Israel: Mit dem Rollstuhl durch das Land der Bibel

Im Frühling 2017 verbrachte Oliver Straub elf Tage zwischen Tel Aviv und Totem Meer. Er sog die Eindrücke von Sabbat, Schakschuka und Strandleben in sich auf, besuchte die Klagemauer und den tiefsten Punkt der Erde. Außerdem schaute er sich ein israelisches Querschnittzentrum an. – Die Bilanz einer Reise mit dem Rollstuhl durch das Land der Bibel.

„Aufgrund meiner Begeisterung fürs Reisen und meines Bedürfnisses, anderen Rollstuhlfahrern die Scheu davor zu nehmen, möchte ich hier über meine Reiseerfahrungen in Israel berichten. Begleitet haben mich mein israelischer Freund und Assistent sowie ein weiterer Freund.

Seit 2009 bekomme ich das Persönliche Budget, womit ich meine Assistenz im Arbeitgebermodell finanziere. Der Aufwand ist zwar etwas größer als bei einem Pflege- bzw. Assistenzdienst, doch als Arbeitgeber kann ich entscheiden, wer bei mir arbeitet, wie Dienstpläne und Arbeitszeiten gestaltet werden, wo, wie und wann ich die Assistenz in Anspruch nehme und wie viel ich meinen Assistenten zahle. Kurz gesagt, bedeutet Assistenz für mich Leben, Freiheit, Selbstverwirklichung auch mit hoher Querschnittlähmung.

Warum Israel? Tja, wenn man schon einen ortskundigen Assistenten hat, dann sollte man die Gelegenheit nutzen sein Land kennen zu lernen.

Vorbereitung

Die Vorbereitungen für einen Urlaub als Rollstuhlfahrer können etwas umfangreicher sein, vor allem, wenn man auf Hilfsmittel angewiesen ist, die man von Zuhause nicht mitnehmen kann. Ein Duschrollstuhl ist z.B. ein Muss für mich, wenn ich auf Reisen bin, und wenn es die Möglichkeit gibt, gönne ich mir auch mal den Luxus eines elektrisch verstellbaren Pflegebettes.

Dafür bietet Israel ein besonderes Angebot: Die Organisation ,,Jad Sarah“ stellt für Menschen mit Behinderung die benötigten Hilfsmittel zur Verfügung und organisiert sogar den rollstuhlgerechten Transfer vom Hotel zum Flughafen. Auch Tagesausflüge mit dem Rollstuhl können über Jad Sarah gebucht werden. Zwei Wochen vor Abflug habe ich beide Hilfsmittel sowie den Transport vom Flughafen zum Hostel über Jad Sarah gebucht.

Die Flugtickets suchte ich mir zwei Monate vorher auf dem Portal Skyscanner raus. Da ich nicht an Arbeitszeiten gebunden bin, konnte ich mir die billigsten Flüge für den Zeitraum April 2017 aussuchen. Vom 21. April bis zum 1. Mai fand ich dann zwei Tickets für mich plus Assistenz für knappe 500 €. Beim Online-Ticket-Kauf konnte ich auf der Homepage der Airline Transavia meinen Elektrorollstuhl anmelden. Danach noch ein kurzer Anruf, um mein medizinisches Gepäck anzumelden und der Ticketkauf war erledigt.

Der Hausarzt hatte mir dafür ein Attest mit dem Bedarf von 50 Kilo für medizinisches Reisegepäck ausgestellt. 20 Kilo waren schließlich ausreichend – noch ein bisschen mehr für Souvenirs konnte ja nicht schaden.

Meine Unterkunft fand ich bei Hotels.com. Die Wahl fiel auf das Abraham Hostel in Tel Aviv mit einem barrierefreien Doppelzimmer und geräumigem Badezimmer mit unterfahrbarer Dusche. Bei einem Preis von ca. 800 € für zehn Übernachtungen kann man nicht meckern.

