Kurios: das „Bahnsteighöhenkonzept“

55 cm lautete die Standardhöhe für einen Großteil der Bahnsteige im „Bahnsteighöhenkonzept“ der Deutschen Bahn AG von 2011. Offenbar zu kurz gedacht. Denn europaweit werden 76 cm angestrebt.

Das wussten Deutsche Bahn und Bundesländer im Jahr 2011 auch schon. Dennoch heißt es im damaligen Konzept:

„Eine Linie, an der bereits heute die Mehrzahl der Reisenden an 55 cm Bahnsteigen einsteigt, erhält eine Zielhöhe von 55 cm.“

In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen stiegen damals die meisten Reisenden an 55 cm hohen Bahnsteigen ein. Genauso wie an vielen Regionalbahnhöfen bundesweit. Neue Bahnsteige, Züge, Fahrstühle und Treppen wurden auf 55 cm angepasst.

Das Bahnsteighöhenkonzept 2017

Nun sieht das „Bahnsteighöhenkonzept 2017“ eine bundesweit einheitliche Höhe von 76 cm vor. Denn im Fernverkehr könnten unterschiedliche Bahnsteighöhen keine Barrierefreiheit gewähren. Schon jetzt haben Rollstuhlfahrer, Gehbehinderte oder Reisende mit Kinderwagen Probleme, wenn sie in der einen Stadt ebenerdig einsteigen können, aber in der anderen plötzlich 21 cm fehlen.

Und dann gibt es da noch die Bahnsteighöhe 96 cm, die neben 55 und 76 cm ebenfalls im Bundesgebiet verbreitet ist. „Diese Bahnsteighöhen gibt es in Deutschland querbeet durch alle Bundesländer. Was bisher in der Bundespolitik niemand bedacht zu haben scheint: es wird endlich Zeit, dass es eine Bahnsteighöhe in der gesamten Bundesrepublik gibt“, wird der Deutsche Bahnkunden-Verband (DBV) von dem Portal kobinet-Nachrichten zitiert.

Diese Einheitlichkeit strebt die Deutsche Bahn nun an. Länder mit überwiegend 55 cm hohen Bahnsteigen weisen nach einem Bericht des MDR-Magazins „Umschau“ auf einen gut funktionierenden barrierefreien Nahverkehr hin und berufen sich auf die Vereinbarung von 2011. Mal ganz abgesehen von den Kosten für eine erneute Anpassung.

Züge sind kein Wegwerfartikel

Die Deutsche Bahn sehe die Neukonzeption weniger problematisch. Eine neuerliche Anpassung könne schließlich bis 2030 warten, wenn die alten Beläge ohnehin erneuert gehörten. Die Züge allerdings, haben nach Medienberichten eine voraussichtliche Lebensdauer von rund 30 Jahren. Wenn aber zunächst nur die Bahnsteige auf 76 cm erhöht werden, können Reisende zwar Fernzüge barrierefrei nutzen, jedoch für eine wahrscheinlich jahrelange Übergangszeit nicht mehr die Züge des Nahverkehrs …

Weitere Informationen

Über den Streit zwischen Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit der Deutschen Bahn berichtete das MDR-Magazin „Umschau“ am 23.08.2017.

 

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