„Nose2Brain“ – Multiple Sklerose in der Forschung

Die verbesserte Behandlung von Multipler Sklerose (MS) steht im Zentrum eines Forschungsansatzes des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik (IGB).

In einem von der EU geförderten Forschungsprojekt entwickelt ein internationales Konsortium in den kommenden Jahren eine neue Technologie für eine bessere Behandlung von Multipler Sklerose. Der „Nose2Brain“-Ansatz sieht vor, einen speziellen Wirkstoff direkt über die Nase in das zentrale Nervensystem zu transportieren. Zu diesem Zweck arbeitet das IGB an einer Wirkstoffzusammensetzung, die mittels eines speziellen Applikators direkt in der  Nasenschleimhaut angebracht wird und dort als Gelpflaster den Wirkstoff über einen längeren Zeitraum abgeben kann. Bei dem Wirkstoff handele es sich um ein Biomolekül, welches die Regenerierung von Nervenzellen anregt.

Durch die Nase direkt ins Gehirn

Medizinische Wirkstoffe werden üblicherweise über das Blut im Körper verteilt – entweder direkt durch Injektion in die Blutbahn oder indirekt, beispielsweise über den Verdauungstrakt nach oraler Einnahme. Bei vielen Erkrankungen – etwa des zentralen Nervensystems – ist es jedoch entscheidend, den Wirkstoff möglichst effizient an den gewünschten Wirkort zu transportieren. Ein Beispiel hierfür ist die Behandlung von Multipler Sklerose, bei der die Pharmazeutika ihre Wirkung vor allem im Zentralnervensystem entfalten müssen. Dieses ist jedoch aufgrund spezieller Schutzmechanismen wie der Blut-Hirn-Schranke auf dem üblichen Weg über das Blut besonders schwer zu erreichen.

Da der Bereich der Nasenschleimhaut, die Regio olfactoria, schwer zu erreichen ist, soll die Applikation des Gelpflasters von einem Arzt durchgeführt werden, nicht durch den Patienten selbst. Die Freisetzung des enthaltenen Wirkstoffes wird dann über einen längeren Zeitraum hinweg erfolgen und das Patch muss danach nicht wieder entfernt werden. Für die langfristige Behandlung wird dann einfach ein neues eingeführt.

Auf vier Jahre ausgelegt

Das Projekt Nose2Brain (N2B) – Patch wird im Rahmen der Ausschreibung »Biomaterials for diagnosis and treatment of demyelination disorders of the Central Nervous System« von der EU finanziell gefördert. Insgesamt beteiligen sich elf Projektpartner aus der Forschung und der Industrie. Das Projekt ist auf vier Jahre ausgelegt und wird Ende 2020 seinen Abschluss finden. Die Beteiligten forschen vor allem mit Blick auf die Behandlung von Multipler Sklerose, doch sie hoffen auch darauf, weitere Anwendungsfelder für die N2B-Plattform erschließen zu können.

Weitere Informationen

www.igb.fraunhofer.de

Fragen & Kommentare

Fragen & Kommentare zu diesem Artikel


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu hinterlassen.

Zur Registrierung geht es hier lang.