Anreise

Am 21. April um 6:00 Uhr morgens ging unser Flieger vom Flughafen München.

Eineinhalb Stunden vor Abflug waren wir am Flughafen zum Check-in. Israel hat dafür ein eigenes Gate und auch etwas strengere Kontrollen, doch mit meinem Elektrorollstuhl hatte ich keine Probleme. Nur sollte man darauf achten, dass der Rollstuhl mit Gel- bzw.  Trockenbatterien angetrieben wird, sonst wird einem der Flug verwehrt.

Mit meinem Rollstuhl konnte ich bis zum Flugzeug fahren, wo ich anschließend auf den Bord-Rollstuhl übergesetzt wurde. Bevor es ins Flugzeug ging, schraubten wir noch Teile vom Rollstuhl ab die eventuell beim Transport beschädigt werden könnten, und klemmten die Batterie vom Stromnetz ab. Mein Rollstuhl verschwand im Laderaum und ich wurde mit dem Bord-Rollstuhl die Treppen hoch getragen und vom Personal auf meinen Sitzplatz gehoben.

Nach dreieinhalbstündiger Flugzeit sind wir mit einer Stunde Zeitverschiebung um 11:30 Uhr bei schönen warmen 26° C in Tel Aviv gelandet. Meinen Elektrorollstuhl bekam ich ohne Schrammen wieder.

Nachdem wir unsere Koffer hatten, ging es vor den Haupteingang, wo der Fahrdienst von Jad Sarah schon auf uns wartete. Der Fahrer hatte es etwas eilig, als strenggläubiger Jude musste er bis zum Freitagabend noch viele Dinge erledigt haben, die er am Sabbat des Glaubens wegen nicht machen darf. Der Sabbat (Samstag) ist der Sonntag der Israelis und als  Ruhetag wird dieser ziemlich ernst genommen. Jegliche Arbeit ist von Freitagabend ab Sonnenuntergang bis Samstagabend  Sonnenuntergang verboten. Nur Menschen, die in lebensnotwendigen Berufen beschäftigt sind, dürfen an diesen Tag arbeiten. Dazu zählen Ärzte, Feuerwehrmänner, Krankenschwestern etc.

Nach einer 30-minütigen Fahrzeit kamen wir am Hostel an. Dafür, dass es ein Hostel  war, war ich wirklich positiv überrascht. Das Zimmer war geräumig genug für meinen E-Rolli, das Pflegebett sowie Duschrollstuhl standen auch schon bereit und das Badezimmer bot ausreichend Platz, um mit dem Duschrollstuhl in die Dusche zu kommen.

Da wir schon seit 2:00 Uhr morgens auf den Beinen waren, war erst mal Siesta angesagt. Nach einem kleinen Nickerchen entschieden wir uns dafür, unseren ersten Abend am Strand zu verbringen. Zum Meer waren es 20 Minuten Fußweg, und als wir so über die Rothschild Avenue runter schlenderten, fiel mir auf, dass ich ein ganz anderes Bild von dieser hochmodernen Stadt in meinem Kopf hatte. Die Straßen waren sehr sauber und breit, der Verkehr geordneter als in manch anderen europäischen Ländern, und die großen Wolkenkratzer, die das Stadtbild prägen, zeigen, dass Israel ein wohlhabendes und modernes Land ist.

Jaffa

Sabbat in Tel Aviv. Wie ich schon sagte, nehmen es die gläubigen Israelis mit dem Sabbat sehr ernst, das Zentrum wirkte an dem Tag sehr ruhig und fast alle Geschäfte und koscher geführten Restaurants waren geschlossen. –  Eine gute Gelegenheit, sich die altertümliche Hafenstadt Jaffa anzuschauen.

