Worauf es bei einer Rechtsschutzversicherung ankommt

Auseinandersetzungen mit einem Reha-Träger einem Rechtsanwalt zu überlassen, kann ein teurer Spaß werden. Mit einer guten Rechtschutzversicherung im Rücken geht das unter Umständen deutlich fluffiger. Die Stiftung Warentest hat 72 Rechtsschutzversicherungen getestet.

Arbeitgebern, Vermietern oder Unfallgegnern einen Rechtsanwalt. Zunächst empfiehlt es sich immer, in Kommunikation zu treten. In manchen Fällen kann es jedoch sehr hilfreich sein, die Sache einem Rechtsvertreter zu übergeben oder sich zumindest rechtlich beraten zu lassen. Die Rechtschutzversicherung ist eine Möglichkeit, will aber bei mehreren Hundert Euro Jahresbeitrag gut überlegt sein.

Häufige Kombinationen in Rechtsschutzversicherungen sind Privat-, Berufs- und Verkehrsrechtsschutz sowie diverse Bausteine, die man hinzubuchen kann. „Die Rechtsschutzversicherung trägt, wenn sie Deckung erteilt, in aller Regel sämtliche Verfahrenskosten, namentlich die des eigenen Anwalts, die des Gerichts, die – falls man (teilweise) verlieren sollte – des gegnerischen Anwalts und die des gerichtlich bestellten Sachverständigen“, erklärt der Rechtsanwalt und Fachanwalt für Verkehrsrecht Oliver Negele in dem Magazin PARAlife! (02/2017). In einem Sozialrechtsverfahren arbeiten die Gerichte zwar kostenfrei, d. h. ein Verfahren vor dem Sozialgericht verursacht keine Gerichtskosten, andere genannte Posten fallen ggf. aber auch in diesen Fällen an (siehe auch: Verfahren vor dem Sozialgericht).

Die Kosten einer Rechtsschutzversicherung sind in den vergangenen Jahren gestiegen. Im Mai 2021 untersuchte die Stiftung Warentest 72 Rechtsschutzversicherungen . 26 Mal wurde das Qualitätsurteil „Gut“ vergeben – und auch die Preisspanne bei den einzelnen Policen war enorm: Selbst unter den als „gut“ eingestuften Angeboten kostete die teuerste Variante 672 Euro pro Jahr, die günstigste 235 Euro. Hinweis:  Für Singles und Rentner gibt es oft billigere Tarife. Zudem empfehlen die Autoren der Stiftung Warentest Verbrauchern, eine Selbstbeteiligung in Höhe von 150 Euro zu vereinbaren (test, 2021).

Zudem sollten Interessenten immer ihre Bedürfnisse im Blick haben und Verträge selbst dahingehend unter die Lupe nehmen. Der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband hat gemeinsam mit dem Union Versicherungsdienst das Competence Centrum Behindertenhilfe (CCB) entwickelt, um speziell Menschen mit Behinderungen in Versicherungsfragen zu beraten, u. a. auch in Sachen Rechtsschutz (siehe: Mit Querschnittlähmung gut versichert sein).

Der richtige Tarif

Wenig erstaunlich: Ein genauer Blick ins Kleingedruckte lohnt immer. Man sollte genau wissen, für welche Bereiche des Lebens man eine Rechtsschutzversicherung wünscht und sich entsprechend sorgfältig darüber informieren, welche Bereiche die einzelnen Versicherungen tatsächlich abdecken. Zum Themenfeld „Sozialrecht“ merkt die Stiftung Warentest z.B. an, dass von ihnen als „gut“ bewertete Rechtsschutzversicherungen Hilfe bei Rechtsstreitigkeiten um eine Kur auf Kosten der gesetzlichen Kranken- oder Rentenversicherung, um bessere Pflegestufe oder um die Anerkennung einer Erwerbsminderung oder eines Arbeitsunfalls (Wegeunfall) übernehmen. Viele der gut bewerteten Rechtsschutzversicherungen im Test heben sich nach Einschätzung der Tester zudem positiv ab, indem sie bei Streit mit einer Sozialbehörde Anwaltskosten schon für Hilfe im vorgerichtlichen Widerspruchsverfahren übernehmen (test, Leistungen, 2021).

Der richtige Anwalt

Die Wahl eines Rechtsanwalts ist grundsätzlich frei. Bei einem drohenden Rechtsstreit oder rechtlichen Unsicherheiten können Betroffenen sich an einen Anwalt wenden – und sollten in diesem Fall darauf achten, dass der Anwalt Erfahrungen im betreffenden Rechtsgebiet hat (siehe z.B. Beitrag Wie finde ich einen Anwalt, der Experte für Schwerbehindertenrecht ist?).

Der Zeitpunkt eines Vertragsabschlusses

Für eine Vielzahl von Rechtsschutzfällen gebe es eine „Wartezeit“, so Rechtsanwalt Oliver Negele. Hier greife die Versicherung nicht direkt nach Abschluss, sondern erst nach einer vereinbarten Frist. Ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen, ist es für eine Rechtsschutzversicherung in diesem Fall zu spät: „Ebenfalls kann eine Rechtsschutzversicherung zwar nach einem Schadensfall abgeschlossen werden, muss diesen aber keinesfalls mehr bezahlen“ (PARAlife!, 02/2017).

Die ausführlichen Testergebnisse hat die Stiftung Warentest auf (externer Link) Rechtsschutzversicherung im Vergleich: Die beste Rechtsschutzversicherung für Sie | Stiftung Warentest zum Download (Kosten: 5,00 Euro) zur Verfügung gestellt.