Notrufsysteme fürs eigene Heim

Wenn man die Autonomie des Alleinelebens schätz und die regelmäßigen Besuche von Assistenzpersonen alles ist, was man braucht, stellt sich eigentlich nur noch die Frage nach dem Notfall. Notrufsysteme können das Mittel der Wahl sein – Varianten gibt es einige.

Ein Notrufsystem meldet auf Knopfdruck entweder Angehörigen oder einem Dienstleister, wenn bei einer Person mit Hilfsbedarf ein Notfall eingetreten ist. Die Systeme bestehen meist aus folgenden Komponenten:

Das Notrufgerät selbst ist ein Basisgerät mit Frei­sprech­anlage, das an die Strom­versorgung und an die Telefondose ange­schlossen wird und die Verbindung zur Notrufzentrale herstellt. Bei der Installation wird der Hauptanschluss gewählt, damit der Notruf auch auslöst, wenn telefoniert wird. Unter Umständen kann es notwendig sein einen Adapter für die Telefondose oder möglich ein spezielles Notrufgerät anzuschaffen, falls gar kein Telefonanschluss vorhanden ist.

Der mobile Bestandteil des Sets ist der Funksender, den der Nutzer als Armband, Kette oder Anstecknadel immer bei sich trägt. Die Reichweite zum Basisgerät darf (je nach Anbieter) 30 bis 50 Meter nicht überschreiten, d. h. ein zentrales Platzieren des Basisgerätes ist, falls möglich, von großem Vorteil, sodass es aus allen Räumen, dem Keller und evtl. auch dem Garten ausgelöst werden kann. Während der Installation sollten Sprach­verständlich­keit und Laut­stärke aus allen Räumen über­prüft werden, sodass im Notfall ein ungestörter Sprechkontakt zur Notrufzentrale besteht.

Beim Auslösen des Funksenders wird ein Kontakt mit entweder einem pflegenden Angehörigen oder der Notrufzentrale des gewählten Anbieters hergestellt. Die Notrufzentrale ist rund um die Uhr besetzt und organisiert entsprechende Hilfe. Die Mitarbeiter der Zentrale sehen sofort auf einem Bild­schirm wichtige Informationen über den Kunden, wie Adresse, Gesund­heits­informationen und Kontakt­personen (test, 2011).

Mögliche Anbieter

Wenn sich ein Nutzer dazu entscheidet nicht pflegende Angehörige sondern die Mitarbeiter eines Anbieters beim Notruf kontaktieren zu wollen, stehen verschiedene Anbieter* – Wohlfahrtsverbände und Privatanbieter – zur Auswahl, z. B.:

  • Arbeiter Samariter Bund Deutschland
  • ASD Hausnotruf GmbH
  • Deutsches Rotes Kreuz (DRK)
  • D.S.P. & Hausnotruf GmbH
  • Johanniter Unfallhilfe
  • Maltheserhilfsdienst
  • Sicrona Notrufsysteme
  • Sonotel
  • TeleCare 24
  • Vitakt Hausnotrufe
  • Wertvision GmbH

Die Beratung durch die Anbieter kann entweder persönlich oder telefonisch stattfinden und sollte Informationen zu den tech­nischen Voraus­setzungen und Abläufen, zu den Geräten, zur Installation, zur Wohn­situation und zu den anfallenden Installations- und laufenden Kosten enthalten.

Ebenfalls möglich ist ein online-Vergleich durch den Dienstleister Notrufsysteme-vergleichen.de. Er hilft das individuell passende Angebot zu finden. Mehrkosten entstehen für Interessenten laut Anbieter nicht.

