Nicht ohne Macken: das „Bahnsteighöhenkonzept“

Historisch bedingt gibt es in Deutschland viele unterschiedliche Bahnsteighöhen. Für Reisende im Rollstuhl bedeutet das: An einem Bahnhof können sie ohne Barriere in den Zug rollen – im nächsten nicht. Hier für Barrierefreiheit zu sorgen, ist eine Mammutaufgabe, der sich die Deutsche Bahn mit dem „Bahnsteighöhenkonzept“ stellen will.

Komme ich als Rollstuhlfahrer bequem in den Zug? Das hängt in Deutschland auch von der Bahnsteighöhe ab – und von denen gibt es viele unterschiedliche Varianten.

Immerhin – irgendwann soll Barrierefreiheit an deutschen Bahnsteigen herrschen: „Die Herstellung der Barrierefreiheit an Bahnhöfen ist ein wichtiges Anliegen der Bundesregierung.“ So heißt es in der (externer Link) Antwort auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion zur Entwicklung der Bahnsteighöhen in Deutschland. (Bundesregierung, 2020)

Zur Umsetzung des Ziels der Barrierefreiheit habe die Deutsche Bahn AG (DB AG) im Jahr 2017 bundesweit einheitliche Regeln entwickelt und hierzu ein Bahnsteighöhenkonzept mit dem Bund abgestimmt. Ziel sei es, mobilitätseingeschränkten Reisenden einen unabhängigen und barrierefreien Zugang zum Eisenbahnsystem zu ermöglichen (Bundesregierung, 2020).

Derzeit dominieren drei Bahnsteighöhen die deutschen Bahnhöfe: 55 cm, 76 cm und 96 cm.  Im Detail: 45% der Reisenden im Netz der Deutschen Bahn warten an 76-cm-Bahnsteigen auf den Zug, 38 % an 96- bzw. 103-cm-Bahnsteigen, 9% an 55-cm-Bahnsteigen und jeweils 4% an 38-cm-Bahnsteigen oder Bahnsteigen mit noch geringerer Höhe (Infrastruktur, 2019).

Großes Ziel: 76 cm als – fast – einheitliche Höhe

Laut Bahnsteighöhenkonzept 2017 wird eine einheitliche Bahnsteighöhe von 76 cm (gemessen ab Schienenoberkante) anvisiert, damit möglichst alle Züge in ganz Deutschland barrierefrei erreichbar sind. Das deutsche Schienennetz ist lang – und an seinen Rändern gibt es unzählige Bahnsteigkanten. Die anzupassen wird eine Menge Geld kosten – und eine Menge Zeit. Dazu die Bundesregierung: „Das Bahnsteighöhenkonzept beschreibt einen Zielzustand, der nur längerfristig erreicht werden kann. In den nächsten 25 bis 30 Jahren soll eine wesentliche Vereinheitlichung der Bahnsteighöhen bundesweit erreicht werden.“ (Bundesregierung, 2020)

Und auch nach weiteren 30 Jahren wird nicht alles gleich sein, denn: „Innerhalb des sogenannten Hauptnetzes ist eine Aufhöhung auf 76 cm Bahnsteighöhe vorgesehen, soweit es sich nicht um S-Bahn-Bahnsteige mit 96 Zentimetern über Schienenoberkante handelt. Außerhalb des Hauptnetzes gibt es Ausnahmemöglichkeiten, die eine Bahnsteighöhe von 55 Zentimetern über Schienenoberkannte zulassen.“ (Bundesregierung, 2020)

Und in diesen Fällen sind wohl auch in Zukunft wieder die Dienste von Rampen, Hubliften oder zupackenden Mitreisenden gefragt, ohne deren Hilfe der Zug ohne den Reisenden im Rollstuhl abfährt.