Schach war gestern: Actionsportarten für Rollstuhlfahrer

Sich in Halfpipes stürzen, von Brücken springen, Berghänge hinabrasen und Brecher bezwingen sind riskante Unterfangen. Andererseits machen sie aber auch irre Spaß, denn der Adrenalinkick ist garantiert.

Übersichtsvideo zu den vielen coolen Sachen (auch Sportarten, aber nicht nur), die man im Rollstuhl machen kann.

 

Actionsportarten, die für Querschnittgelähmte geeignet sein können, gibt es viele – und was manche Leute nur mit ungläubigem Kopfschütteln betrachten, lässt die Herzen anderer höher schlagen und erfüllt sie mit dem innigen Wunsch genau DAS auch zu tun. Am besten sofort. Bei diesen Sportarten geht man an seine Grenzen und wird mit einem Endorphinrausch belohnt, der süchtig machen kann. Wer sich diesen Sommer aus dem Rollstuhl (auf eigene Gefahr!) ins Abenteuer stürzen will, kann sich im Folgenden ein paar Inspirationen holen.

Base Jumping

Beim Base Jumping hüpft man von einem erhöhten Punkt, z. B. einer Bergspitze oder einer Brücke, und hofft, dass der Fallschirm aufgeht und man einen geeigneten Landeplatz findet…

Bouldering

Bouldering ist Klettern an einer Kletterwand mit einem Extrakick. Die Wand steigt nämlich nicht kerzengerade in die Höhe, sondern hat Überhänge (Boulder), die man bezwingen muss. Neben einer ausreichenden Armkraft benötigt man viel Kraft in den Fingern und Händen. Ausprobieren kann man das in Boulderhallen bundesweit.

Bungeejumping

Bungeejumping ist so ähnlich wie Base Jumping, nur dass das Leben hier nicht von einem Fallschirm (oder Wingsuit) sondern von einem elastischen Seil abhängt. Und auch das Finden eines Landeplatzes entfällt. Die meisten Anbieter werden Querschnittgelähmte aber nicht, wie im Video, im Rollstuhlspringen lassen sondern eher einen Tandemsprung anbieten.

Downhill Racing und Mountainbiking

Auf vielen Strecken, die für Mountainbiker geeignet sind, können auch Rollstuhlfahrer über Stock und Stein brettern. Allerdings nicht im Alltagsrollstuhl sondern in speziell geeigneten Gefährten, die im Beitrag Ab ins Gelände mit manuellen Outdoor-Rollstühlen beschrieben werden. Wer so eines hat, legt los.

Drachen- und Gleitschirmfliegen

Beim Drachen- und Gleitschirmfliegen segelt man unbehelligt von allen weltlichen Problemen durch die Lüfte. Wie Querschnittgelähmte bei dem Vergnügen dabei sein können, wird im Beitrag Drachen- und Gleitschirmfliegen – Adrenalinkick für Rollstuhlfahrer beschrieben.

Fallschirmspringen

Das Fallschirmspringen erleben kann man als Querschnittgelähmter am einfachsten mit einem sog. Tandemsprung, der bei den meisten Anbietern (z. B. hier) möglich sein sollte. Es gibt aber auch Leute, die den Fallschirm alleine kontrollieren wollen. Hierzu ist eine intensive Ausbildung notwendig.

Und für Leute, die ihren Rollstuhl gerne behalten möchten:

Kitebuggyfahren

Beim Kitebuggyfahren sitzt man in einem drei- oder vierrädrigem Fahrzeug mit breiter Hinterachse, das von einem Vierleiner-Drachen, dem sog. Powerkite, gezogen wird. Daran, den Sport für Querschnittgelähmte zu adaptieren, arbeiter derzeit der amerikanische Tüftler Skye Parker (siehe: Spider Crab – Kitebuggy für Rollstuhlfahrer).

Kitesurfing

Beim Kitesufing sitzt man auf einem Surfbett und hält sich am Griff eines Gleitschirmes fest, der den Sportler übers Wasser zieht und auch gerne mal ein paar Meter in die Luft steigen lässt. Notwendig für Rollstuhlfahrer ist ein adaptiertes Brett mit Sitzeinheit. Da es mit dem Wasserskisport artverwandt ist, lohnt sich für ein Ausprobieren in Deutschland eine Anfrage beim Deutschen Rollstuhlsport Verband (DRS) siehe: Wasserski für Rollstuhlfahrer.

Streetkiting

Streetkiting ist so ähnlich wie Kitesurfing nur ohne Brett und auf der Straße. In Deutschland ist es noch relative unbekannt, vielleicht auch deshalb weil wenig befahrene Straßen fehlen, auf denen man gefahrlos üben kann.

Tiefseetauchen

Tauchen können Querschnittgelähmte ohne Probleme erlernen. Der DRS bietet hier zu Auskunft (siehe: Tauchen mit Handicap). Extremer wird der Unterwassersport, wenn mein seinen Rollstuhl mitnehmen möchte, so wie Sue Austin es tut….

Wasserskifahren bzw. Wakeboarding und Kneeboarding

Beim Wasserskifahren bzw. Wakeboarding und Kneeboarding wird man von einem Schnellboot durchs Wasser gezogen, während man sich an einer Leine festhält und versucht nicht vom Brett zu fallen. Letzte stellen den Unterschied der Sportarten untereinander dar. Beim Wakeboarding auf einer Sitzeinheit auf einem Brett und beim Kneeboarding kniet man auf dem Brett. Der DRS bietet entsprechende Kurse an (siehe: Wasserski für Rollstuhlfahrer).

Wakeboarding

Kneeboarding

WCMX /Chairskating

Die Actionsportart, die in Deutschland zweifellos am bekanntesten ist, ist WCMX (Chairskating). Der DRS bietet regelmäßig Kurse (siehe: Actionsport – Adrenalin auf Rädern) und es finden deutschlandweit Workshops für Interessenten aller Altersgruppen statt.

Wildwasserkajaken

Kajakfahren ist für Querschnittgelähmte kein Problem (siehe: Kanusport für Rollstuhlfahrer). Zum Abenteuer mit Adrenalinkick wird Kajaken wenn man es nicht auf ruhigen Gewässern macht, sondern auf wild tobenden Flüssen. Einen Anbieter gib es z. B. in Rosenheim, siehe: Mit dem Rollstuhl an die Soca.

Wingsuit Skydiving

Die bekannteste Wingsuit Skydiverin mit Querschnittlähmung in Deutschland ist Susanne Böhme. In ihrer Biographie spricht sie über ihre Erfahrungen mit dem Sport (siehe: Susanne Böhme: Steh auf und flieg). Wer es ihr nachmachen möchte, kann hier http://wingsuit.de/ nachfragen.

 

Bevor man sich dazu entscheidet diese Sportarten auszuprobieren, sollte man stets den Rat von entsprechenden Trainern bzw. Ausbildern und dem behandelnden Arzt einholen. Die aktuelle körperliche Verfassung und die Lähmungshöhe muss bei den Überlegungen stets eine Rolle spielen.

Weitere (vielleicht nicht ganz so spektakuläre) Sportarten werden in der Kategorie Sport vorgestellt.

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