Eine halbe Stunde Fußweg von unserem Hostel am Mittelmeer gelegen, war Jaffa schon in der Antike sehr bekannt. Z.B. haben die Andromeda Felsen im Meer vor der Stadt in der griechischen Mythologie eine große Bedeutung, dort habe der Meeresgott Poseidon Andromeda gefangen gehalten, bis ihr geliebter Persus – ausgestattet mit den geflügelten Sandalen des Hermes – herbei eilte und sie rettete.

Jaffa

In Jaffa leben fast ausschließlich arabische Israelis, die das Stadtbild prägen und ihr einen besonderen Charakter  verleihen. Beim Schlendern durch die Gassen roch es nach orientalischen Gewürzen und die vielen kleinen Basare boten die Möglichkeit, sich mit Souvenirs und Antiquitäten für zu Hause einzudecken. Mit dem E-Rolli hatte ich keine Probleme, klar sind die meisten Läden nicht rollstuhlgerecht, doch viele haben ihr halbes Warensortiment vor dem Laden ausgebreitet und so macht es auch im Rolli Spaß zu bummeln.

Wenn man in Jaffa ist, sollte man einen Abstecher zu Doktor Schakschuka machen. In seiner Küche zaubert der Inhaber Bino Gabso das Nationalgericht Schakschuka. Es wird aus pochierten Eiern in einer Sauce aus Tomaten, Chilischoten, Zwiebeln und Gewürzen zubereitet und in der heißen Pfanne serviert. Der Laden ist weit über die Landesgrenzen bekannt, was man an den Fotos der vielen Prominenten im Restaurant sehen kann.

Querschnittgelähmtenzentrum Ra‘anana

Mein Interesse galt auch den Querschnittgelähmten vor Ort. Durch Dr. Kalke aus dem Querschnittgelähmtenzentrum Ulm bekam ich die Gelegenheit, das Löwenstein Rehabilitationszentrum für Querschnittgelähmte in Ra’anana zu besuchen.

Die Klinik liegt etwa 15 Minuten Autofahrt nördlich von Tel Aviv, eine gute Gelegenheit die öffentlichen Verkehrsmittel auf ihre Barrierefreiheit zu testen.

Im Stadtzentrum sind alle Busse über eine Rampe mit dem Rollstuhl zugänglich, doch bei Überlandfahrten in andere Städte sollte man sich vorher erkundigen. Nicht jeder Bus ist dort barrierefrei. Mit einem Niederflurbus erreichten wir pünktlich  unseren Termin um 10:00 Uhr, wo Ramon Torbilov als Zuständiger für ausländische Patienten schon auf uns wartete.

Als Erstes lernten wir dort Uri Sayag kennen. Er ist Mitte 50, war früher Gärtner und hat eine inkomplette Querschnittlähmung im Halswirbelbereich. Dank harten Trainings und starken Willens schaffte er es noch während der Reha wieder auf die Beine. Seine Ausdauer und positive Ausstrahlung beeindruckten den Leiter der Querschnittabteilung, Prof. Dr. Katz, so sehr, dass er ihn 2008 fragte, ob er nicht eine Organisation für Querschnittgelähmte gründen möchte.

Von der Idee angesteckt, gründete Sayag 2009 die Israel Spinal Cord Association, kurz I.S.C.A. Mit einer Präsentation bekamen wir Einblick in die Organisation, die sich zur Aufgabe gemacht hat Querschnittgelähmten nach ihrer Rehabilitation dabei zu helfen, ihren Weg zurück in ein normales Leben und in die Gesellschaft zu finden.