Leistungen und Zusatzleistungen

Wenn der Hausnotrufdienst angerufen wird, leitet er Hilfsmaßnahmen ein. Zusätzlich zu dieser Grundleistung werden von den Anbietern verschiedene Zusatz­leistungen zu unterschiedlichen Konditionen angeboten, z. B.:

  • Hinterlegung von Haus- und/oder Wohnungsschlüssel Ein Schlüssel zur Wohnung bei kann Bekannten, Nachbarn oder dem ambulanten Pflegedienst hinterlegen werden. Im ermöglicht dies schnelle und vermeidet Kosten durch das Aufbrechen der Wohnungstür. Auch möglich ist das Hinterlegen in einem Schlüsselkasten mit digitalem Schloss, der direkt neben der Wohnungstür angebracht ist. Diesen Code gibt die Notrufzentrale an die alarmierten Personen weiter.
  • Passiver Notruf Einige Notruflösungen haben eine sog. „Mir-geht-es-gut-Taste“, mit der sich Nutzer täglich in einem definierten Zeitraum melden können. Erfolgt dieses Signal nicht, fragt die Notrufzentrale nach, ob alles in Ordnung ist, und alarmiert ggf. einen Notruf.
  • Kontaktmatten, die bei Inaktivität in der Wohnung Alarm auslösen.
  • Sturzmelder oder Fallsensoren Fallsensoren sind kleine, z. B. am Gürtel getragene Geräte, deren Detektoren erkennen, wenn der Nutzer z. B. aus dem Rollstuhl stürzt. Die Notrufzentrale fragt nach ob Hilfe erforderlich ist und alarmiert ggf. den Notruf.
  • Fahrdienste
  • Essen auf Rädern (pflege, 2017)

Kosten

Fällig wird bei den meisten Anbietern eine einmalige Anschlussgebühr, die in etwa zwischen 10 und 80 Euro liegen kann. Hinzu kommt die monatliche Nutzungsgebühr, die für die Standardversion der Leistung bei den meisten Anbietern ca. 20 Euro beträgt. Es werden aber auch die oben genannten Zusatzleistungen zu einem entsprechenden Mehrpreis angeboten.

Viele Hausnotruf-Dienstleister bieten Rabatte an: So erlassen zum Beispiel manche Hausnotrufdienste die Anschlussgebühr bei einer Laufzeit ab einem Jahr. In der monatlichen Gebühr sind in der Regel auch die Kosten für eine Wartung der Geräte und eventuelle Reparaturen eingeschlossen (pflege, 2017).

Bei Vertragsabschluss sollte man darauf achten, dass der Vertrag keine Mindest­lauf­zeit und eine höchs­tens zweiwöchige Kündigungs­frist hat. Auch die Kosten für die verschiedenen (eventuellen Zusatz-) Leistungen sollten aufgeschlüsselt sein (test, 2011). Bei manchen Hausnotrufdiensten etwa ist ein Anruf pro Monat bereits in der Grundgebühr enthalten, andere berechnen jeden Notruf zusätzlich.

Eine anteilige Kostenübernahme an Anschluss- und Nutzungsgebühr durch die Pflegeversicherung ist u. U. möglich, wenn es sich bei dem gewählten Anbieter um einen von der Pflegekasse anerkannten Dienst handelt. Ein Antrag auf Kostenübernahme muss vor Vertragsabschluss stattfinden.

Steuertipp: Der Bundesfinanzhof hat in einem Urteil vom 03.09.2015 entscheiden, dass die Kosten für einen Hausnotruf als haushaltsnahe Dienstleistung von der Steuer abgesetzt werden können (pflege, 2017).

Notrufsysteme in therapeutischen Praxen

Laut den Einrichtungsrichtlinien für (Physio-) Therapiepraxen ist auch hier eine Notrufanlage in den Behandlungsräumen (Kabine), in denen Leistungen abgegeben werden, die nicht die ständige Präsenz des Therapeuten erfordern, zwingend notwendig. Die Notrufanlage muss einen akustischen Signalton abgeben, der vom Praxispersonal abzustellen ist. Modelle, die den Signalton nach einer gewissen Zeit selbst abstellen, sind nicht geeignet.

Für Praxen eignen sich Sets, die aus mehreren Sendern bestehen, z. B. Halsbandsender, die in den Behandlungsräumen aufgehängt werden. Weitere Bestandteile sind z. B. ein Steckdosen-Empfänger mit Quittierungsfunktion, d. h. der Empfänger muss nach Auslösen eines Notrufs direkt am Gerät oder aus der Entfernung mit Hilfe eines Handsenders abgestellt werden, und/oder ein Quittierungs-Sender, der z. B. am Schlüsselbund getragen wird) zum Abstellen des Signals aus der Entfernung .

 

*Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit

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