnte es Menschen mit eingeschränkter Mobilität und Kraft in den Armen und Händen ermöglichen auf Segelbooten und Skiern künftig nicht nur als Passagiere unterwegs zu sein. Eingesetzt werden soll eine Blas-/Saugsteuerung.

Der Tetra Universal Controller wurde von dem selbst querschnittgelähmten Professor Jeffrey Rosenbluth an der Universität Utah und einem Ingenieurteam entwickelt. Mit ihm sollen Querschnittgelähmte entweder über einen Joystick oder eine Blas-/Saugsteuerung ein Segelboot oder Sitzskier steuern können. Dabei können simultane Befehle von verschiedenen Geräten empfangen und gleichzeitig verarbeitet werden.

Der Tetra Ski und der Tetra Sail sind erfolgreich von Personen getestet und mit einer Blas-/Saugsteuerung gelenkt worden, die eine Lähmungshöhe von C2 haben. Versuchsingenieur Ross Imburgia, der die elektronischen Komponenten und die Software des Tetra Universal Controllers entwarf bzw. programmierte, sagt: “Die Menschen, für die unsere Erfindung gedacht ist, können auf normalen Monoskiern nicht fahren, da ihnen Arm- und Handkontrolle und Oberkörperstabilität fehlen. Es ist wirklich cool, dass wir mit unserer Arbeit diesen Leuten etwas zurückgeben können, was ihnen genommen wurde. Oder ihnen etwas zu bieten, von dem sie dachten, dass sie es nie tun würden könne.”

Der Tetra Ski auf der Piste

Tetra Ski – Das Videospiel

Geübt wird mit einem Simulator, der von einem Studententeam der Utah Therapeutic Games and Apps Lab entwickelt wurde. Wie bei einem Computerspiel können Interessierte hier üben, wie ein Tetra Ski oder Tetra Sail, die Ausführung für Segelboote, benutzt wird. Der Universal Controller kann sogar an die speziellen Bedürfnisse Einzelner angepasst werden.

Die größte Herausforderung für die Entwickler war es, die Blas-/Saugsteuerung so einzustellen, das Betroffene auch wirklich selbständig und unabhängig damit fahren konnten. Mit der Joysick-Lenkung funktionierte es bei den Probanden in der Praxis meist auf Anhieb, aber die Blas-/Saugsteuerung erforderte ein großes Maß an Übung. Zunächst wurde eine Software entwickelt, mit der Betroffene vom Rollstuhl oder dem Bett aus trainieren konnten. Dann kam die Idee hinzu das Fahren an einem Video-Simulator zu testen. Vor allem für beatmete Patienten, die es schwierig fanden die Luft in den Halm zu blasen oder sie anzusaugen war das sehr hilfreich, denn die Ingenieure konnten das System ganz individuell an die jeweiligen Bedürfnisse, Möglichkeiten und Vorlieben der Nutzer anpassen.

Wenn die Testfahrer nach einer Übungsphase am Simulator dann mit dem Tetra Ski auf die Pisten geschickt wurden, waren sie von den Ergebnissen und dem neuen Fahrgefühl stets begeistert.

Über den Tetra Universal Controller

Der Tetra Universal Controller kann auch für andere Dinge, u. a. aber nicht nur zur Rollstuhlsteuerung, eingesetzt werden, da es sich primär als verbessertes Steuerungselement für Tetraplegiker versteht. Herkömmliche Geräte zur Blas-/Saugsteuerung erkennen nur eine Luftdruckveränderung. Wenn man z . B. stark pustet fährt der Rollstuhl vorwärts, während ein leichtes Ansaugen ein Anhalten des Rollstuhls auslöst. Komplexere Bewegungen auszuführen ist mit solchen Systemen fast unmöglich. Der Tetra Universal Controller kombiniert Mustererkennung, zeitliche Elemente und Druckstärke, um eine unbegrenzte Anzahl an Steuerbefehlen auszuführen. So gewinnen Nutzer mehr Bewegungsfreiheit und Unabhängigkeit zurück. Neben der Steuerung des Rollstuhls soll mit der Blas-/Saugeinheit auch andere Geräte gesteuert werden können z. B. Elektrogeräte im Haushalt oder am Arbeitsplatz. Die Entwickler denken dabei an eine gebündelte Ansteuerfunktion für z. B. Computer, Fernseher, Thermostate, Lichter, Türen und Fenster.

Wieviel der Tetra Universal Controller kosten soll und wann und ob er in Europa auf den Markt kommen wird, ist noch unklar. Für weitere Informationen siehe: Tetra Universal Controller for Individuals With Quadriplegia/Tetraplegia

 

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