Kabineninnovation für Passagiere mit eingeschränkter Mobilität

Im Beitrag Flugreiseplanung für Rollstuhlfahrer wird dargestellt, was man als Querschnittgelähmter beachten sollte, wenn man mit dem Flugzeug unterwegs ist. Für das Nutzen der Toiletten gibt es leider noch nicht so viele elegante Lösungen. Aber das soll sich ändern.

Uneingeschränkt fliegen können ist für viele selbstverständlich, für einige aber mit Hürden verbunden – gerade was das Thema Bordtoilette betrifft. Ein Grund, warum Airbus mit Rollstuhlfahrern zusammenarbeitet, um eine innovative Lavatory-Lösung für Personen mit eingeschränkter Mobilität zu finden.

Der Besuch der Toilette im Flug kann ein komplizierter und unangenehmer Vorgang für Rollstuhlfahrer sein. Häufig wird Unterstützung von Fahrgästen benötigt, um auf den Bordrollstuhl zu gelangen, ebenso wie für den Umstieg im Badezimmer auf die Toilette. Nun widmet sich ein Team von Airbus in Hamburg der Entwicklung eines neuen Bordrollstuhls, der mehr Unabhängigkeit für Passagiere mit eingeschränkter Mobilität verspricht. Ein speziell geformter Sitz ermöglicht es, den Stuhl direkt über die Toilette zu rollen.

Zusammenarbeit mit Rollstuhlfahrern

Das Design des Rollstuhls basiert auf einem Konzept der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW). Dipl.-Des. Thomas-Mathias Bock und Prof. Dr. Gordon Konieczny entwickelten das Detailkonzept und bauten und testeten den ersten Demonstrator mit Studierenden im Hamburg Centre of Aviation Training (HCAT). Die Idee für die Mobilitätsinnovation entstand zuvor in einem Workshop, in dem die Beteiligten unter anderem in den Hamburger Elbe-Werkstätten Erlebnisse, Anforderungen und Wünsche von Rollstuhlfahrern einsammelten. Basierend auf den Erfahrungswerten der Betroffenen entwickelten die Projektteilnehmer in nur drei Wochen einen funktionierenden Prototypen des Stuhls, der keine strukturellen Veränderungen an der Flugzeugtoilette erfordert. Der ProtoSpace-Labor von Airbus unterstützte mit seiner Infrastruktur die Entwicklung des Prototypen. Airbus Cabin & Cargo Engineering lieferte das entsprechende Design für den Stuhl, das ProtoSpace-Team das technische Wissen für den Prototypen und Auszubildende und Trainer von Airbus setzten die Demoversion um.

Einfach zu handhaben, stabil und sicher

„In der Entwicklungsphase fokussierten wir uns auf den Anwender und waren durch agile Arbeitsprozesse in der Lage, das Modell schnell umzusetzen“, erklärte ProtoSpace-Projektleiter Bessem Ayari den Arbeitsprozess.

Nach der kurzen Entwicklung ging der Rollstuhl in die Testphase und wurde am Lavatory-Mock-Up des Airbus Rapid Architecture Lab mit Rollstuhlfahrern der Elbe-Werkstätten erprobt. Das Urteil der Testpersonen: Das Design ist einfach zu handhaben, stabil und sicher. Ebenso positives Feedback gab es bereits im Sommer auf einer Konferenz über neue Flugzeugnormen, initiiert vom U.S. Department of Transportation. „Teilnehmer von Regierungen, Fluggesellschaften, Flugzeugherstellern und Organisationen, die in ihren Unternehmen Menschen mit Behinderungen vertreten, waren beeindruckt, wie schnell Airbus einen Prototypen produziert hat und dass Rollstuhlfahrer direkt zum Design beigetragen haben“, resümierte Hans-Gerhard Giesa, Head of Human Factors & Operations bei Airbus.

Der neue Rollstuhl soll u. a.  die bereits vorgenommenen Verbesserungen der Toilettensituation ergänzen.

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