Oliver Straub mit dem Physiotherapeuten Shivan vom Querschnittgelähmtenzentrum in Ra’anana

Ein Projekt der I.S.C.A., das besonders heraussticht, ist die Zusammenarbeit mit dem Herzliya Interdisciplinary Center und der Universität. Psychologiestudenten der Uni werden dabei an frisch verletzte Querschnittgelähmte herangeführt, sie bieten sich als persönliche Mentoren an und begleiten den Patienten in der Phase der Rehabilitation im Krankenhaus. Weitere Projekte sind ein Wohnbauprojekt zur Anpassung des Wohnraums an die Bedürfnisse von Rollstuhlfahrern, Veranstaltungen von Self-Empowerment-Workshops für Querschnittgelähmte, das Organisieren von Vorträgen durch Fachleute und die Gründung der Spinal Cord Groupe. Außerdem werden Freizeitangebote bis hin zu mehrtägigen Ausflügen für Querschnittgelähmte zusammengestellt, um sie aus ihrem Alltagstrott herauszuholen. Leider war unser Zeitplan sehr eng gestrickt, weshalb wir uns nach einer Stunde schon wieder verabschieden mussten.

Als nächstes lernte ich in der Ergotherapie die Ergotherapeutin Shani kennen. Sie zeigte mir verschiedene Hilfsmittel für Tetraplegiker sowie ihre Technik der Funktionshand bei Tetraplegie. Bei dieser Technik werden die gelähmten Finger kurz nach dem Unfall für mehrere Wochen in einer bestimmten Position fixiert, dabei verkürzen sich die Sehnen der Finger, was das Greifen mit den noch vorhandenen Handhebermuskeln wieder möglich macht.

Als Letztes durfte ich den Physiotherapeuten Shivan kennen lernen, der die Patienten wieder fit für ihren neuen Alltag im Rollstuhl macht. Eine Besonderheit der Physiotherapie im Querschnittgelähmtenzentrum Ra’anana ist die Einbeziehung der Psyche. Im Therapieverlauf wird darauf geachtet, dass der physische und mentale Zustand der Patienten gleiche Fortschritte machen. Auch die Ausstattung der Physiotherapie konnte sich sehen lassen: Neben einem überdimensionalen Laufband, wo Patienten mit Gurten befestigt werden können, gab es auch ein Anti-Gravitation-Laufband, das bis zu 75 % des Körpergewichtes wegnimmt. Mit beiden Geräten können inkomplette Patienten wieder langsam ans Laufen herangeführt werden.

Nach zwei Stunden war das Treffen leider vorbei, gerne hätte ich mich mit einigen Patienten unterhalten, was mir aus Datenschutzgründen aber verwehrt wurde. Dennoch, mein Eindruck ist sehr positiv und ich denke, die Qualität der Rehabilitation von Querschnittgelähmten in diesem Zentrum steht der zu uns in Deutschland in nichts nach.

Totes Meer

Eigentlich wollten wir einen rollstuhlgerechten Bus für Tagesausflüge ausleihen, der über 100 €/Tag gekostet hätte. Das Schicksal hatte aber andere Pläne. Im Hostel lernten wir eine israelische Rollifahrerin kennen. Schirly ist eine wirklich gastfreundliche Israelin, und bot uns direkt an, das Land mit ihrem umgebauten VW T6 zu erkunden. Wir sagten zu und verabredeten uns für den nächsten Tag zu einem Tagesausflug ans Tote Meer.

Schirly holte uns morgens um 10:00 Uhr im Hostel ab. Unsere erste Station auf dem Weg zum Toten Meer war das Gute Samariter Mosaik Museum, das 2009 eröffnet wurde. Das Museum befindet sich auf der Straße von Jerusalem nach Jericho und enthält Mosaike aus Synagogen und Kirchen aus dem Westjordanland und Gaza. In byzantinischer Zeit wurde dieser Ort als derjenige identifiziert, an dem sich die Geschehnisse des Guten Samariter im neuen Testament abspielten, weshalb er heute noch als Pilgerstätte für viele Millionen Christen zählt.

In einer kleinen Höhle auf dem Gelände wurde uns die Geschichte des guten Samariter in einem 20-minütigen Film in Englisch vorgeführt. Man bekommt nochmal einen ganz anderen Eindruck von diesem Land, wenn man bedenkt, dass die Geschichten aus der Bibel sich hier wirklich abgespielt haben. Rollstuhlfahrern kann ich das Museum wärmstens empfehlen, es ist alles barrierefrei und eine Behindertentoilette ist auch vor Ort. Der Kartenverkäufer empfahl uns als Nächstes einen Aussichtspunkt mit schönem Blick über das Tote Meer und das Jordantal.

Bei der Ankunft stellten wir fest, dass der Weg nach oben mit unseren Rollstühlen leider unmöglich war, doch allein der Weg durchs Gebirge und der Schnappschuss am Ende der Straße waren die 30 Minuten Umweg wert. Wir fuhren weiter ans Tote Meer ganz oben an der Nordspitze bei Kalya. Das Tote Meer gilt als tiefster frei zugänglicher Ort der Erde – 428 Meter unter dem Meeresspiegel.

An der „Lowest Bar in the World“ konnten wir mit unseren E-Rollis ganz runter ans Ufer fahren, wo wir bei einem Picknick den schönen Ausblick genossen. Ein Anlegesteg, 100 Meter vom Ufer entfernt, machte uns bewusst, dass das Tote Meer langsam, aber stetig zu einem Tümpel verdunstet. 90 % des Wassers aus dem Jordan werden von den Anrainerstaaten für die Landwirtschaft und zur Wasserversorgung herausgezogen. Was vom Jordan übrig bleibt, ist nur noch ein kleines Rinnsal, das in das Tote Meer fließt.

Mit neuen Eindrücken ging es wieder zurück durch das Westjordanland nach Tel Aviv. Wir verabredeten uns mit Schirly für den nächsten Tagesausflug nach Jerusalem zwei Tage später.

Jerusalem

Jerusalem

Um 9:30 Uhr holte uns Schirly wieder pünktlich am Hostel ab. In einer knappen Stunde waren wir in Jerusalem, das Auto konnten wir direkt vor der Altstadt am Jaffator im Parkhaus parken. Leider ist die Stadt nicht gerade Rollstuhlfreundlich, bis zu 90% der Altstadt sind barrierefrei nicht zugänglich.

Abhilfe schaffte eine Stadtkarte, in der einige Rollstuhl-Touren eingezeichnet sind. Diese kann in der Tourismus-Information am Jaffa Tor abgeholt werden.

Gleich am Eingang zum Jaffa Tor befindet sich auf der rechten Seite der David Turm, der das gleichnamige Museum beherbergt. Die heutige Anlage geht bis auf das 14.Jahrhundert zurück und behandelt mit einer Dauerausstellung die Geschichte der Stadt von der kanaanaeischen Zeit bis heute. Den Besuch haben wir uns wegen einer langen Schlange  vor dem Eingang gespart, doch ein Großteil des Rundgangs und der Ausstellung ist auch für Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer zugänglich.

Die Altstadt von Jerusalem ist in vier Viertel aufgeteilt, den Tempelberg nicht dazugerechnet. Auf dem Weg zur Klagemauer durchquerten wir das armenische und das jüdische Viertel, wo sich das jüdische Heiligtum, die Klagemauer, befindet, die den Tempelberg stützt. Das christliche und muslimische Viertel liegen im Norden der Altstadt.

Mit den E-Rollis war es kein Problem, die hügelige Altstadt bis zum Vorplatz der Klagemauer zu durchqueren. Leute mit einem Aktiv-Rolli sollten eventuell eine Begleitperson zum Schieben dabei haben. Kleiner Tipp: Auf dem Vorplatz gibt es eine öffentliche Toilette mit einem Behinderten WC.

Der Zugang zur Klagemauer ist in zwei Parzellen für das jeweilige Geschlecht aufgeteilt. Die Männer auf der linken Seite und die Frauen auf der rechten Seite. Natürlich haben wir es uns nicht nehmen lassen, unsere Wünsche auf einen Zettel zu schreiben und diese zusammengefaltet in den Fugen der Mauer verschwinden zu lassen.

Nach einer kleinen Kaffeepause haben wir uns noch die Dormitio Basilika angeschaut, die der deutschsprachigen benediktinischen Dormitio Abtei angehört und außerhalb der Altstadt auf dem Zionberg liegt. Mit einer mobilen Holzrampe konnten wir uns den Rundbau der Basilika von innen anschauen und für eine halbe Stunde die Ruhe und die Kühle im Inneren genießen. Ein interessanter Tag ging zu Ende und wir machten uns wieder zurück auf den Weg ins Hostel.

Tel Aviv

Die übrigen Tage haben wir in Tel Aviv verbracht.

Ein besonderes Erlebnis waren der Holocaust-Gedenktag und der Gedenktag für die gefallenen Soldaten sowie der israelische Nationalfeiertag am Tag unserer Abreise. An allen drei Tagen gingen zu einer bestimmten Uhrzeit im ganzen Land für zwei Minuten die Sirenen los, der Verkehr stand still, die Leute stiegen aus und überall standen Menschen still zum Gedenken da, als hätte jemand die Zeit angehalten. Dieser surrealistische Stillstand einer so pulsierenden Großstadt ließ kurzzeitig die Erinnerungen an den Klassiker 1984 von George Orwell in mir aufkommen.

Sehr gefallen hat mir auch die kilometerlange Strandpromenade, die im Norden am Hafen von Tel Aviv mit einem holzbeplankten Steg beginnt und an den großen Hotels und der US Botschaft vorbei bis nach Jaffa führt.

Ich empfehle, mit dem Bus Richtung Norden an den Hafen von Tel Aviv zu fahren, und von dort den zwei- bis dreistündigen Spaziergang Richtung Jaffa anzutreten. Auf dem Weg gibt es einige öffentliche Toiletten mit Behinderten-WC. Ich benutzte meistens die Toilette am Jerusalem Strand beim Etzel Museum kurz vor Jaffa. Rollstuhlfahrer können sich dort auch einen Strandrollstuhl ausleihen und mit diesen ins Meer fahren.

Ende April ist ein sehr guter Wettermonat für Rollstuhlfahrer in Israel. Während es in vielen Teilen von Deutschland nochmal geschneit hat, hatten wir in den elf Tagen Aufenthalt zwischen 22 und 33° C.

Am letzten Abend trafen wir uns mit zwei Freunden meines Assistenten am Meer und machten es den vielen Einheimischen nach, den Abend mit einem kleinen Holzkohlegrill und israelischen Grillspezialitäten bei einem wunderschönen Sonnenuntergang ausklingen lassen.

Schirly brachte uns am nächsten Tag noch zum Flughafen, wo wir uns bei ihr für ihre Gastfreundlichkeit bedankten und uns von ihr verabschiedeten, bevor unser Flug um 12:20 Uhr Richtung München losging.

Tel Aviv

Fazit

Tel Aviv ist eine Stadt, in der Rollstuhlfahrer vor allem im Frühling und im Herbst zum Ausgleich der kalten Wintertage auf ihre Kosten kommen.

Der Nahverkehr ist barrierefrei, die Organisation Jad Sarah sorgt für den Transport vom Flughafen zum Hotel sowie für die Hilfsmittel und die Kosten für 11 Tage von ca. 1300€ plus Assistenz halten sich auch im Rahmen, wenn man nicht an bestimmte Flugzeiten gebunden ist.

Es wird nicht mein letzter Urlaub in Tel Aviv bzw. Israel gewesen sein, denn dieses Land hat noch jede Menge mehr an Kultur und Landschaft für Rollstuhlfahrer zu bieten. Ich hoffe, ich konnte euch das Land schmackhaft machen und ihr hattet Spaß beim Lesen.“

Oliver Straub, Juni 2017

 

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